|
Seska und Janeway sahen sich an. Um Seskas Lippen spielte wieder ein mitleidiges Lächeln. Janeway tippte auf ihren Kommunikator.
"Maschinenraum!"
"Torres hier!" Der Ausgang der Geschehnisse hatte sich anscheinend schon bis zum Maschinenraum herumgesprochen, denn die Erleichterung in B’Elanna Torres’ Stimme war noch durch die Verzerrungen des Kommunikators zu hören.
"Würden Sie bitte in die Krankenstation kommen? Ein paar Leute brauchen noch Aufklärung. Bringen Sie bitte ihren Gast aus dem Maschinenraum mit."
"Wir sind unterwegs. Torres Ende."
Janeway wandte sich wieder Chakotay zu. "Die Schwierigkeit bestand nicht eigentlich in der Flucht", fuhr sie fort, "sondern darin, die beiden zu verstecken. Der Computer würde jeden auf dem Schiff sofort lokalisieren. Der einzige Vorteil war, dass der Computer Paris und Tuvok nicht von sich aus suchen würde. Wir mussten also dafür sorgen, dass niemand überhaupt auf die Idee kam, die beiden suchen zu lassen, dass sie überhaupt nicht vermisst wurden. Jeder musste glauben, er wüsste, wo sie sind, dann würde niemand nach ihnen suchen, und der Computer würde sie nicht finden."
"Was soll das heißen?" rief Chakotay verständnislos. "Ich weiß ganz genau, wo die beiden sind!"
"Tust du das wirklich?" fragte Seska schmunzelnd. Die ganze Geschichte schien ihr jetzt viel Spaß zu machen. "Du vergisst nur etwas: Dies hier ist die Krankenstation!"
Chakotay sah sie verblüfft an. "Natürlich ist das die Krankenstation. Wo sollten sie denn auch sonst liegen?" Als Seska seufzte, schwoll die Ader an seiner Stirn schon wieder an. Er hasste es, für dumm gehalten zu werden.
"Computer! Lokalisiere Lieutenant Paris!"
"Lieutenant Paris befindet sich auf der Krankenstation!" meldete der Computer.
Chakotay sah Seska triumphierend an.
"Computer!" Fähnrich Freeman hatte die ganze Unterhaltung schweigend aber mit offensichtlich großem Vergnügen verfolgt. "Programm Paris-1 beenden!"
Die Gestalt des schwer verwundeten Tom Paris, der seit Tagen auf der Medoliege mit dem Tode gerungen hatte, flackerte kurz und verschwand dann. Die Anzeigen bestätigten immer noch die schlechten Überlebenschancen des Verschwundenen, bis Louis Zimmerman aufstand und sie abschaltete.
Chakotay starrte die leere Liege an.
Hinter ihm begann Fähnrich Freeman zu lachen. "Computer, lokalisiere Fähnrich Freeman!" rief er glucksend.
"Ein Fähnrich Freeman befindet sich nicht an Bord!" erklärte der Computer.
Freeman grinste unverschämt, rubbelte an seinem Bart, bis sich eine Ecke löste, und er ihn abziehen konnte. Er zerrte die weiche Schaumstoffpolsterung unter seiner Uniformjacke hervor, fuhr sich mit den Fingern durch das schwarz gefärbte Haar und zupfte an ein paar übrig gebliebenen Leimresten in seinem Gesicht. "Jetzt erst bin ich wirklich wieder ein freier Mann!" seufzte er.
Chakotay starrte Tom Paris fassungslos an.
In diesem dramaturgisch genau richtigen Moment öffnete sich die Tür, und B’Elanna Torres und Tuvok traten ein. Beide übersahen die Situation mit einem Blick; Torres mit einem Funkeln der Befriedigung in den Augen, Tuvok ruhig und unbewegt wie immer. Er nickte und beendete nach einem kurzen Blickwechsel mit Janeway selbst sein Hologramm. Seine verstrahlte Gestalt auf der Liege flackerte und verschwand.
Einen Augenblick herrschte Stille, und Chakotay hatte genügend Gelegenheit, das ganze Ausmaß seiner Niederlage auf sich wirken zu lassen. Natürlich, für B’Elanna und den Doktor war es überhaupt kein Problem gewesen, diese Holografien zu programmieren. Und ausgerechnet durch den angeblichen Freeman hatte er Janeway bewachen lassen und damit den Bock zum Gärtner gemacht. Ihm war nie aufgefallen, dass es an Bord bis vor ein paar Tagen gar keinen Fähnrich Freeman gegeben hatte. Das war es, was Seska gemeint hatte, als sie sagte, Janeway kenne die Mannschaft und er nicht.
|