Kritik
von Roman Möhlmann
"Star Wars: Episode I - The Phantom Menace" - im deutschen Raum wurde daraus die "dunkle Bedrohung" - ist das erste von drei Prequels der klassischen "Star Wars" - Saga. Hierzulande als "Krieg der Sterne" in die Filmgeschichte eingegangen, feierte George Lucas' monumentale Science-Fiction-Trilogie seinerzeit - Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre - beachtliche Erfolge. Bis heute dauert dieser Ruhm an - Fernsehwiederholungen, Global-Merchandise und Fandom sei Dank.
Die Kinolegende kann freilich auch in ein paar einfachen Worten zusammengefasst werden:
Diese mal naiv-kindliche, mal düster endzeitliche Verquickung von Fantasy-, Science Fiction-, Märchen- und Western-Elementen bot und bietet einfach einen enormen Unterhaltungswert. Wo sympathische Charaktere, mystische, aber familientaugliche Story, visuelle Schauwerte und ein bombastischer Soundtrack sich die Hand reichen, ist König Kinogucker vollauf zufrieden.
Ende der 1990er Jahre begann die Legende zu bröckeln. Nachdem zahllose Bücher, Comics und Videospiele die Star-Wars-Story weitergesponnen hatten, entschied George Lucas sich, den Marktwert seiner Kreation noch einmal vollends auszuschöpfen. Die erneute Kinoauswertung der Originaltrilogie - diesmal in vieldiskutierten, technisch aufgepeppten Special Editions - kündigte ein noch größeres Ereignis an:
Den Auftakt zu einer Prequel-Trilogie, manifestiert eben im 1999er Kinofilm "Episode I". Gerüchte und Legenden über die Vorläuferfilme existierten selbstredend schon lange zuvor, George Lucas hatte dies durch entsprechende Statements selbst eingeleitet, da er stets verlauten ließ, in den 70ern aus Kostengründen erst mit "Episode IV" ("A New Hope") begonnen zu haben. Die Möglichkeit, die Vorgeschichte von Yoda, Obi-Wan und - nicht zuletzt - Erzbösewicht Darth Vader alias Anakin Skywalker präsentiert zu bekommen, faszinierte die Fans in aller Welt jedenfalls, und schraubte die Erwartungshaltungen in ungeahnte Höhen.
1999 war es soweit.
"Die dunkle Bedrohung" fand Einzug in die Kinosäle.
Und Ernüchterung folgte.
Gemeinhin hielt die vielfach in erstem Frust und Enttäuschung geäußerte Negativstimmung zwar nicht lange an und wich bald entspannteren, leidlich wohlwollenden Tönen der sanften Kritik. Doch klebt nach wie vor der Makel der Missgunst am ersten Teil der Prequel-Saga.
Zurecht?
Oh ja.
Was ist denn nun los mit "Episode I"?
Wo sind die Probleme?
Nach der langen Vorrede möchte ich nun nicht noch einen breit ausgewalzten Review bieten, der detailliert auf jede einzelne Szene eingeht, jeden Film-, Handlungs- und Logikfehler herauskramt, jede Sequenz mit einer "Das habe ich mir aber anders vorgestellt - Erwartung quittiert; so etwas wurde an anderer Stelle zur genüge getan, Google hilft hier weiter. Ich möchte nun mehr knapp kommentieren, warum der Film in der Gunst so vieler Zuschauer - einschließlich meiner eigenen - scheiterte.
Banale Antwort:
Der Film lässt nahezu jegliches Flair der Originaltrilogie vermissen. Statt auf wirkliche Charakterentwicklungen oder gewichtige Handlungselemente zu setzen, erschlägt der Streifen die geneigten Zuschauer mit einer Wucht an computergenerierten Effekten, die das "Star Wars" - Universum seltsam entfremdet erscheinen lassen - nie in einer "Star Wars" - Geschichte fühlte man sich so weit weg von der Masse der Ereignisse wie in "Episode I". Die CGI-Effekte sind - bei Industrial Light & Magic weiß man, was man kann - natürlich erste Klasse, können dennoch niemals ihre Künstlichkeit verbergen. Was bei den Raumschlachten noch vertretbar ist, stößt bei der Gungans-Droiden-Schlacht am Ende mächtig böse auf - zahllose Playstation-Intros schafften es, mehr Flair und Dramatik zu erzeugen.
Überhaupt wirken die verloren agierenden, in bunte Hintergründe kopierten Darsteller oftmals recht unmotiviert und fehl am Platze - das nahezu ausschließliche Spiel vor dem Blue-/Greenscreen ist scheinbar nicht jedermanns Sache. Dafür hat der computeranimierte Yoda zu Anfang recht viele Fans erzürnt - ich finde ihn auf den zweiten Blick gar nicht mal so schlimm, schließlich wurden Gestik und Mimik des altbekannten Charakters ansprechend übernommen.
Was das Casting angeht, hat man v.a. mit Ewan McGregor einen Kunstgriff getan - nicht für diesen Film, hier steht er meist nur am Bildrand rum und plappert drehbuchgemäßes Jedi-Gewäsch, sondern angesichts seiner Performance als "Alec Guinness Jr." in den folgenden Filmen. Liam Neeson spielt bemüht, aber sichtlich gelangweilt bis zu seinem vorhersehbaren, konstruierten Ableben, während ich über den nervig-klugsch... Jake Loyd, mit dem man den jungen Anakin auf eine Klischee-Jugendfigur Marke Hollywood reduzierte, besser nicht mehr Worte verloren werden sollten. Während Natalie Portmans Schauwerte ihr ganz eigenes Klientel bedienen, wissen immerhin die Kontrahenten zu gefallen: Ian McDiarmid gibt seinen Sith-Lord/Imperator in Spe, als hätte er nie etwas anderes getan, und Ray Park entwickelt ausreichend Coolness... leider wird seine Figur durch ihr unnötiges, vorschnelles und unglaubwürdig-gebasteltes Ende tragisch verschenkt.
Die Handlung des Streifens ist im Exposé identisch mit "Episode IV" (böse Buben bedrohen Planeten und Prinzessin, ein Junge von einem Wüstenplaneten eilt mit Knuddel-Droiden bewaffnet zu ihrer Rettung, die finale Schlacht wird durch einen unglaubwürdigen Glückstreffer gewonnen). Das wirkliche Handlungsgerüst des Star-Wars-Universums wird nur in Ansätzen aufgebaut bzw. entwickelt, kaum etwas scheint direkt mit den Episoden IV - VI zu tun zu haben.
Stattdessen legte Lucas viel zu viel Wert auf Elemente, die im Merchandise die Kassen klingeln lassen - sprich Videospiele, Actionfiguren etc. - und entwarf neben einer viel zu langen Rennsequenz (Lucas hätte sooo gern, dass diese als Ben-Hur-Hommage durchgeht...) die wirklich krasseste Hassfigur aller Filmzeiten: Jar Jar Binks. Dieser "Charakter" (das Wort ist schon geschmeichelt), ein computergenerierter Goofy-aus-dem-All-Verschnitt, albert und plappert derart nervig und übertrieben peinlich durch die Szenerie, dass man nur noch zuschlagen möchte - verständlicherweise entwickelten sich im Netz ganze Jar-Jar-must-die! - Kampagnen. Diese für Kleinstkinder und Hirnamputierte kreierte Figur schafft es tatsächlich, auch der nett gedachtesten Szene jegliche Dramatik zu nehmen - und wirkt wie blanker Hohn gegenüber John Williams' nach wie vor erstklassiger musikalischer Untermalung, die stets versucht, das Gezeigte noch zu retten.
Lucas vielleicht größter Faux-Pas ist jedoch wohl das Antasten eines heiligen Fan-Tabus: Die einst als mystisches Energiefeld begriffene "Macht" wird hier pseudowissenschaftlich durch die Präsenz eines Mikro-Volkes in den Blutbahnen der Jedi erklärt - gelbe Karte seitens der Fans, Herr Lucas!
Wie dem auch sei:
Es gibt auch Positives. Beim zweiten oder auch dritten Anschauen wirkt alles schon gar nicht mehr so schlimm - der erste Schock ist vorbei, man lässt sich etwas mehr auf das Gezeigte ein. Und so schlimm ist vieles nicht. Ein bisserl "Star Wars"-Feeling mag doch aufkommen in den hölzernen Dialogen und den Szenen Palpatines (viele vergessen, dass auch die Original-Trilogie kein Shakespeare-Niveau hatte!), und abgesehen von einigen wirklichen Ärgerlichkeiten hat das gesamte - als reiner Science-Fiction-Film, schon einen gewissen Unterhaltungswert, wenn man Anspruch und Erwartungshaltung ein Stück zurückschraubt.
Highlight des Streifens ist übrigens - neben dem allgegenwärtigen, gewohnt souveränen Soundtrack - das finale Laserschwertduell zwischen Darth Maul, Obi-Wan und Qui-Gon. Hier kommt kurzzeitig wahre Epik und Dramatik auf, auch wenn die banale Auflösung vieles wieder kaputtmacht. Naja.
Alles in allem ist "Star Wars: Episode I" zwar ein netter und leidlich unterhaltsamer, aber eben nicht gerade niveauvoller Science-Fiction-Streifen, der seiner eigentlichen Aufgabe als Prequel-Auftakt und Teil einer gewachsenen Saga leider kaum gerecht wird. Es bleibt das schale Gefühl zurück, dass George Lucas zu spät gemerkt hat, dass seine ausgearbeitete Vorgeschichte eigentlich gar keinen Stoff für drei vernünftige Vorläuferfilme bietet - um sich dann auf die Stärken Hollywoods zu verlassen, was dem Film nicht gut tut.
Als Einstieg für Nicht-Star-Warsler ist der Streifen übrigens ebenso wenig geeignet - denn ohne das Vorwissen und die Kenntnis der alten, späteren Episoden findet man sicherlich nur wenig Gefallen an dem Gesagten/Gezeigten, da eine hemdsärmelige Identifikationsfigur wie seinerzeit Han Solo zwischen all den bunten Viechern und abgehoben quasselnden Jedi merklich fehlt. Tja, schade.
Wer viel Wert auf klassisches Star-Wars-Feeling legt, spult nach dem Einleitungstext bis zum Endduell - und ignoriert bitte den Rest...
Den totzitierten "Möge die..." - Spruch spare ich mir an dieser Stelle bewusst.
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