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:: Die Filmkritik


Ed Wood


Kritik

von Dirk Wilkens-Hagenkötter

Tim Burton ist einer der besten Regisseure der Welt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er gern gegen den Strom schwimmt und sich auf das konzentriert, was er selbst gut findet. Dass dieses Rezept keine Garantie für den Erfolg eines Films ist, zeigt Burton am Beispiel des schlechtesten Regisseurs aller Zeiten: Ed Wood.

Man möchte gar nicht glauben, dass dies ein biografischer Film ist. So dämlich kann doch keiner sein, möchte man sagen, dass kann doch nur eine frei erfundene Komödie sein. Nein, Ed Wood ist keine erfundene Figur. Er wurde 1924 geboren, hielt sich für einen großen Schauspieler und Regisseur, drehte billigsten Trash und erlag schließlich der Alkoholsucht.

Die beiden Drehbuchautoren Scott Alexander und Larry Karaszewski haben sich vor allem auf die Jahre 1954 bis 1957 konzentriert, die wohl die erfolgreichsten Jahre von Ed Wood waren. Als Tim Burton das Drehbuch las, wollte er sofort selbst Regie führen. Ed Woods und Tim Burtons berufliche Werdegänge weisen einige Parallelen auf, weshalb Burton vielleicht der prädestinierteste Regisseur war. Sowohl Burton als auch Wood schwammen nicht mit der Masse, sie wollten ihre Träume verfilmen und konnten von daher akzeptieren, dass Filmkritiker oft genug ihre Projekte verrissen. Wenn Ed Wood ein sehr persönliches Verhältnis zu seinem Idol Bela Lugosi hatte, war es bei Tim Burton Vincent Price, der am Ende seiner Karriere ähnlich wenig beachtet war, wie Lugosi.

Als Hauptdarsteller wählte Burton Johnny Depp, mit dem er schon in "Edward mit den Scherenhänden" gearbeitet hat (somit spielte Depp schon das 2. mal einen Edward für Tim Burton) und den er ein drittes Mal in "Sleepy Hollow" engagierte. Johnny Depp geht in der Rolle förmlich auf. Es gelingt ihm wunderbar, Ed Woods Macken darzustellen und ihn doch liebenswert zu machen. Denn das sollte man tatsächlich immer im Hinterkopf behalten, wenn man von Ed Wood als den schlechtesten Regisseur redet: Er gab sein ganzes Herzblut in seine Projekte. Ihm fehlte lediglich ein Blick für das Gesamte. Wenn beispielsweise Tor Johnson in einer Szene gegen die Wand läuft, weil er die Tür verfehlte, so ließ Wood die Szene nicht neu drehen, weil er kein Auge dafür hatte, wie lächerlich das im späteren Film wirken musste. Wood war der Meinung, es sei nur natürlich wenn man so ein Missgeschick im Film belasse. Vielleicht war Wood auch nur zu ungeduldig, vielleicht war er in Gedanken schon bei der nächsten Szene und hatte einfach keine Lust, eine Einstellung ein 2. Mal zu machen, wenn etwas daneben ging. Ed Wood war nie der Meinung, seine Filme seien schlecht. Er fühlte sich im besten Falle missverstanden. Und genau das glaubt man Johnny Depp, wenn er in die Haut des Ed Wood schlüpft.

Für die Rolle des Bela Lugosi wurde Martin Landau gewählt. Zwar sehen sich die beiden nicht unbedingt ähnlich, aber das hat die wunderbare Maske ausgeglichen. Außerdem eignete sich Landau den ungarischen Akzent Bela Lugosis an, so dass es nun keinen Zweifel mehr gibt: Das ist Bela Lugosi, der Mann, der 1931 Dracula spielte und dessen Karriere dann immer weiter abwärts ging. Man ahnt, wenn man Landaus Spiel sieht, dass Bela Lugosi eines jener Hollywood Opfer ist, die teils durch Selbstüberschätzung, teils fallende Zuschauergunst immer wieder am Rand des Walk of Fame zurückbleiben. Martin Landaus Karriere begann als Nebendarsteller in Filmen wie "Cleopatra" und "Der unsichtbare Dritte". Zusammen mit seiner Frau Barbara Bain spielte er in 2 TV Serien die Hauptrolle: "Mission: Impossible" und "Space 1999", hierzulande als "Mondbasis Alpha 1" bekannt. Einen kleinen Cameoauftritt hatte Martin Landau später in einem anderen Film von Tim Burton: "Sleepy Hollow" - dort stirbt er gleich zu Beginn des Films.

"Ed Wood" wurde in schwarz / weiß gedreht, da man der Meinung war, das Leben von Ed Wood könne nur in den Farben gezeigt werden, mit denen Wood selbst seine Filme machte. Der bekanntest Film ist "Plan 9 from Outer Space". Man sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, wenn dieser Film irgendwo gezeigt wird. (ab und an auf ARTE beispielsweise). Tim Burtons Film und Ed Woods Filme können sich gegenseitig sehr ergänzen. Man sieht einen "Plan 9 from Outer Space" mit ganz anderen Augen, wenn man Burtons Film zuvor gesehen hat, umgekehrt wirkt "Ed Wood" noch besser, wenn man einen der Originalfilme gesehen hat.