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Voyager


"Meutereien"

von Andreas Kohn

3


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Kathryn Janeway folgte mit dem Blicken dem aufgeregten Dr. Zimmerman, der unruhig in der Krankenstation auf und ab ging. Seit sie von der Brücke gekommen waren, und sie von Meuterei gesprochen hatte, konnte er sich nicht wieder beruhigen.
"Hast du eine Ahnung, worauf du dich da einlässt?" rief er sorgenvoll. "Das wird nicht anders enden, wie der letzte Versuch. Ich will dich nicht noch einmal zusammenflicken müssen! Mal ganz davon abgesehen, ob mir Chakotay diesmal noch etwas zum zusammenflicken übriglassen wird."
Janeway lächelte. "Beruhigen Sie sich doch erst einmal wieder", meinte sie und schob ihm den Stuhl hin. "Setzen Sie sich doch, Sie machen mich ganz nervös."
Zimmerman ließ sich auf den Stuhl fallen. Sehr viel beruhigter wirkte er aber nicht. Er sah sie zärtlich und besorgt an. Sie legte ihm die Hand auf den Arm.
"Ich weiß ja, dass Sie sich Sorgen um mich machen, aber vergessen Sie nicht, ich bin Captain eines Schiffes der Sternenflotte." Sie lächelte. "Auch wenn es im Moment nicht so aussieht." Ihr Scherz half ihm, sich zu entspannen. Er lächelte ebenfalls. "So ist es schon besser. Glauben Sie mir: Bei so einer Ausbildung lernt man eine ganze Menge, manchmal sogar subversive Taktiken. Man lernt, wie man eine Meuterei anzettelt, damit man dann weiß , wie man sie verhindern kann."
Zimmerman nickte. "Und wie willst du sie ‘anzetteln’?" fragte er.
Janeway zuckte die Achseln. "Im Moment hab’ ich noch keine Ahnung. Ich muss mich erst noch mehr mit der Umständen vertraut machen. Wer würde uns helfen? Wen können wir fragen, wem können wir vertrauen?"
"Mir!" sagte eine Stimme hinter ihnen. Janeway und Zimmerman fuhren erschrocken herum.
B’Elanna Torres stand in der Tür.
Janeway starrte sie an. Sie war wütend auf sich selbst. Wie hatte sie hier sitzen und eine Meuterei planen können, ohne zu merken, dass sich jemand von hinten anschlich! Es hätte Chakotay sein können oder Seska. Alles hätte jetzt schon vorbei sein können. Sie sah Torres misstrauisch an. Konnte sie ihr trauen?
"Wie sind Sie hier hereingekommen?" fragte sie unbehaglich.
Torres lächelte eines ihrer seltenen Lächeln. "Ich bin Klingonin", erwiderte sie. "Klingonen sind Krieger. Und zu einem Krieg gehört nicht nur eine lautstarke Attacke. Manchmal können wir uns auch anschleichen."
Janeway verzog den Mund zu einem sarkastischen Grinsen. "Dann kann ich ja froh sein, wenn Chakotay sich nicht auch auf diesen Teil seiner Fähigkeiten besinnt. Die Indianer waren berühmt für ihre Fähigkeiten spur- und lautlos irgendwo aufzutauchen."
Torres trat näher. Sie blieb vor dem Tisch stehen, an dem Janeway und Zimmerman saßen. Sie sah finster aus. "Ich glaube nicht, dass Chakotay sich jemals um seine Ahnen und ihre Riten gekümmert hat. Keine Ehre, keine Loyalität." Ihre Augen blitzten.
Janeway musterte sie verwundert. Es fiel ihr immer noch schwer, zu entscheiden, wem sie vertrauen konnte. Sie konnte sich auf nichts verlassen, nicht einmal darauf, dass hier alles verkehrt war. Manches war genauso, wie sie es gewohnt war, anderes genau umgekehrt. Es blieb ihr nichts anderes übrig: Sie musste es darauf ankommen lassen, sich auf bestimmte Leute zu verlassen. Und diese Leute herauszufinden, da konnte sie nur ihrem Instinkt folgen.
"Warum wollen Sie uns helfen?" fragte sie Torres. "Sie waren mit Chakotay zusammen beim Maquis. Wie steht es mit Ihrer Loyalität ihm gegenüber?"
"Als wir beim Maquis waren, hatten wir ein gemeinsames Ziel", erklärte Torres. "Wir hatten gemeinsame Visionen, und…", setzte sie hinzu, "wir hatten zumindest annähernd ähnliche Vorstellungen über die Mittel, mit denen diese Ziele und Visionen durchzusetzen seien, und über die Grenzen, wann sie nicht mehr durch den Zweck geheiligt werden. Chakotay hat vielleicht noch ein gleiches Ziel wie ich, er möchte nach Hause wie wir alle, aber seine Mittel, dieses Ziel zu ereichen, sind absolut indiskutabel!"

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