|
The Day After Tomorrow |
Kritik
von Falk T. Puschmann, Kevin Reymann
"The Day After Tomorrow" ist ein echter Emmerich. Die Effekte sind brachial und epochal. Wieder geht es um eine kleine Gruppe von Menschen, die einem übermenschlichen Feind gegenüber treten und erstmal kräftig eins auf die Mütze kriegen. Neu ist diesmal, dass der ganze Film von vornherein düster angelegt ist. Von Anfang an ist klar, die Eiszeit kommt, "Widerstand ist zwecklos".
Auch der Patriotismus, den wir aus den letzten Emmerich-Filmen kennen, kommt nur am Rande durch, denn in dieser globalen Katastrophe ist sich erst jeder selber der Nächste. Erst im direkten Überlebenskampf spielen die Eingeschlossenen in New York wieder im selben Team.
Die Story an sich kommt einem doch schon ein wenig bekannt vor: Wissenschaftler entdeckt Katastrophe. Niemand glaubt ihm. Kurz vor knapp rettet er die Welt. Nur letzteres muss leider ausfallen, denn wie schon gesagt, die Eiszeit kommt. Dennoch bietet der Film dank guter Besetzung und tollen Effekten beste Mainstream-Unterhaltung "Marke Hollywood". Und dann hat der Film ja auch noch eine Botschaft, die immer wieder mit leichter Ironie durchschimmert, z.B. wenn Mexiko seine Grenzen schließt, weil die Amerikaner die Massenflucht antreten. Auffällig ist diesmal, dass die Gruppe der Akteure, die im Focus stehen, deutlich kleiner ist. Das war aber der Handlung eher zuträglich, wirkt sie so doch nicht ganz so konstruiert wie in "Independence Day".
Die Besetzung ist diesmal nicht ganz so prominent, wie wir das von den letzten Streifen des Schwaben gewohnt sind. Dennoch sind vor allem die Hauptrollen sehr gut besetzt.
Allen voran Dennis Quaid, der als Professor Jack Hall eine sehr gute Arbeit abliefert. So wurden große Teile des Films - u.a. die Flut-, Schnee und Eisszenen - in Montreal unter beinahe ähnlichen Bedingungen gedreht. Die Dreharbeiten fanden von November 2002 bis April 2003 während eines der kältesten Winter in Kanada statt.
Auch Jake Gyllenhaal wurde an seine Grenzen geführt. Trotz seiner jungen Jahre hat er bereits in 16 Filmen mitgewirkt, unter anderem an der Seite von Hollywood-Legende Dustin Hoffman ("Moonlight Mile"). Ihm gelingt es perfekt, den Counterpart zu Quaids Vater-Rolle als unverstandener Sohn zu spielen.
Emmy Rossum stand bereits mit 12 Jahren das erste Mal für den TV-Film "Only Love" vor der Kamera. Leider darf die heute 17-jährige an der Seite von Jake Gyllenhaal nur das schmückende Beiwerk, bzw. Sam Halls Love-Interest, spielen - schade - dennoch wird man von ihr sicherlich noch einiges hören. So darf sie als nächstes die Christine in der Joel Schumacher-Version vom "Phantom der Oper" mimen.
Wer in keinem Fall vergessen werden darf - auch wenn er auch diesmal nur eine Nebenrolle besetzt -, ist der immer brillante Ian Holm als Professor Terry Rapson. Man könnte bald schon meinen, der Charaktermime sei aus keinem Blockbuster wegzudenken. So sahen wir ihn in Genre-Produktionen wie "Alien", "Brazil", "Das Fünfte Element", eXinstenZ", "From Hell" und natürlich im "Herrn der Ringe" als Bilbo Beutlin.
Die Bilder die wir hier gezeigt bekommen, sind beklemmend und wirken sehr realistisch. Der schon aus dem Trailer und früheren Emmerich-Streifen bekannte News-Dokumentar-Stil tut sein übriges. Die Katastrophen scheinen fast greifbar und sind toll umgesetzt. Wir sehen ein zerhageltes Tokio, ein vom Winde verwehtes Los Angeles und ein durchgespültes und vereistes New York. Daneben erleben wir, wie sich bestimmte Dinge unter extremer Kälte verhalten und lernen, dass man besser nicht auf Eisgletschern herumturnen sollte.
Neu ist die Musik. Arbeitete Emmerich bei "Stargate" und "Independence Day" noch mit David Arnold, dem neuen Leib- und Magenkomponisten von James Bond, und bei "Der Patriot" mit Hollywood-Legende John Williams, so durfte der Österreicher Harald Kloser diesem Streifen die passende Untermalung verpassen. Ihn konnte man z.B. bei "Comedian Harmonists" und "13th Floor" hören. Letzteres Thema dient derzeit der Untermalung des Trailers von "Pitch Black"-Nachfolger "Chronicles of Riddick". Der "The Day After Tomorrow"-Score ist zwar leider nicht so gelungen wie die von "13th Floor" (Soundtrack-Fans sehr ans Herz zulegen) schafft es aber immer noch schön, die Bilder mit dem passenden Klang zu untermalen. Leise Passagen mit säuselndem Gesang wechseln sich mit epischen Instrumentalstücken. Wunderschön ist das Thema, dass man schon aus dem Trailer kennt. Ohne die Bilder fehlt dem Soundtrack dann aber leider ein wenig die Kontur. Er lebt von den Bildern und eignet sich so nur schwer zum bloßen Hören.
Fazit:
Popkornkino mit Anspruch, vielen Emotionen, einer kleinen Lovestory, eine Menge Aktion und einem dann doch versöhnlichen Ende. Wer schon "ID4" klasse fand, kann sich beruhigt zurücklehnen und dann das Ende der Welt in 124 Minuten genießen. Ein im wahrsten Sinne des Wortes cooler Film, der hoffentlich wieder sein Publikum finden wird.
|
|