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Catwoman


Filmkritik

von Susanne Picard

Superman, Batman, Spiderman – ja, mann, wo bleiben denn da die Frauen in diesem unserem gleichberechtigten Zeitalter?! Sprach Hollywood und begnügte sich nicht mit der erstklassigen Darstellung des Charakters von Michelle Pfeiffer in „Batman Returns“, sondern erkor „Catwoman“ zur ersten Superheldin mit eigenem Film. Als Absicht durchaus lobenswert und von den Fans ungeduldig erwartet.

Patience Philips ist Werbegrafikerin bei Hedare Cosmetics. Ein Mauerblümchen, wie es im Buche steht: Schlabberhemden, ein bißchen zottelige Haare und ziemlich schüchtern. Als sie eines Abends noch einen Anzeigen-Entwurf bei ihrem Chef abgeben soll, erfährt sie durch einen unglücklichen Zufall, was hinter der neuen Anti-Aging-Creme des Unternehmens steckt: Ein giftiges Mittel, an dem der Joker aus “Batman” seine helle Freude gehabt hätte.
Natürlich bringt der Chef sie um und natürlich retten Katzen ihr Leben – Catwoman is back, zwölf Jahre nach ihrem ersten Leinwandauftritt in “Batman Returns”.

Aus diesem Film hätte wirklich einiges werden können. Eine bezaubernde Halle Berry, die auch für die Damenwelt erfreulich anzusehen ist. Benjamin Bratt als der schneidige Detective. Eine gute Sharon Stone als die Böse. Eine Kamera, die gar nicht mal so schlecht ist. Eine Comicvorlage, die eine Menge Geschichten liefern könnte.

Leider ist nur ganz wenig davon in den Film eingeflossen. Und zwar so wenig, daß man die schlechten Kritiken schon irgendwie verstehen kann, immerhin hat Michelle Pfeiffer 1992 die Latte für die perfekte Catwoman hoch angelegt. Angesichts der schlechten Erinnerung an ihr eigenes Kostüm in “Batman Returns” soll Belle Michelle bei Antrag der Rolle übrigens so erschrocken gewesen sein, dass die Produzenten sich schnell Alternativen überlegten, so zum Beispiel Ashley Judd. Aber am Schluss wurde es dann doch Halle Berry. Per se keine schlechte Auswahl, möchte man sagen, ist die Gute doch auch für Frauen ein erfreulicher Anblick. Trotzdem waren Fans (so auch die Schreiberin dieser Kritik!) enttäuscht - Catwoman war und ist für die Fans eben doch Michelle Pfeiffer.
Dennoch: Man kann sich auch in diesem Film gut amüsieren, wenn man seine Erwartungen nicht allzu hochschraubt. Wie schrieb der SPIEGEL so schön? „Es ist nicht King Lear, über den wir hier reden, sondern eine Frau im Katzenkostüm.“ Eben.

Was eigentlich an diesem Film scheitert, sind nicht die Schauspieler. Sharon Stone kauft man das betont überzogen bösartige, weil alternde Ex-Model genauso ab wie Halle Berry das katzenhafte Wesen, das gerade fünf Dosen Thunfisch leer gefressen hat.
Es sind eher die Kleinigkeiten, die an diesem Streifen ärgern und die so auffällig sind, daß man sie nicht wie in so manch anderem schlechten und unüberlegten Film schön reden kann: Ein Comic ist immer eine überzogene Welt. Siehe “Batman Returns”, bei dem Selina Kyle viel tiefer stürzte als nötig, ihre Wohnung viel kleiner und kitschiger war als nötig und sie die Ambivalenz von Catwoman nicht mit dem berechtigten Verfolgen von Bösewichten rechtfertigte, sondern damit, das sie die vor der Vergewaltigung gerettete Frau gleich nochmal ohrfeigte und fauchte: „Für deine Naivität, nachts allein durch dunkle Gassen zu laufen!“
Nicht, dass Halle Berry eine schlechte Performance abliefern würde. Höchstwahrscheinlich konnte die Oscarpreisträgerin nur nicht mehr aus der mager vorgegebenen Rolle machen. Was uns umgehend an den Regisseur denken lässt - böse Zungen behaupten, was könne man auch schon von einem Franzosen erwarten? Der vorher nichts als Videoclips gedreht hat? Und auch noch nur einen Namen hat?? Nun, außer dem Franzosen trifft das auch auf McG zu, der mit “Charlie's Angels” ja auch zweimal 100 sehr sinnfreie Minuten auf die Leinwand brachte, die aber trotzdem Spaß machen. Naja, vertiefen wir das nicht, denn wie dem auch sei - das Experiment Catwoman mißlang.

Die Hauptfigur ist in sich selbst vielleicht gar nicht mal so unwahrscheinlich - immerhin glaubt der geneigte Kinogänger ja auch an die Existenz von Batman oder Magneto; jedenfalls so lange der entsprechende Film dauert. Aber dazu gehört eben mehr als eine außergewöhnliche Titelfigur und ein guter Schauspieler, das jeweils kreierte Filmuniversum muss ebenfalls passen. Aber die Umgebung in Catwoman ist so normal und alltäglich, daß leider auch die Titelheldin merkwürdig banal darin wirkt – und dadurch auch wieder der ganze Film. Die Kulisse und die Situationen, in denen sich Catwoman alias Patience Philips wiederfindet, sind in jedem Fall nicht so außergewöhnlich, wie es das heiße Lacklederkostüm der Hauptfigur vermuten läßt.

So kann das Fazit am Schluss dieser Verfilmung auch für Fans von Filmtrash und Katzenliebhaber nur ein klägliches „miau“ sein und kein lautes „rroarr“…
Schade auch um den guten Stoff - vielleicht hat ja jemand das Herz, es eines Tages erneut zu versuchen. Hoffentlich mit besserem Erfolg.