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Voyager


"Meutereien"

von Andreas Kohn

2


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Kathryn Janeway starrte Chakotay fassungslos an. Sie konnte nicht glauben, was sie da eben gehört hatte. Sie konnte nicht glauben, was sie hier sah. Sie suchte verzweifelt nach einem Anker, um in dieser verdrehten Welt einen Haltepunkt zu finden. Doch als sie sich umschaute, sahen alle sie erstaunt und ungläubig an, als hätte sie den Verstand verloren. Janeway begann sich ernstlich zu fragen, ob sie vielleicht recht haben könnten.
"Was ist hier los?" fragte sie noch einmal. Ihre Stimme klang für sie selbst falsch.
Chakotay musterte sie noch immer kalt und drohend. "Hier ist nichts los", sagte er leise. "Ich wiederhole mich nicht gerne. Gehen Sie in Ihre Kabine, oder noch besser, melden Sie sich auf der Krankenstation, damit der Doc Sie untersuchen kann. Auf jeden Fall:", seine Stimme hob sich, wurde lauter und dadurch noch drohender, "Verschwinden Sie von meiner Brücke!"
Um Janeway schien sich alles zu drehen. Sie wollte protestieren, holte schon Luft, um diesen Streich jetzt endgültig zu beenden. Doch ihr Blick blieb an Seska hängen. Nein, das war kein Streich. Niemand hätte für einen Scherz, wie geschmacklos er auch immer werden sollte, Seska zurück an Bord geholt.
Hier ging etwas Größeres, Unerklärlicheres vor.
Janeway ließ langsam die Luft entweichen, um sich zu beruhigen. Sie ließ ihren Blick kreisen, aber nirgendwo fand sie einen verschwörerischen oder aufmunternden Anblick. Im Moment blieb ihr nur ein taktischer Rückzug. Wortlos wandte sie sich ab und ging zum Turbolift.
"Lieutenant!"
Janeway hatte eine letzte Attacke Chakotays erwartet. Daher konnte sie gleich auf die schon lange nicht mehr gewohnte Anrede reagieren. Sie drehte sich langsam um. Chakotay stand abwartend mitten auf der Brücke und erwartete offensichtlich, dass sie ihm mit "Sir?" antwortete, doch diesen Gefallen würde sie ihm nicht tun. Sie wartete wortlos.
"Denken Sie daran, was ich Ihnen sagte, was passieren wird, wenn Sie jemals versuchen würden, das Schiff wieder an sich zu bringen! Ich habe das ernst gemeint!"
Janeway hatte keine Ahnung, was dann passieren würde. Aber die Andeutung, dass sie offensichtlich doch schon mal Captain der Voyager gewesen war, beruhigte sie ungemein. Sie verließ die Brücke wortlos.

Janeway irrte ziellos durch die Korridore der Voyager. Sie versuchte sich zu konzentrieren, und das konnte sie am besten, wenn sie umherwanderte. Sie legte sich in Gedanken sämtliche Informationen zurecht, die sie unbewusst aufgenommen hatte, seit sie in der Krankenstation aufgewacht war.
Die Möglichkeit eines Scherzes hatte sie schon ausgeschlossen, die Umstände wären zu groß gewesen. Dass sie den Verstand verloren hatte und sich ihre Vergangenheit nur einbildete, war auch nicht möglich, die für sie gewohnte Uniform des Captains, die sie trug, wahr schließlich keine Halluzination. Offensichtlich war sie also immer noch die gleiche. Dass die anderen 150 Besatzungsmitglieder der Voyager den Verstand verloren hatten, schien auch nicht sehr wahrscheinlich. Hier prallten also zwei Wahrheiten aufeinander. Janeway schüttelte zum wiederholten Mal den Kopf. So kam sie nicht weiter.
Ohne sich dessen bewusst zu sein, hatte sie den Weg zu ihrem Quartier eingeschlagen und stand nun vor ihrer Tür. Das Captain’s Log! Vielleicht konnte sie so herausfinden, was hier geschehen war. Sie drückte den Öffner. Doch der Computer gab nur ein unmelodisches Quäken von sich. Janeway versuchte es erneut. "Zugang verweigert!", meldete der sture Türöffner.
Sie starrte konzentriert auf die geschlossene Tür. Natürlich, das war das Quartier des Captain. Und der Captain war Chakotay. Dies war nicht mehr ihr Quartier. Entschlossen wandte sie sich ab und machte sich auf den Weg zur Krankenstation. Der Doktor musste ihr ihre Fragen beantworten. Unter anderem musste er ihr verraten, wo ihr Quartier eigentlich war.

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