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James Bond 007: Casino Royale


"Was wäre ein James Bond ohne seine Walther?"

von Text und Fotos: Torsten Karsch und Tschiponnique Skupin / www.future-image.de

James Bond (Daniel Craig) im Einsatz mit seiner Walther P99.
"Was wäre ein James Bond ohne seine Walther?"

Auch wenn James Bond seine Autos, Anzüge, Uhren und Frauen oft gewechselt hat, ist er seiner Waffe, bzw. seinem Waffenhersteller, immer treu geblieben. Die deutsche Traditionsfirma Walther liefert seit dem ersten Bond-Kinofilm "James Bond 007 jagt Dr. No" die Pistolen für den Agenten Ihrer Majestät. Zunächst war das die Walther PPK, zu Pierce Brosnans Zeit kam dann der Wechsel zur moderneren P99.

Die Firma Walther wurde schon 1886 von Carl Walther gegründet, seit 1993 werden Walther-Waffen unter dem Dach der Firma UMAREX hergestellt. Wir hatten Gelegenheit, die Fertigung im sauerländischen Arnsberg zu besichtigen. Bei unserer Führung durch das Werk konnten wir uns detailliert die Vorbereitung der einzelnen Bauteile, sowie die Montage in den einzelnen Arbeitsschritten ansehen. Nach der Besichtigung sprachen wir mit Geschäftsführer Eyck Pflaumer, der selbst schon mehrfach bei den Dreharbeiten zum neuesten Bond-Abenteuer dabei war. Er hat die persönliche Betreuung der Bond-Filme kürzlich von seinem Vater Wulf-Heinz Pflaumer übernommen, der die Bond-Filme mit Pierce Brosnan mit seinem Fachwissen unterstützte und im Laufe der Jahre ein gutes Verhältnis um Ex-Bonddarsteller und der Bond-Produktionsfirma aufbaute.

Bond (Daniel Craig) mit dem Klassiker, der Walther PPK
Her Pflaumer, welchen einen Eindruck haben Sie vom neuen James Bond?

Eyck Pflaumer: Im Vorfeld wurde ja viel Schlechtes über Daniel Craig geschrieben. Ich habe aber einen sehr positiven Eindruck von ihm. Ich war bei den Dreharbeiten in Venedig, wo Daniel Craig nur wenig Zeit hatte. Er hat aber seine Drehpause dazu genutzt, sich mit mir zu unterhalten. Er machte einen sehr sympathischen Eindruck und nahm sich trotz all des Stresses Zeit. Später habe ich die Dreharbeiten dann noch einmal in London besucht, zwei Wochen bevor die Pinewood-Studios abgebrannt sind. Da waren die Dreharbeiten zum Glück bereits abgeschlossen. In London wusste Daniel Craig gleich, wer ich bin. Ich bin mir sicher, dass es viele Leute gibt, denen er die Hände schütteln muss, aber er konnte sich gleich erinnern und hat mich mit Namen begrüßt. Er nahm sich dann wieder Zeit und hatte ganz konkrete Fragen. Ich hatte ihm bei unserer ersten Begegnung das Buch über die Geschichte der Firma Walther gegeben. Offenbar hatte er das inzwischen gelesen und hatte zu einigen Details Fragen. Er hat sich auch gerne mit mir fotografieren lassen.

Als sich zum Essen rund 200 Menschen in einer lange Schlange angestellt haben, wurde mir klar, warum Filme so teuer zu produzieren sind. Daniel Craig hat in dieser Situation übrigens keine Sonderbehandlung in Anspruch genommen, er hat sich völlig selbstverständlich in die Schlange eingereiht.

James Bond hat ja jahrzehntelang die Walther PPK benutzt, wird er die P99 ihrer Ansicht nach auch so lange benutzen?

Die Geschäftsführer Wulf-Heinz Pflaumer und Sohn Eyck vor einem Plakat, das sie bei den Dreharbeiten, mit den von ihnen betreuten James Bond Darstellern zeigt.
Eyck Pflaumer: Ja, da bin ich mir sicher. Walther hat eine lange Tradition mit Bond. Schon im ersten Film "James Bond jagt Dr. No" hat er die Walther PPK benutzt. Am Anfang des Filmes hatte er noch eine Beretta-Waffe geführt. Da wurde ihm aber gesagt "Deine Beretta-Waffe hat ja immer Ladehemmungen, deshalb tausche die lieber gegen die Walther PPK.". Das war gar nicht so vorgesehen, das hat sich aus dem Drehbuch ergeben. Da war dann die Idee geboren, das Thema Walther aufzunehmen, und seitdem arbeiten wir auch mit den Filmstudios zusammen. Seitdem gehört zu James Bond eine PPK bzw. heute eine P99. Das merkt man auch, egal wo man in der Welt hingeht. Wenn man sagt, man kommt von der Firma Walther heißt es "Ach, James Bond!" und umgekehrt, wenn man sagt "Wir arbeiten mit James Bond", dann heißt es "Ach, PPK" oder heute eben P99. Das ist schon eine sehr enge Zusammenarbeit, was sonst kaum bei einem Produkt bei James Bond zu finden ist. Die Autos, Uhren, Anzüge usw. wechseln häufig, aber Walther liefert schon immer die Waffen für Bond. Wir haben uns neulich bei den Produzenten für die gute Zusammenarbeit bedankt, da hat jemand aus der Broccoli-Familie gesagt "Was wäre ein James Bond ohne seine Walther".

Welche Waffen kommen im Film neben der Walther P99 vor? In Bond-Filmen ist ja fast jeder bewaffnet.

Eyck Pflaumer: James Bond benutzt in diesem Film neben der P99 auch wieder die PPK. Daneben haben die "Bösen" das G36-Gewehr von der Firma Heckler und Koch.

Wie sieht denn die Zusammenarbeit zwischen Walther und den James Bond Filmen aus? Weisen Sie z.B. die Schauspieler in den Gebrauch der Waffen ein?

Eyck Pflaumer mit der James Bond Pistole P99 auf dem hauseigenen unterirdischen Schießstand.
Eyck Pflaumer: Nein, das weniger. Die Filmausstatter aus England haben wieder Kontakt mit uns aufgenommen, weil wir als Waffenhersteller natürlich alle Möglichkeiten haben, Waffenanpassungen vorzunehmen und alle Wünsche umzusetzen. Die waren schon in der Vergangenheit mit unserer Zusammenarbeit zufrieden. Vor Ort sollte ich noch einmal meinen Eindruck schildern, wie realistisch mit der Waffe, der P99, umgegangen wird, weil ich die Handhabung natürlich kenne. Man wollte auch von Seiten der Filmausstatter noch einmal wissen, passt das jetzt, dass solche Szenen noch extra mit Schalldämpfer gedreht worden sind. In diesem James Bond fällt ja schon auf den Plakaten auf, es wird unwahrscheinlich viel als Schalldämpfer-Version gezeigt. Man wollte da diesen Tactical-/Military-Look zeigen. Jeder Schauspieler muss natürlich den Umgang mit der Waffe lernen, so wie er auch eine Fremdsprache lernen würde. Er muss lernen, mit der Waffe zu hantieren, nicht dass am Filmset etwas passiert, auch wenn kaum scharf geschossen wird. Wir werden natürlich schon gebeten, zum Drehort zu kommen und unsere Ideen einzubringen.

Hat James Bond in den Filmen eine Standardwaffe oder erhält er eine Sonderanfertigung der Walther P99?

Eyck Pflaumer: Nein, Bond hat eine Standardwaffe. Im neuen Film "Casino Royale" benutzt er die PPK und die P99 häufig mit Schalldämpfer, ansonsten sind es aber Standardmodelle.

Woran arbeiten Sie zur Zeit in der Forschungsabteilung?

Eyck Pflaumer: Im Moment wird bei allen Herstellern an so genannten Smartguns geforscht. Waffen müssen sicherer gemacht werden, ein Missbrauch muss weitgehend ausgeschlossen werden. Aktuell arbeiten wir daran, die dafür nötige Elektronik in die Waffen zu integrieren. Da haben wir das gleiche Problem wie die Automobilindustrie. Wenn ein Auto liegen bleibt, liegt inzwischen ja zu 80% ein Elektronikfehler vor – vielleicht ist diese Zahl ein wenig übertrieben. Wir konzentrieren uns jetzt darauf, die Elektronik zuverlässig in die Waffen zu integrieren, damit zum Beispiel der Fingerabdruck des Schützen zuverlässig erkannt werden kann.