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Filmwelt


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:: Die Filmkritik


Red Eye


Filmkritik

von Susanne Picard

Wes Craven ist mittlerweile bekannt für solide Horror- oder Thrillerkost im Kino. Seit “Scream 3” hat er keinen eigenen Film mehr gemacht, jetzt meldet er sich mit “Red Eye” wieder zurück. Ob der Film ein Drama, ein Thriller oder auch ein Horrofilm ist, mag der Zuschauer selbst entscheiden - denn “Red Eye” ist ein wenig von allem.

Er beginnt wie ein Horrorfilm - ganz und gar harmlos, eine Situation, die jeder schon mal irgendwie und in irgendeiner Form erlebt hat. Ein stressiger Tag am Flughafen, lauter seltsame Menschen, und eigentlich will Lisa nur ihre Ruhe. Der hübsche junge Mann allerdings, der ihr so nett gegen den genervten Fluggast zu Hilfe kam, ist ein Lichtblick. Charmant, galant und unterhaltsam lockt er die trotz aller Verbindlichkeit doch sehr verschlossene Hotelmanagerin aus der selbstverordneten Reserve. Denn das Grauen entwickelt sich allmählich. Immer obskurer wird der Herr neben Lisa, erst hielt sie den seltsamen Namen Jackson Rippner für einen Witz, aber der Humor Rippners wird immer sinistrer. Bis Lisa schließlich aufgeht, dass er alles andere als etwas Gutes für sie im Schilde führt - und an dieser Stelle beginnt der Thriller. Rippner hat Lisas Vater in seiner Gewalt, wie will sie aus dieser Nummer rauskommen? Aus dem Flugzeug kann sie nicht weg, und wem sollte sie diese unglaubliche Geschichte denn bloß erzählen? Die Stewardessen haben mit dem Flug über sämtliche Gewitter der USA genug zu tun und da sind ja auch noch die großen blauen Augen von Rippner, der keiner Fliege was zuleide tun könnte. Können diese Augen lügen?

Wes Craven hat mit diesem Thriller an dieser Stelle neue Wege beschritten, denn soviel sei verraten: Lisa ist alles andere als die übliche weibliche Hauptrolle - sie erweist sich als durchaus schlagfertig und mutig in jeder Beziehung. Es war mutig von Craven, diesen Charakter mit der weitgehend unbekannten Schauspielerin Rachel McAdams zu besetzen - sie verkörpert die verängstigte und doch mutige Lisa Reisert, die ausnahmsweise mal alles richtig macht, sehr glaubhaft. Und das ist überhaupt eine der größten Neuigkeiten, die der Film zu bieten hat: eine Heldin, die all die Fehler, über die Craven sich einst in “Scream” und Konsorten lustig machte, eben nicht macht und sich nach dem ersten Schock wacker gegen den perfiden Gangster zur Wehr setzt. Erfreulich das - und hier bekommt der Film durchaus dramatische Anklänge.

Im Grunde verlässt sich der Film natürlich darauf, dass seine Figuren glaubwürdig sind und dass die Geschichte immer glaubhaft bleibt, denn was wäre Schrecken ohne die Identifikation? Eben, nichts richtiges. Und Craven tut noch eins, er hält den Film ungewöhnlich kurz - was die Dramaturgie zwangsläufig strafft und nicht wie heute üblich unnötig Längen fabriziert, die weder der Spannung zuträglich sind noch der Wohlgesonnenheit des Zuschauers. Was ebenfalls guttut, ist die Tatsache, dass der Film weitgehend auf Special Effects verzichtet. Einen Thriller, der mit so wenig Drumherum auskam, gab es dieses Jahr erst einmal, im April, da war es “Dolmetscherin” Nicole Kidman, die sich mit ihrer Vergangenheit herumschlagen musste. Natürlich bleibt “Red Eye” mindestens zwei Nummern kleiner als Sydney Pollacks meisterliches Kammerspiel im großen Stil, aber immerhin muss Wes Cravens Film den Vergleich nicht scheuen.