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Charlie und die Schokoladenfabrik


Filmkritik

von Susanne Picard

Charlie kann es nicht fassen, er hat doch wirklich gerade am Straßenrand im Schnee einen 10-Dollar-Schein gefunden und kann sich jetzt doch noch eine Tafel Wonka-Schokolade kaufen! Und vielleicht ist ja gerade in dieser die letzte von den fünf Eintrittskarten in Willy Wonkas Schokoladenfabrik!
Und Charlie hat wirklich Glück. In dieser einen Tafel ist tatsächlich die Eintrittskarte und so darf der selige Charlie dann mit seinem Großvater, der ihm schon so viel von der Schokoladenfabrik erzählt hat, mit dem pummeligen Augustus, der verwöhnten Veruca, dem neunmalklugen Mike und der sportbegeisterten Violet in die Fabrik hinein...

Tim Burton macht sich einmal mehr mit diesem Film einen Namen für schräge Unterhaltung. Auch wenn er diesmal ein durchaus familienfreundliches Märchen erschaffen hat, einen Disneyfilm sieht der werte Zuschauer natürlich nicht. Im voraus ist in der Presse viel gefragt worden, ob Willy Wonka, mit seiner demonstrativ blassen Haut und der Tatsache, daß er eingeschlossen in einem Kinderparadies lebt, wohl mit Michael Jackson verglichen werden könnte. Burton und Depp haben das abgestritten, und wenn auch unverkennbare Parallelen da sind, der Unterschied ist doch der, dass sich Willy Wonka als Hasser der vier unausstehlichen Kinder und ihrer Eltern erweist, die da zusammen mit Charlie an der Besichtigungstour teilnehmen.
Johnny Depp agiert wie gewohnt großartig - Sein Willy Wonka zieht alle Blicke auf sich und da muss die Kamera schon demonstrativ von Burtons Lieblingsstar wegschwenken, um die Aufmerksamkeit wieder auf anderes zu lenken.

Der Reiz dieses Films ist ungewöhnlich. Ein Märchenland, in dem die Bäume und das Gras essbar sind, und das von Zwergen bevölkert ist, die es pflegen und dafür sorgen, dass keine von Willy Wonkas neuen Erfindungen rund um Schokolade im Sande verläuft, Eichhörnchen, die Nüsse knacken und sortieren - das ist so das richtige für Kinder. Dass vier der Kinder für ihre Frechheit, Besserwisserei und Gier der Reihe nach bestraft werden, ist sicher auch Kindern verständlich und nicht zu brutal.

Und da haben wir auch schon die Schwäche des Films und wahrscheinlich das Geheimnis seines Erfolges in Amerika: er ist im Vergleich zu Filmen wie “Batman”, “Sleepy Hollow” oder “Big Fish” kein Film für Erwachsene. Er ist einer für Kinder. Das allerdings gelingt ihm mit Bravour. Die Szenerie ist so bunt wie es nur geht und auch Erwachsene können sich - so sie sich darauf einlassen - sehr wohl beim Mitfiebern erwischen: Was ist noch in der Schokoladenfabrik zu entdecken? Burtons Phantasie scheint keine Grenzen zu kennen. Dabei fällt (dieser Hinweis sei gegeben) auch eine Parodie auf einen bekannten Science Fiction-Film dabei ab, die sehr amüsant zu sehen ist.

Auch wenn der Film also eher an ein jüngeres Publikum gerichtet ist, auch das ältere wird seinen Spaß haben, besonders, wenn man weiß, was für ein guter Schauspieler Johnny Depp ist.