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Filmwelt


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Indiana Jones und der Tempel des Todes


Kritik

von Susi Feistel

Es sollte ein zweiter "Raiders"-Film werden, aber doch ganz anders als der erste Teil. Steven Spielberg und George Lucas hatten noch einiges an Ideen aus "Jäger des verlorenen Schatzes" übrig, die dort einfach nicht mehr reinpassten - so die Verfolgungsjagd in der Bergwerkslore und die Wildwasserfahrt - und diese sollten in dem neuen Werk untergebracht werden. Auf Wunsch von Lucas sollte der zweite Film düsterer und mysteriöser als der erste sein. So wie der zweite Teil seiner Star Wars-Trilogie sehr viel dunkler war.

Man einigte sich darauf einen Film über schwarze Magie in Indien zu drehen. Keine Nazis, keine Bibelfundstücke. Lediglich die Hauptfigur und der Humor bleiben. So weit, so gut. In der ersten Viertelstunde bekommen wir das neue Team vorgestellt: Short Round, als der Junge, der alles kommentieren muss und Willie, die Nachtclub-Sängerin, deren halber Wortschatz aus Schreien besteht.

Während das Schreien der Sängerin Willie nach den ersten drei Malen zum "Running Gag" wird und zur Auflockerung der dunklen Atmosphäre des Films beiträgt, beweist die Figur des Shorty, dass Kinder in Filmen immer eine schwierige Sache sind. Seine lautstarken Kommentare (die im englischen Original leiser und nicht ganz so daneben sind) sagen jedem Zuschauer, was dieser eh schon weiß und nerven mit der Zeit ganz schön.

Harrison Ford spielt, wie in jedem der drei Filme, Dr. Henry "Indiana" Jones. Da gibt es nicht viel zu sagen: man kann sich niemanden sonst in der Rolle vorstellen, Ford ist einfach die Verkörperung von Indiana Jones. Und da er in diesem Film zeitweise sein Hemd loswird, hat er sich noch einmal extra mit Gewichtheben in Form gebracht.

"Willie" wird von Kate Capshaw gespielt, die eigentlich Rollen mit etwas mehr Tiefgang bevorzugt. Man hat sie inzwischen in "Black Rain" oder "Ein Amerikanischer Quilt" sehen können. Die Rolle in "Temple of Doom" hat sie angenommen, damit sie ihren Bekanntheitsgrad etwas steigern kann und so mehr Angebote bekommt. Ihre Popularität hat sie mit diesem Film tatsächlich gesteigert, aber ob es durch ihre Rolle war oder die Tatsache, dass sie später Steven Spielberg geheiratet hat, bleibt ungewiss. Auf alle Fälle gibt sie hier eine so klischeehafte Blondine, dass es schon wieder urkomisch ist.

Ke Huy Quan spielt "Short Round" und wurde für diese Rolle an einem Nachmittag in seiner Grundschule ausgesucht. Alle Schüler waren aufgefordert kurz vorzusprechen und Ke hat die Rolle bekommen. Nach "Temple of Doom" hatte Ke noch einen Auftritt in "Die Goonies", ist dann aber mehr oder weniger wieder von der Bildfläche verschwunden.

Ein paar Bemerkungen am Rande: Wenn man genau hinschaut, wird man im Film einige Szenen und Namen aus "Star Wars" und "Raiders of the Lost Ark" wieder erkennen. So heißt zum Beispiel die Bar am Anfang "Club Obi Wan". Die Namen "Indiana", "Willie" und "Short Round" sind jeweils die Namen der Hunde von George Lucas, Steven Spielberg und der beiden Drehbuchautoren.

Als Drehort für den Film war naheliegenderweise zunächst Indien vorgesehen. Doch die indische Bürokratie machte die Dreharbeiten unmöglich und alles wurde nach Sri Lanka verlegt. Somit fand das Filmen in der gleichen Gegend statt, in der auch schon David Lean "Die Brücke am Kwai" gedreht hat. Der Palast, für den man sich bereits einen echten in Indien ausgesucht hatte, wurde als Kulisse im Studio nachgebaut.

Insgesamt kann man sagen, dass die Herren Lucas und Spielberg ihr Ziel erreicht und einen ganz anderen Film als "Raiders of the Lost Ark" gemacht haben. Er ist düster, mysteriös und hat richtig böse Böse dabei. Es werden Kinder gefoltert, einem Mann wird bei lebendigem Leib das Herz herausgerissen und danach wird er in flüssige Lava herabgelassen. Das alles ist schon hart an der Grenze des "Lustigen Abenteuerfilms". Aus diesem Grund wurde mit diesem Film (und für Spielbergs "Gremlins") das Rating "PG-13" eingeführt: "The Temple of Doom" war zu hart für das "PG"-Rating, aber "R" war den Produzenten zu viel - damit hätten sie zu viele Zuschauer verloren.

"Indiana Jones and the Temple of Doom" fällt heraus aus dem bewährten und beliebten Schema von "Indy gegen die bösen Nazis". Es gibt kein Wettrennen um einen mystischen, biblischen Gegenstand. Dennoch ist der Film immer noch einer der besten Abenteuerfilme - allein Indiana Jones, der Humor und die pausenlose Action sorgen dafür.