Filmkritik
von Roman Möhlmann
Tja, „3 Engel für Charlie": Das ist das New-Generation - Kino-Remake der nett-unterhaltsamen und mittlerweile leicht angestaubten 70er-Jahre - Krimi/Actionserie „Charlie’s Angels".
Ich könnte diese Besprechung jetzt aus zweierlei verschiedenen Blickwinkeln angehen. Zum einen könnte ich argumentieren wie einige andere, meist schwer pubertierende Kinogänger seinerzeit und Sätze wie „Ey, voll geil, so viel kaputt!“, „Boah, heftiger als Matrix!“ oder „Ausziehn! Ausziehn! Rülps!“ von mir geben.
Tu ich aber nicht.
Weil mir der Streifen fürchterlich auf die Nerven ging.
Und Typen wie die oben zitierten übrigens auch.
Für mich ist „3 Engel für Charlie“ einfach sinnentleerter filmischer Schrott ohne jeden cineastischen Wert und abseits jedes unterhaltenden Flairs. Das bunte Gezappel ist kaum mehr als bestes niveauloses Popcorn-Kino für eine schrille MTV-Generation ohne jegliche filmische Ansprüche, mit einem Minimum an Handlung, damit auch bloß kein zugedröhnter Kinokiffer beim Vollrausch der schnell geschnittenen, bunten Bilder überfordert wird. Leute, die bei einem durchschnittlichen Videoclip bereits epileptische Anfälle kriegen, sollten Abstand von diesem Film nehmen oder immer einen Arzt in der Nähe haben.
Was daran so toll sein soll, bleibt mir wohl für immer fremd; selbst für eingefleischte Fans des Originals erscheint mit der Unterhaltungswert des Remakes fraglich, den 70er-Klischeecharme der Serie versprüht das Remake auch höchstens im Ansatz, aber da schau ich mir ja noch lieber "Austin Powers" an, der generell auch noch weit anspruchsvoller als dieses Machwerk bleibt.
Für die Inszenierung bemüht Regisseur Joseph McGinty Nichol einen nervigen und aufgesetzten Pop-Style, der aus dem Film gern ein überdrehtes 90-minütiges Musikvideo machen würde, doch selbst dafür bleibt alles dramaturgisch zu schwach; Oliver Stone parodierte ähnliche Stilmittel in geradezu pervertierter Ausuferung bereits für seine geniale Satire "Natural Born Killers" zur genüge, und das schon Jahre vorher.
Dreist kopiert werden für die Actionszenen dann eben noch die rechtzeitig im Kino erblickten und ach so beliebten "Matrix"-Effekte der Wachowski-Brüder, mitsamt Bullet-Time und Schwerelos-Kampf; hier wirkt das natürlich alles "äußerst" glaubwürdig und hinterlässt mehr als einmal einen seltsamen Nachgeschmack. Wer nur handfeste Explosiv-Action mit bemühter Minimalhandlung sehen will, ist selbst bei der wöchentlichen „Cobra 11“-Folge weitaus besser aufgehoben als hier...
Der peppige Sound ist OK und hier nun mal passend, nach einiger Zeit nervt die quirlige und poppig-dröhnende Dauerbeschallung aber dann doch etwas. Muss man halt mögen.
Von der Besetzung braucht man nicht viel erwarten, neben den überzogenen und zumeist überflüssigen Klischee-Nebenfiguren (vielleicht abgesehen von dem gelackten Killer) müssen Drew Barrymore, Lucy Liu und Cameron Diaz ja nur gut und sexy aussehen; das schaffen sie noch grade recht mühelos, von „schauspielern“ stand scheinbar allerdings nur wenig im Vertrag.
„3 Engel für Charlie“ oder „BRAVO meets MTV - Der Film": Jugend, amüsier dich, das Leben ist schön und dieser Film auch!
Allerdings weit entfernt von allem, was ich als empfehlenswert einstufen würde, zumindest wenn man sich zur Vorbereitung nicht grad übermäßigem Alkohol- und Drogenkonsum sowie einer Gehirnamputation unterzogen hat.
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