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Van Helsing


Filmkritik

von Susi Feistel, Silke Tomoscheit

Lächerlich. Überzogen. Langweilig.
Die Story wäre an sich recht interessant gewesen: Dracula versucht mit seinen Nachkommen die Weltherrschaft an sich zu reißen („Und was machen wir morgen, Brain?“). Dazu braucht er die Hilfe von Frankenstein bzw. dessen Monster, da seine lieben Kinderlein tot sind und erst erweckt werden müssen.

Auf der anderen Seite: der mysteriöse Held Van Helsing, ohne Erinnerungen, aber mit ordentlichen Kampftechniken und im Namen des Vatikan unterwegs. An seiner Seite steht Carl, eine Art früher Q, ein Ordensbruder, der für den vatikanischen Geheimbund Waffen erfindet. Gabriel van Helsing, laut Presseinformationen ein jüngerer, coolerer Verwandter des Anthony Hopkinschen Abraham van Helsing, bekommt den Auftrag, Dracula zu töten…

Was dabei herausgekommen ist, kann man getrost als Schrott bezeichnen. Das Drehbuch und die Dialoge sind katastrophal, kaum zu ertragen bis hin zu peinlich. Die schlimmsten Abschnitte sind die mit Dracula und seinen Bräuten. Man hat sich durchaus gefreut, wenn eine der Damen in die Hölle befördert wurde, nur damit man ihr jämmerliches Gekreische nicht mehr ertragen muss. Dracula selbst klang so aufgeblasen, dass man gehofft hat, mit dem ersten Pflock durchs Herz würde ihm die Luft entweichen. Pech, der hält durch bis zum Ende.

Das fast romantische Pärchen Van Helsing und Anna haben die schmalzigsten Zeilen seit der letzten Bravo-Lovestory. Auch das Ende erinnert an das kitschigste Fantasy-Poster.

Von Regisseur und Drehbuchautor Stephen Sommers hätte man nach „Die Mumie“ und „Die Mumie kehrt zurück“ deutlich mehr erwartet. Als Zuschauer weiß man nie so recht, war das jetzt witzig gemeint, oder doch ernst? Hätte ich mich da erschrecken sollen?!? Der Film ist die meiste Zeit Langeweile pur, eingestreut sind Phasen, in denen man sich fragt, was uns der Regisseur als nächsten Blödsinn an den Kopf wirft.

Und dann sind da noch die Ähnlichkeiten mit den Genre-Klassikern: so kommen einem reichlich Details sehr bekannt vor. Das erste Intro scheint aus Mel Brooks’ Frankenstein-Version zu stammen. Die Kokons der Dracula-Sprösslinge sehen verdächtig nach einer Mischung der Matrix-Zellen mit einem Alien-Design aus. Die untoten Nachfahren sehen aus und explodieren wie Gremlins. Die Auftritte von Dracula selbst erinnern sehr an eine billige Nachmache von Coppolas Dracula. Und des Grafen kleine Helferlein sind wohl von Star Wars ausgeliehen – Jawas mit Reißzähnen. Ist das nun geklaut oder eine Hommage?

Die Besetzungsliste schien einen ordentlichen Film zu versprechen, aber schon bald vermisst man eine Fernbedienung, sodass man zu den Szenen mit dem einzig gelungenen Charakter Carl, dargestellt von David „Faramir“ Wenham („HdR - Die Zwei Türme“), vorspulen kann. Sowohl der von Hugh Jackman gespielte Van Helsing, als auch Kate Beckinsale als Anna wirken viel zu cool und aufgesetzt. Inhaltlich scheint für beide der Film eine Art Prequel zu ihren Rollen als Wolverine („X-Men“), bzw. Selene („Underworld“) zu liefern.

Richard Roxburgh als Dracula ist völlig fehlbesetzt. Seine Darstellung des Grafen stimmt zu keinem Zeitpunkt. Er ist uncharismatisch, kein bisschen mysteriös, alles in allem lächerlich. So kann man einen Bösewicht wirklich nicht ernst nehmen.

Angereichert wird die Unglaubwürdigkeit der Charaktere durch ihre immer perfekt sitzenden 80er-Jahre Fönfrisuren. Diese halten bei Wind und Wetter, Stürzen durch Hausdächer und selbst nach wüsten Prügeleien wie mit Drei-Wetter-Taft.

Der zwangsweise untergebrachte „Mr. Hyde“ scheint als schwarzes Schaf Shreks Familie zu entstammen. Nur hässlich, sabbernd und schlecht animiert. Das hatten wir bei Hulk schon um Einiges besser gesehen. Frankensteins Kreatur dagegen wirkte pathetisch und hatte nur der Geschichte wegen eine gewisse Daseinsberechtigung. Man hätte beide besser weglassen sollen. Weniger ist manchmal mehr. Ach ja, und nicht zu vergessen wäre Igor, das Aas. Oder vergessen wir ihn besser doch.

Die musikalische Untermalung ist nett, aber streckenweise sehr deplaziert. So erwartet man, wenn man nach der Musik geht, bei Ritten durch die Landschaft eher die drei Jungs von der Ponderosa als die drei Bräute Draculas.

Aber der Film enthält tatsächlich auch ein paar Lichtblicke: Carl ist der beste Charakter im Film, die einzige Figur ohne Fönfrisur, dafür aber mit den besten Szenen. Ursprünglich wohl nur als Comic Relief gedacht, ist er der einzig echte Sympathieträger.
Die Sets in Transylvanien sowie die Special Effects von ILM sind beeindruckend und wirken sehr echt (ausgenommen „Mr. Hyde“).
Freunde schöner Beine werden in den Genuss von Hugh Jackmans ansehnlichem Paar kommen. Kurz bevor sie wieder im haarigen Wolfspelz verschwinden…

Fazit: Das Eintrittsgeld für diesen Film kann man besser investieren. Dafür in „Van Helsing“ zu gehen, ist nur Zeitverschwendung.