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Voyager


"Meutereien"

von Andreas Kohn

3


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Torres hatte sich in Fahrt geredet, ihre Stimme hatte einen wütenden, zischenden Tonfall angenommen. "Klingonen werden von den Menschen als herzlose Mörder angesehen, als kriegerische Schlächter und Eroberer, ohne Sinn, Verstand und Ehre."
Janeway holte Luft, um ihr zu widersprechen, aber Torres schnitt ihr das Wort mit einer Handbewegung ab. "Ich weiß, dass Sie es nicht so sehen. Aber ich weiß auch, dass es für viele andere so ist. Der Friede zwischen Klingonen und Menschen besteht auch heute noch nicht lange genug, um jahrhundertelanges Denken dieser Art ausgerottet zu haben, und die meisten Menschen haben zu wenig mit Klingonen zu tun, um sich ein echtes Urteil bilden zu können." Sie seufzte. "Vermutlich ist es bei den Klingonen nicht anders. Aber die Klingonen haben durchaus einen Ehrenkodex, und in der Regel wird er strenger befolgt, als sich die Menschen an ihre so ‘humanen’ Vorstellungen halten. Aber unser ehrenvolles Verhalten sieht eben ein bisschen anders aus als Ihres, und darum glauben viele Menschen, man könnte uns nicht trauen." Sie lächelte wehmütig. "Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede. Als Halbblut bin ich selbst oft genug zwischen den Kulturen hin und her gerissen."
Einen Moment sah sie blicklos vor sich hin, in irgendwelche Erinnerungen versunken. Dann hob sie den Kopf und sah Janeway an.
"Sie müssen sich nicht rechtfertigen, Lieutenant", sagte Janeway lächelnd. "Ich wollte Sie nicht anklagen oder verletzen, und ganz sicher wollte ich nicht Ihre Ehre in Zweifel ziehen. Aber mir ist vieles fremd hier, ich weiß nicht genau, worauf ich mich verlassen kann. Bei manchen Leuten, denen ich in meiner Welt vertrauen kann, kann ich es hier auch tun, aber andere, denen ich bei mir genauso vertrauen würde, würden mich hier verraten, wenn ich ihnen die Gelegenheit gebe. Diese beiden Gruppen zu unterscheiden, ist nicht ganz einfach." Sie betrachtete die klingonische Ingenieurin lange. Schließlich lächelte sie wieder und traf eine Entscheidung. "Ich bin froh, dass ich Ihnen hier genauso vertrauen kann, wie ich es in meiner Welt tue."
Torres schien aufzuatmen. Endlich setzte sie sich. "Was werden Sie jetzt tun?"
Janeway zuckte wieder die Achseln. "Ich weiß es noch nicht. Aber dass wir Sie auf unserer Seite haben, eröffnet natürlich ganz neue Möglichkeiten. Wie sieht es im Maschinenraum aus? Wer würde uns helfen, wem müssen wir aus dem Weg gehen?"
Torres überlegte einen Augenblick. "Ich weiß schon, wen ich einspannen kann. Der Maschinenraum würde von ein paar Ausnahmen abgesehen, zu mir halten. Wenn es soweit ist, können wir die paar treuen Chakotay-Anhänger ausschalten. Kein Problem."
"Gut. Wie sieht es mit Tuvok und Paris aus? Wir müssen sie aus dem Arrest herausholen!"
Torres und der Doktor sahen sie überrascht an. "Unmöglich!" entfuhr es Zimmerman. "Eine Flucht würde man sofort entdecken. Und selbst, wenn wir sie unbemerkt da herausbekämen: Du kannst sie nicht auf dem Schiff verstecken!"
"Dr. Zimmerman hat recht", stimmte Tores zu. "Der Computer könnte sie jederzeit lokalisieren!"
Janeway starrte vor sich hin. Ihr Blick blieb an Zimmerman hängen, und sie runzelte die Stirn.
"Vielleicht auch nicht…!" murmelte sie geheimnisvoll.

Lieutenant Thomas Eugene Paris hatte es schon vor Monaten aufgegeben, in seiner Zelle herumzutigern. Die ersten zwei Monate war er ständig auf den Beinen gewesen, hatte den kleinen Raum unzählige Male abgeschritten, hatte sich den Kopf über Fluchtpläne zerbrochen, die in seiner Phantasie immer bizarrere Formen angenommen hatten.

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