Filmkritik
von Susanne Picard
“Batman” - eigentlich die erste von vielen Comicverfilmungen seit Beginn der 90er, die wirklich zählte. Comicverfilmungen galten in den Siebziger und Achtziger Jahren als schwieirg. Klar, es gab “Superman”, es gab “Dick Tracy”, es gab sie, diese Versuche, einen Comic mit seinen bunten Bildern und dem Flair, das die Heftchen ausstrahlten, auf die Leinwand zu übertragen. Dennoch: Meist blieben solche Versuche Experiment. Die Computerrevolution allerdings änderte da vieles.
In dieser Hinsicht ist Tim Burtons “Batman” sicher einer der ersten wirklich ernstzunehmenden Comicverfilmungen der letzten beiden Jahrzehnte. Und es war auch Tim Burtons wirklich großes Projekt dieser Art; er hatte zwar “Beetle Juice” und “Pee-Wee's Big Adventure” gedreht, aber diese Filme waren eher Geheimtipps gewesen. Doch hier zeigte Warner Vertrauen in seinen neuen Regisseur: Das Gotham City von Tim Burton war ein eindrucksvolles Set. Es war in der Tat lebendig gewordener Comic und zeigte nicht nur grob Häuser, eine Stadt und Autos, sondern diese Stadt war so groß, dass man als Mensch darin den Überblick verlor, ein Moloch, in der nur noch ein so düsterer Held wie Batman für Ordnung sorgen konnte. Die Chemiefabrik ist so verwinkelt, voller giftiger Dämpfe, verrosteter monströser Rohre, dass der Mond in all dem Nebel nur noch blass zu sehen ist, die Skulpturen, mit denen die Wolkenkratzer verziert sind, sind überdimensional und bedrohlich, und Gotham selbst scheint keine Grenze zu haben. Menschen wirken in dieser grenzenlosen Stadt verloren und wie Kinder, so groß ist alles.
Und auch die Besetzung in diesem Film ließ nur wenig Wünsche offen. Über Jack Nicholson als den fiesen Joker muss man wirklich kein Wort weiter sagen, man muss ihn erleben, das steht fest. Kim Basinger als schöne Reporterin macht ihre Sache ebenfalls gut, auch wenn sie noch etwas zuviel kreischt, aber darüber kann man hinwegsehen. Den Fans am meisten Schwierigkeiten machte sicher Michael Keaton, der Star aus “Beetle Juice”, als Playboy und Milliardär Bruce Wayne. Man kannte es aus dem Comic, Batman sollte ein gutaussehender Mann sein, dem man zwar regelmäßigen Sport, nicht aber seine zweite Superheldenidentität ansah. Und dann kam da Michael Keaton, dem Burton sogar eine goldgeränderte Brille verpasste und ihn ein wenig schusselig daherkommen ließ. Das war eindeutig gewöhnungsbedürftig. Allerdings versuchte Keaton das wieder wettzumachen, indem er selbst von seinem Stuntdouble das Kickboxen lernte und so diese Stunts selbst machte. Aber man kann froh sein - statt Michael Keaton waren auch Pierce Brosnan, Mel Gibson und Charlie Sheen im Gespräch.
Über die Musik kann man auch noch ein oder zwei Worte verlieren. Geschrieben von Prince, entsprach sie noch ganz den Achtzigern und dem, was Burton unter schräg verstand. Prince' hohe Stimme passte gut in das durchgeknallte Setting und zum Score, den Danny Elfman für die Hintergründe entwickelte - auch hier wieder ein Glücksfall, denn das Studio hatte eigentlich John Williams und Michael Jackson als Musiker haben wollen.
So scheint im Nachhinein der ganze Film ein einziges Zufallsprodukt zu sein. Die Mischung jedenfalls war sehr neu für die Sehgewohnheiten des Publikums, und so war der Film - zumindest im Ausland - nicht so erfolgreich, wie Warner sich das erhofft hatte. Dennoch: Es reichte, um einen weiteren Batmanfilm in Angriff zu nehmen: “Batman Returns” - auch wieder unter der Regie Tim Burtons. Gut so - wie der geneigte Fan gerne feststellt.
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