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Königreich der Himmel |
Kritik
von Susanne Picard
Man nehme: Eine große Portion des Heldenmuts, der schon Maximus Decimus Meridias in "Gladiator" so erfolgreich machte, dann eine ebenso große Portion der feurigen Leidensfähigkeit eines William Wallace, einen kräftigen Schuß Schlachtengetümmel à la "Herr der Ringe", nehme als Krönchen einen hübschen und bekannten Hauptdarsteller und besetze edel bis in kleinste Rollen. Dann versetze man ins Mittelalter - lange schon nicht mehr auf der Leinwand gehabt! - und erhalte: einen Blockbuster.
Aber dann ist da ja doch noch etwas dabei, das diesen Film nicht zu dem Einheitsbrei werden läßt, den man nach dieser Beschreibung vermutet. Die Geschichte rund um den einfachen Hufschmied Balian, der sich zum heldenhaften Kreuzritter Balian von Ibelin mausert, wird von Ridley Scott ("Alien", "Gladiator", "Blade Runner") so meisterlich auf der Leinwand erzählt, daß wirklich kaum eine Sekunde Langeweile aufkommt. Und von einem Filmepos muß man ja auch wirklich nicht mehr erwarten als eben - großes Kino. Genau.
Balian ist Hufschmied in einem kleinen, französischen Dorf, man schreibt das Jahr 1184. Mitten im Mittelalter also. Seine Frau hat sich erst kürzlich umgebracht, weil sie die Trauer um das gestorbene Kind nicht ertrug - dass Balian jetzt den Priester, der sich über ihren Tod hämisch äußert, in einem Tobsuchtsanfall umbringt, war zu keiner Zeit ratsam und war es in jener düsteren Ära besonders nicht.
Da kommt ihm Godfrey von Ibelin gerade recht, schneit der doch mit den winterlichen Flocken in die Schmiede und eröffnet Balian, er sei sein (adliger) Vater, besäße Land in Palästina, sei Berater des Königs Balduin IV von Jerusalem und wolle Balian als seinen Sohn anerkennen - habe er doch eine Affäre mit dessen Mutter gehabt.
Die Ereignisse zwingen Balian geradezu, das Angebot anzunehmen und so geht es ab ins Heilige Land. Balian ist fasziniert, ist er doch unversehens vom Stand eines Leibeigenen in den eines Ritters erhoben - auch wenn er sich ganz unversehens dort wiederfindet, wo er eigentlich (wie weiland General Maximus) gar nicht hinwollte: In der intriganten Welt der großen Politik und einer großen Liebe, nach der er gar nicht gefragt hat. Sind doch die Sarazenen auf bestem Wege, das christliche Königreich Jerusalem wieder zurückzuerobern, das sie rund hundert Jahre zuvor an die ersten Kreuzfahrer verloren hatten...
Und so entfaltet sich nicht nur vor Balian, sondern auch vor dem geneigten Zuschauer ein buntes und gewaltiges Bild des Mittelalters in Palästina. Ridley Scott zieht alle Register, derer er fähig ist und man sieht nach einiger Zeit mal wieder einen Blockbuster, bei dem jeder Cent auf der Leinwand zu sehen ist. Sei das in meisterlichen Computeranimationen (die man eigentlich nur selten bemerkt, aber das ist ja gerade das Gute), in der wunderbaren Ausstattung, in den hervorragenden Schauspielern, die sich alle in Spiellaune befinden oder an der gut erzählten Geschichte, die sogar in weiten Teilen auf geschichtlichen Tatsachen fußt. So hieß der letzte Verteidiger der Stadt Jerusalem vor Sultan Saladins Truppen in der Tat Balian von Ibelin und er war es auch, der so geschickt mit Saladin zu handeln verstand, dass ein Großteil der Bevölkerung vor der eigentlichen Eroberung freies Geleit aus der Stadt bekam. Ein weiterer Vorzug also zu Filmen wie "King Arthur", von dem Jerry Bruckheimer noch vollmundig behauptete, er erzähle die Wahrheit hinter der Geschichte. Schlappe Sache das, aber Ridley Scott ist ja gottseidank nicht Jerry Bruckheimer, und der geneigte Kinogänger weiß das ja auch.
Woran der Film ein wenig schwächelt, ist der Hauptdarsteller. Ähnlich wie bei "Gladiator" ist die Geschichte kunstvoll um einen sehr - ja, benutzen wir es, das machohafte Wort - ausgesprochen männlichen Charakter herumgebaut: Balian von Ibelin. Er ist sieht gut aus, ist heldenhaft, trägt sein Schicksal wie es sich gehört, weiß die Schönheit der Frauen zu schätzen, vergißt aber darüber nie seine hehren Prinzipen: Königstreue, Loyalität, Ehre und Schutz der Schwachen. Ein echter Ritter eben. Nun gut, solche Helden möchte man in solchen Epen auch sehen, keine Frage. Aber noch ist Orlando Bloom mit seinen gerade mal 28 Jahren nicht dieser Mann, auch wenn die Gerüchte nicht verstummen, er habe 20 Pfund für diese Rolle zugenommen. Nun, Körpergewicht ist nicht Schauspielkunst - nicht, daß er sich nicht wacker schlagen würde, er gibt sich alle Mühe und möglicherweise wird er eine solche Rolle doch einmal spielen können.
Irgendwann.
Hier jedoch - und gerade, weil er sich in direktem Vergleich mit Leinwandgrößen wie Liam Neeson, Jeremy Irons und Edward Norton befindet - muß man sich die Frage stellen, ob er genug Schauspielerfahrung hat, um einen Film mit diesem Pathos zu tragen, ohne ins Lächerliche abzugleiten. Das muß man leider (noch?) verneinen, und so geraten einige Sätze dann doch arg überzogen und Bloom wirkt überfordert. Zu seinen Gunsten ist allerdings - das natürlich besonders aus weiblicher Sicht, man gibt es ja schamübergossen zu - noch zu sagen, daß der Kleine ja nicht nur im Legolaskostüm nett anzuschauen ist, sondern auch und gerade hier als Held und Protagonist. Und auch, wenn er an der Würde eines Stadtverteidigers noch arbeiten muß, man hofft für ihn, daß er vielleicht eines Tages eine derartige Rolle wird ausfüllen können.
Man darf also gespannt sein.
Dem Film selbst trägt Blooms Auswahl als Hauptdarsteller und die doch arg erkennbare Nähe zu "Gladiator" leichten Punktabzug ein. Wer aber eine Schwäche für Historienkino und Heldengeschichten hat, sollte sich dieses Ereignis dennoch nicht entgehen lassen! Ihn erwarten 145 imposante Minuten, die er sicher nicht bereuen wird.
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