Filmwelt


:: Kommentare
:: Besetzung


Der Dieb von Bagdad


Hintergrund

von Dirk Wilkens-Hagenkötter

Es war schon eine enorme Leistung, 1939 und 1940 den farbenprächtigen und tricktechnisch revolutionären Märchenfilm „Der Dieb von Bagdad“ zu drehen.
Anfangs drehte man in England, aber nach Ausbruch des 2. Weltkriegs verlegte man die Produktion nach Hollywood.

„Der Dieb von Bagdad“ basiert nicht auf einer bestimmten Geschichte, sondern hat viele Elemente aus den Märchen von 1001 Nacht zur Grundlage. So wird Sindbad der Seefahrer erwähnt und auch Flaschengeist und fliegender Teppich kommen in einem 1001 Nacht Märchen vor.
Der Ursprung der Märchen ist heute unklar. Vermutlich kamen sie aus Indien, gelangten über Persien nach Arabien und Ägypten. Im 14. Jahrhundert kamen dann die ersten Märchen nach Europa. Aber erst im 18. Jahrhundert wurden sie in Frankreich erstmal komplett veröffentlicht.

Die beiden Stars in „Der Dieb von Bagdad“ sind der deutsche Conrad Veidt als Großwesier Jaffar und der Inder Sabu als Dieb.

Conrad Veidt war ein Urgestein in der Filmbranche. Der 1893 in Berlin geborene Schauspieler hatte ein ausgeprägtes Charaktergesicht, wodurch er schon durch bloßes Erscheinen in einem Film auffiel. Er wirkte 1916 erstmals in einem Film mit.
Conrad Veidt scheute sich nicht, in Filmen mit brandheisse, für die damalige Zeit sogar skandalösen Filmen mitzuspielen. Beispielsweise 1918 in „Es werde Licht! 4. Teil: Sündige Mütter“, wo es um Abtreibung und den Paragrafen 218 ging. 1919 in „Anders als die Anderen“, einem der ersten Schwulenfilme oder 1926 in „Dürfen wir schweigen?“, wo es um die Syphilis ging. All diese Filme entstanden unter der Regie von Richard Oswald.
Conrad Veidt war aber auch ein Veteran im phantastischen Genre. Sehr populär wurde 1919 „Das Kabinett des Dr. Caligari“ oder 1925 „Orlacs Hände“.
Bei der Einführung des Tonfilms hatte er keine Probleme. Da er sehr gut englisch sprach, eröffnete ihm der Tonfilm auch die Möglichkeit, in englischen und amerikanischen Filmen mitzuspielen. 1933, als Hitler an die Macht kam, verließ er Deutschland, da er in dritter Ehe mit der Jüdin Ilona Preger-Bata verheiratet war.
Schon 1934 spielte er die Hauptrolle in „Jew Süss“, einem englischen Film, der den Antisemitismus in Deutschland anprangerte. Daraufhin fiel die faschistische Filmkritik über ihn her, brandmarkte ihn als Verräter.
1938 erhielt er die britische Staatsbrügerschaft, und 1940 drehte er dann mit „Der Dieb von Bagdad“ seinen einzigen Farbfilm.
Sein letzter großer Film war 1943 Casablanca. Er starb noch vor der Uraufführung an Herzversagen.

Sabu Dastagir wurde 1924 in Indien geboren. Der athletische Junge wurde schon 1937 für die Hauptrolle in „Elefanten-Boy“ gecastet. Der Dieb von Bagdad war erst sein dritter Film, aber er machte ihn zum Star. 1940 siedelte er in die USA über. Unter anderem auch, weil man ihn in seiner Heimat Indien anfeindete. Er war zu sehr ein Symbol für die britische Kolonialherrschaft in Indien. 1942 konnte er im Dschungelbuch noch einmal auftrumpfen. Aber mit zunehmendem Alter verlor der Kinderstar an Popularität. Er starb mit 39 Jahren 1963 an einer Herzattacke – nach dem ihm kurz vorher sein Hausarzt eine perfekte Gesundheit bescheinigt hatte.

Der Brite John Justin spielte den Ahmad. Für den damals 22 jährigen war es seine erste Filmrolle überhaupt. Allerdings ist er in der Filmbranche nie wirklich erfolgreich geworden. Er spiele zwar immer wieder in britischen Filmen mit, aber seine eigentliche Leidenschaft war die Bühne. Er star 2002 in London.