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Sideways


Kritik

von Holger Lodahl

Regisseur Alexander Payne ist durch seine Filme "Election" (1999) und besonders durch "About Schmidt" (2002) bekannt und erfolgreich geworden. Genau wie die Helden in "Sideways" macht sich Schmidt auf, um seinem Leben wenigstens vorübergehend zu entfliehen. Er kommt in seine Heimat zurück, die er nun mit anderen Augen sieht. Payne hatte mit Jack Nicholsen einen Superstar engagiert, der "About Schmidt" mit seiner Schauspielkunst gepaart mit einem sehr guten Drehbuch zu einem der besten Filme des Jahres gemacht hatten.

Große Schauspielernamen sucht man bei "Sideways" vergebens. Die braucht Payne nicht mehr, durch den Ruhm von "About Schmidt" hat Payne genug Aufmerksamkeit.

Die Helden in "Sideways" sind Figuren, die man in Hollywood-Filmen selten findet. Sie sind nicht nur normale Menschen mit einer sie nicht erfüllenden Arbeit, Depressionen und lebensbestimmenden Sucht nach Sex. Sie sind mehr, nämlich unsympathisch und sogar überdurchschnittliche Idioten.

Miles wird vorgestellt als ein Mann, den das Leben langweilt und der in einer tiefen Midlife-Crisis steckt. Dass er während der Fahrt auf einer Schnellstraße auf dem Lenkrad Kreuzworträtsel löst und Alkohol trinkt, zeigt, dass man sich besser nicht mit im anfreundet. In seinem Frust hat er nicht erkannt, dass die geplante Junggesellen-Fahrt mit Jack nur schief gehen kann: Er hätte wissen müssen, dass sich sein langjähriger Freund Jack in den letzten Tagen vor seiner Hochzeit nicht darauf beschränken wird, sich Weine und Trauben erklären zu lassen oder auf Golfbälle einzuschlagen. Dass Miles sich in dem Ablauf der Reise so täuscht, lässt ihn unglaubwürdig oder sehr blind erscheinen.

Der schlechte Eindruck von Miles wird unterstrichen, als er das nötige Geld für die Reise seiner alten Mutter klaut, die er unter einem Vorwand besucht. Miles ist weder charakterlich noch optisch ein angenehmer Mensch, und diese Tatsache macht den Einstieg in "Sideways" erst einmal schwer.

Jack ist ein großes Pendant zu Miles: Seine körperliche Attraktivität war zwar schon auf dem Höhepunkt, doch weiß er seinen Charme noch immer zu nutzen und sieht das Glas eher halb voll als halb leer. Während Miles seine Probleme überdimensional sieht und sie nicht überwinden kann, verdrängt Jack die Tiefpunkte seines Lebens ebenso wie die Angst vor der Hochzeit und sucht Ablenkung in der Jagd nach Frauen.

Nach einigen Konflikten nimmt der Film eine Wende, als die beiden Männer Stephanie und Maya kennen lernen. Stephanie gibt Jack unbewusst die Möglichkeit, weiter vor seinen Ängsten zu fliehen: Er redet sich ein, nicht mehr zurückkehren zu wollen und verschweigt ihr, dass er heiraten wird. Es ist ein großer Befreiungsschlag, als sie davon erfährt und ihre Enttäuschung und Wut in körperlicher Gewalt ausarten lässt.

Die Kellnerin Maya ist die stärkste Figur in "Sideways". Sie ist die einzige, die weder unbewusst vor Problemen davonläuft noch misstrauische Gefühle ihren Mitmenschen gegenüber hegt. Ihr Interesse an Miles ist ehrlicher Natur, und sie lässt sich auch nicht von seiner schlechten Stimmung vergraulen. Sie spricht auch die schönsten Worte des ganzen Filmes:

Als sie sich mit Miles unterhält und fragt, warum ihm am Wein so viel liegt, gibt er recht belanglose Fachsimpelei von sich. Sie hingegen sagt, sie liebe den Wein, weil er so lebendig sei: Schon die Trauben seien schön, und aus ihnen würde dann der Wein so klar, rein und so geschmackvoll. Er reife mit den Jahren und würde immer besser - wann immer man eine Flasche öffne, sie würde immer anders schmecken als zu einem anderen Zeitpunkt. Diese Lebendigkeit des Weines läge ihr so am Herzen. Mit diesen Worten bringt sie den Film zu einer subtilen Wende, da durch sie Miles sein Problem versteht: Er lebt nicht, sucht im Wein die Flucht vor der Realität und ist auch gefährlich nahe der Abhängigkeit.

Miles und Jack reisen wieder ab - nicht ohne dass Jack erneut eine Frau flachlegt und sich kräftig Ärger einfängt: Er vergisst im Schlafzimmer der Frau seine Brieftasche mit seinen Trauringen und erkennt, wie sehr ihm seine Verlobte am Herzen liegt. Sehr zur Freude des Kinobesuchers muss Miles die Ringe wiederbeschaffen - einer der größten und unterhaltsamsten Momente von "Sideways". Trotz Jacks Erkenntnis, die Hochzeit nicht zu verderben, bleibt er wie er ist: Ein Mann, der sich selbst am nächsten ist.

Auch Miles nimmt sein altes, langweiliges Leben wieder auf. Da Stephanie sich enttäuscht zurückgezogen hat, bleibt nur Maya, dem Film ein Happy End und dem Zuschauer ein gutes Gefühl zu geben. Ihr ist es zu verdanken, dass man das Kino gutgelaunt verlässt und "Sideways" positiv in Erinnerung behält.