Filmkritik
von Susanne Picard
Doch, dieser Film ist eindeutig ein Schritt in die richtige Richtung.
Düsterer sollte er werden und ganz wegkommen von den knallbunten und schrillen Versionen der Batman-Filme "Batman forever" und "Batman und Robin", die leider auch an der Kasse einbrachen und bei weitem nicht an das große Vorbild und seine Maßstäbe herankamen: Tim Burtons "Batman" und "Batman Returns". Mit seinem düsteren Art-Déco-Gotham hatte Burton sowohl den Zeitgeist getroffen, innovativen Film gezeigt und interessante Geschichten erzählt, die nicht nur Comic-Unkundigen gefielen, sondern auch den Fans.
Was danach kam, waren nette Versuche, möglichst bunt zu wirken und möglichst schrill, man kam sich manchmal buchstäblich vor wie im Zirkus. Man setzte auf große Namen statt Handlung und fiel damit auf die Nase. An der Kasse noch gerade so passabel, fielen die Filme bei den Fans glattweg durch.
Also wollte man bei Warner Gras über die Sache wachsen lassen. Acht Jahre nach dem letzten Film also fliegt jetzt die menschliche Fledermaus wieder über die Leinwand und ist zurück. Wieder sehr monochrom, dunkel - düster eben und Regisseur Christopher Nolan hat die Vorgabe: Back to the roots! Vergiß die bisherigen Filme! sehr wörtlich genommen. Es geht für Bruce Wayne zurück zu den Wurzeln. Denen der eigenen Ängste der Jugend und zu den eigenen Traumata.
Man darf jetzt nicht den Fehler machen, diese Geschichte mit Tim Burtons erstem "Batman"-Film zu vergleichen. Auch da haben wir gesehen, wie die Eltern von Master Bruce auf der Straße von einem Kleinganoven umgebracht werden. Hier allerdings sollte man wissen, wird das alles nicht genauer oder wieder beleuchtet, sondern völlig neu konzipiert. Das Franchise benötigte nicht nur eine Auffrischung, sondern eine völlig neue Herangehensweise. In der hehren Absicht, hinter die Natur des Verbrechens zu kommen, schlägt sich Bruce Wayne diesmal also besonders durch die asiatische Gefängniswelt. Aber ein Weg aus dieser Hölle heraus tut sich auf - er wird im tibetischen Kloster des Ra'z al Ghul aufgenommen und soll sich für die Assassinentruppe der Shadowrunner qualifizieren.
Tja, aber "Mit großer Macht kommt große Verantwortung" - das erkennt nicht nur Peter Parker, sondern auch Bruce Wayne beizeiten und weigert sich, der etwas radikalen Form der Verbrecherbekämpfung, die Ra'z al Ghul propagiert, weiter nachzueifern. Pech für ihn, denn Gotham selbst befindet sich in der Hand des Mafia-Bosses Carmine Falcone und ist korrupt bis ins Letzte: Wer diese Kungelei bekämpfen will, braucht Verbündete, aber Bruce muß sich seine Nische zur Bekämpfung der horrenden Kriminalitätsrate erst zurechtzimmern.
Diese Entwicklung steht im Zentrum des gesamten Films, der zugegeben ein bißchen langsam anfängt. Damit gerät er in der ersten Hälfte ein wenig zur Charakterstudie und weniger zu dem, was man erwartet - zur Superheldenstory. Man fragt sich unwillkürlich: Wo ist Batman?? Ja, man muß sich eine Weile gedulden, bis dann endlich das Batman-Kostüm auf der Leinwand erscheint. Dafür erfährt man dann auch detailliert, woraus es besteht und was man damit machen kann, wo die Batmaske herkommt und wie Bruce Wayne liebevoll seine Waffen hobelt.
Lobenswert sind natürlich die Schauspieler. Christian Bale hat bereits unter Beweis gestellt, daß er ein Charakterdarsteller sein kann, von Michael Caine und Morgan Freeman müssen wir gar nicht reden und auch Katie Holmes gibt sich alle Mühe, bleibt aber leider bei all diesen hochkarätigen Männern ein wenig blaß. Schön allerdings ist, daß sie mehr tun darf, als nur hysterisch herumschreien, was frau bei weiland "Batman" noch übel vermerkte.
Insgesamt hilft es einem Kino-Nostalgiker nicht wirklich - "Batman" und "Batman Returns" bleiben ungeschlagen. Aber immerhin darf man sich bei "Batman Begins" - wenn auch nicht über besondere Tiefe, so doch über eine wesentlich gehaltvollere Geschichte freuen, als man sonst so auf der Leinwand zu sehen bekommt. Und sich dabei auf eine Fortsetzung freuen, die hoffentlich ähnlich düster und spannend ausfällt wie diese Version.
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