|
Der 200-Jahre-Mann |
Filmkritik
von Dirk Wilkens-Hagenkötter
"Bicentennial Man" basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte von Isaac Asimov (auf Deutsch: Der Zweihundertjährige, die in der Geschichtensammlung "Meine Freunde, die Roboter" enthalten ist).
Asimov schrieb die Geschichte anlässlich des 200. Geburtstags der Unabhängigkeitserklärung der USA. Von daher sind die Themen der Geschichte - Menschenrechte über einen Zeitraum von 200 Jahren - also kein Wunder.
Später erweiterte der Autor Robert Silverberg die Kurzgeschichte zu einem Roman unter dem Titel "The Positronic Man" ("Der positronische Mann"). Auch dieser Roman bildet die Grundlage für den Film.
Die Firma, welche die Roboter erbaut, heißt im Film NorthAm Robotics. Im Buch heißt die Firma "U.S. Robotics", also die gleiche Firma, die auch in "I, Robot" die Roboter baut.
1971 gründete sich ein Modemhersteller und nannte sich, um Asimov zu ehren, "U.S. Robotics". Eigentlich hätte im Film der Original-Name der Firma verwendet werden sollen, da die Firma aber nicht positiv dargestellt wird, bat die reale U.S. Robotics ob man im Film nicht einen anderen Namen verwenden könne. Dem wurde entsprochen, aber an einigen Stellen sieht man noch den alten Schriftzug mit U.S. Robotics.
Drehbuchautor Nicholas Kazan legte in "Der 200 Jahre Mann" wesentlich mehr Wert auf Humor und Romantik, als die Kurzgeschichte bzw. der Roman eigentlich hergibt.
Dafür hat er den politischen Aspekt mit den Menschenrechten heruntergefahren.
Das ist in sofern von Nachteil, da der Film dadurch ein Bild von Andrews Weg zur Menschwerdung zeigt, das bei genauerer Betrachtung sehr kritisch zu bewerten ist.
An sich treibt Andrew der gleiche Wunsch wie Pinocchio - er möchte ein Mensch werden. Er ist dank eines Konstruktionsfehlers ein einzigartiges Wesen. Er hat ein eigenes Bewusstsein und ist hochintelligent. Deshalb fordert er für sich die Menschenrechte. Als ihm diese verweigert werden, gibt er nach und nach seine Einzigartigkeit auf. Als letztes gibt er die Unsterblichkeit auf, das Letzte, das ihn zu etwas besonderem macht. Erst jetzt werden ihm die Menschenrechte zuerkannt.
Das ist genauso, als wenn die Farbigen in den USA beim Streiten für ihre Rechte letztlich ihre Haut weiß färbten und dafür dann die Bürgerrechte erhielten. Immerhin war die Original-Geschichte gedacht, um den Geburtstag der USA zu würdigen. Es ist gar nicht so abwegig, dass Andrew sinnbildlich für das farbige Amerika steht: Die Sklaven kamen nach Amerika und erhielten nach dem Bürgerkrieg ihre Freiheit. Doch wirklich anerkannt waren sie nicht (auch Andrews Besitzer gibt ihm zwar die Freiheit, kann sich aber nicht durchringen, ihn wirklich als gleichwertig zu sehen). Erst nach Martin Luther King begann sich die Situation der Farbigen wirklich zu verbessern. Das erreichten sie aber nicht dadurch, dass sie ihre Haut weiß färbten, sondern das sie als Farbige ihre Rechte erkämpft haben.
Die Forderung des Roboters, dass die Menschenrechte auf ihn anzuwenden sind, ist berechtigt. Als er sein Ziel erreicht, ist er aber kein Roboter mehr. Letztlich wurde die eigentliche Forderung also niemals erfüllt - einzigartige Roboter haben immer noch keine Rechte.
Der Film mag an dieser Stelle etwas zu sehr oberflächlich sein, aber immerhin gibt er somit genug Stoff zum Nachdenken. Das allein hebt den Film schon positiv hervor und zeigt einmal mehr, dass Robin Williams nicht nur in Komödien glänzen kann.
Regisseur Columbus hatte mit Robin Williams schon in "Mrs. Doubtfire" zusammen gearbeitet. Nach "Der 200 Jahre Mann" drehte Columbus die ersten beiden Harry Potter Filme.
|
|