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Superman - Der Film


Kritik

von Dirk Wilkens-Hagenkötter

Superman gehört wohl zu den wichtigsten US-Amerikanischen Kult-Ikonen. Erdacht wurde die Figur 1930 von Jerry Siegel und Joe Shuster. Die beiden Teenager verkauften die Rechte aber für ein paar Dollar an den DC Verlag, der damit 1938 eine neue Comicserie startete. Nur wenige Jahre später kam Superman schon auf die Leinwand: 1941 als 10 minütiger Zeichentrickfilm und 1948 als Kino-Serial.

In den 50er Jahren lief dann eine sehr populäre TV Serie. Sie wurde sogar schon in Farbe gedreht, obwohl in den USA das Farbfernsehen erst über 10 Jahre später eingeführt wurde. Danach wurde es aber still. Das Problem war, dass sich kaum einer noch vorstellen konnte, eine glaubwürdige Verfilmung hinzubekommen, ohne dass man einen Lachanfall bekommt, wenn man den Superhelden fliegen sieht.

Aber Ende der 70er Jahre schien die Zeit endlich reif zu sein. Die europäischen Produzenten Alexander und Ilya Salkind erwarben die Rechte und gingen dann auf die Suche nach einem Regisseur. Richard Donner, der gerade mit "Das Omen" einen Riesen-Erfolg vorweisen konnte, schien der richtige Mann zu sein. Und mit Marlon Brando, der den Jor-El spielen sollte und Gene Hackman als Lex Luthor wurden zwei große Stars gefunden, deren Namen das Projekt gut verkaufen konnten.

Marlon Brando erhielt über 3 Millionen Dollar Gage. Allerdings war seine Darstellung sehr schlecht. Den Text hatte er nie im Kopf, man sieht im Film immer wieder, wie er den Kopf nach unten neigt - dann liest er den Text gerade von einem Zettel ab; besonders deutlich, wenn er das Raumschiff zusammen baut.

Gene Hackman dagegen ist ein Hochgenuss. Obwohl er die Westküste der USA versenken will, ist er ein liebenswürdiger Bösewicht, den man gern haben muss. Eigentlich wollte er zuerst gar nicht die Rolle übernehmen. Gottseidank hat er es sich anders überlegt.

Das größte Problem aber war die Rolle des Superman / Clark Kent. Erst dachte man auch hier an einen großen Namen. Paul Newman war im Gespräch. Aber dann fand man den 24 jährigen Christopher Reeve, der nicht nur Ähnlichkeiten mit der Comic-Figur hatte, sondern auch recht muskulös war. Dazu kam, dass der Neuling eine ganz besondere Art hatte, an die Rolle heranzugehen. Im Gegensatz zu den Comics versuchte er, wenn er Superman war, eher unauffällig zu sein. Er gab damit der Figur eine Bescheidenheit, die ihr sehr gut tat. Wenn Reeve Clark Kent spielt, ist er sehr viel tollpatschiger als die Comic-Vorlage. Auch hier konnte die Figur durch diese Art der Darstellung nur gewinnen. Reeve eignete sich ein kleines Stottern an, das Synchronsprecher Hans-Jürgen Dittberner in die deutsche Fassung gerettet hat.

Auch für Lois Lane wurde lange eine geeignete Schauspielerin gesucht. Jede Kandidatin musste einige Szenen mit Christopher Reeve proben. Bei Margot Kidder passte es dann wie die Faust aufs Auge. Ihre Darstellung der Lois Lane kam fast einer kleinen Revolution gleich. Bisher war die Reporterin in den Comics immer das Anhängsel gewesen, das es zu retten galt, die aber sonst recht wenig selbstbewust und schon gar nicht emanzipiert daher kam. Margot Kidder muss zwar auch immer wieder gerettet werde, aber sie spielt engagiert und selbstbewusst. Lois wurde emanzipiert und ist nun auch endgültig die bessere Reporterin.

Das Hauptproblem war, wie schon gesagt, das Fliegen. Hier mussten gänzlich neue Techniken angewendet werden, viele Tricks wurden extra für Superman entwickelt.

In der alten TV Serie hatte man es sich noch einfach gemacht. George Reeves, der Darsteller, lief los, sprang auf ein Trampolin und sprang so aus der Kamerasicht. Der Flug war dann recht lächerlich, da man förmlich sehen konnte, dass der Schauspieler an Seilen von der Decke hing. Das war nun bei Superman the Movie ganz anders. Beim Landen und Abheben wurde Christopher Reeve mittels eines kranartigen Gestells sanft auf den Boden gesetzt bzw. hoch gehoben. Beim Flug hat Reeve eine ganz eigene Körperhaltung, die alles echt wirken lässt. Natürlich hängt auch Reeve an Seilen fest, aber man sieht es nicht mehr. Das ist ausschließlich Reeve zu verdanken, denn Testaufnahmen mit anderen Superman-Kandidaten zeigen, dass diese oft schon wieder völlig verkrampft in der Luft hingen.

Die Musik von "Superman - The Movie" gehört heute zu den bekanntesten Filmmelodien der Welt. Komponiert hat sie John Williams. Nach "Krieg der Sterne" und "Unheimliche Begegnung der Dritten Art" war dies seine dritte große Produktion. Leider klingen bei Williams viele Sequenzen immer recht ähnlich. Gerade was "Superman" und "Krieg der Sterne" betrifft, ließen sich ganze Passagen austauschen, ohne das es groß auffällt. Musikalisch bieten die großen SF-Filme der Endsiebziger also nicht sehr viel Abwechslung.

Eigentlich wurde "Superman - The Movie" in einem Produktionsgang mit "Superman II - Allein gegen alle gedreht". So entstanden alle Szenen in der Festung der Einsamkeit und alle Szenen im Daily Planet für beide Filme hintereinander. Nachdem aber "Superman - The Movie" sehr erfolgreich in den Kinos lief, wurde Regisseur Richard Donner zusammen mit vielen anderen des Drehteams von den Produzenten gefeuert. Das kam für alle Beteiligten sehr plötzlich und führte auch zu Spannungen zwischen der verbleibenden Crew und den Produzenten. Obwohl Donner viele Szenen für "Superman II" gedreht hat, wird er im zweiten Teil nicht mehr erwähnt. Dort gilt Richard Lester als Regisseur des gesamten Films.

Über die Gründe für den Rauswurf kann man nur spekulieren. Am vermeintlichen Unvermögen kann es kaum gelegen haben - der Film war erfolgreicher als alle seine Nachfolger.