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Crime is King


Crime is King Filmkritik

von Andreas Koberstein

Sehen wir der Wahrheit ins Auge: Dieser Film ist mies. Kevin Costner spielt eine Hauptrolle – das allein qualifiziert Crime Is King schon für das eben verliehene Prädikat –, unlogische Details feiern fröhliche Urständ, das Drehbuch hat mit Realismus nicht viel am Hut, und der Regisseur durfte bisher fast nur Musikvideos drehen. Zu mehr reicht's offenbar auch nicht.

Crime Is King möchte gern ein bisschen Tarantino, ein bisschen Big Hit und ein bisschen Roadmovie sein. Wenn man diese Mischung genießen möchte, darf man sie nicht im Entferntesten ernst nehmen und schon gar nicht von ihr erwarten, dass sie einer zumindest rudimentären Logik folgt. Vielleicht wären Lichtenstein und Recco gut damit beraten, einmal einen VHS-Kurs besuchen, damit ihnen jemand beibringt, wie man Drehbücher schreibt, die dem Zuschauer nicht bei jeder Storywendung ein genervtes "Oh, bitte!" entlocken. Man spürt deutlich, dass die beiden nur eine vage Idee von der Reihenfolge der Checkpoints hatten, die die Handlung passiert. Anstatt diese aber sinnvoll und logisch zu verbinden, ließen sie sich offenbar von anspruchslosesten US-Serien der Achtziger inspirieren und verzichteten gänzlich auf Einfallsreichtum und Recherche, insbesondere, was den Casino-Coup, die Arbeitsweise der Polizei und den unsäglichen Showdown betrifft. Allein dem Einstieg merkt man überdeutlich an, dass die Autoren einfach nur das Bild von ein paar Typen in Elvis-Klamotten vor Augen hatten, die reihenweise Gegner umnieten – und diese Vorstellung scheint sie dermaßen angeturnt zu haben, dass sie, anstatt den Coup logisch zu inszenieren (wie z.B. in Ocean's Eleven geschehen), lieber ihrer eigenen "Vision" folgten, für die man beileibe kein Filmemacher sein muss, um sie sich auszudenken. Über das Finale verliere ich hier besser gar keine Worte, denn dämlicher hätten's auch Actionfilm-Videopremieren aus den frühen Achtzigern nicht hingekriegt. Besondere Erwähnung verdient der eitle Selbstdarsteller und Anti-Schauspieler Kevin Costner, der sich zwar in jedem seiner Filme mächtig cool vorkommt, diesmal aber mit dem Holzhammer demonstrieren will, was für einen fiesen, fiesen Bad Guy er doch abgeben kann. Im Original sorgt er für einen Heiterkeitsausbruch nach dem anderen, doch wie so oft verhindert die gelungene deutsche Synchro von Frank Glaubrecht das Schlimmste.

Man muss Crime Is King jedoch auch zugute halten, dass er stellenweise durchaus amüsant sein kann – aber wirklich nur, wenn man das Hirn komplett abschaltet und sich weder von Costner und dem nervtötenden Balg noch von dem kläglichen Drehbuch ablenken lässt. Einzelne Szenen sind geradezu unterhaltsam geraten, Courteney Cox spielt erfrischenderweise mal einen Love Interest der etwas anderen Art und bleibt in positiver Erinnerung, Kurt Russell wiederholt seine tausendfach gespielte, aber nicht unsympathische Rolle als Gauner mit Herz, und der feuerrote Ford Fairlane ist eine einzige Augenweide. Mehr als gelungen ist übrigens der tolle Abspann, in dem Kurt zeigt, was für einen verdammt coolen Elvis-Imitator er abgibt. Und wenn man sich obendrein in einer Stimmung befindet, in der einem danach ist, sich einfach nur hanebüchenen Schwachsinn anzusehen, mag man Crime Is King ja doch etwas abgewinnen.