|
Dräng mich bitte nicht, Chakotay. Bitte laß mich den Zeitpunkt bestimmen, hätte sie ihm gerne gesagt, doch sie schwieg.
"Sie haben Recht", mit diesen Worten setzte er seine Atemmaske wieder auf und ging zügig voran.
Sie mußte sich beeilen, um mit ihm Schritt zu halten. Wieder hatte sie ihn verletzt, aber es war nicht ihre Absicht gewesen. Sie hatte ihn niemals verletzen wollen, dennoch geschah es immer wieder. Es tat ihr leid, unendlich leid, was geschehen war. Im letzten Augenblick hatte sie sich von ihren Ängsten überwältigen lassen. Sie schätzte die Freundschaft, die sie zu ihm hatte sehr, sie wollte sie nicht verlieren. Doch was würde sie hinzugewinnen?
Ihre Gedanken wurden abrupt unterbrochen, als ein starker Ruck des Seils sie zu Fall brachte. Sie wehrte sich dagegen, stemmte sich dagegen an, doch sie konnte nicht verhindern, das was auch immer Chakotay zugestoßen war nun auch ihr passierte.
Sie wurde durch das Loch in der Schneedecke gezogen. Ihr Sturz wurde etwas gedämpft, da sie auf Chakotay fiel. Nach einer Weile rappelten sich beide auf.
"Was ist geschehen? Wo sind wir hier?", irritiert schaute sie um sich.
"Das scheint so eine Art Höhle zu sein."
"Höhle? Aber hier ist doch alles aus Schnee", zur Probe berührte sie die Wand und fand ihre Behauptung bestätigt.
"Dann ist es eben eine Schneehöhle", Chakotay betrachtete das Loch in der Decke, durch das sie hindurchgefallen waren.
"Wie kommen wir hier wieder raus?", fragte sie, gesellte sich neben ihn und sah ebenfalls zum Loch in der Decke.
"In unserer Ausrüstung gibt es ein Seil mit einem Haken. Aber vielleicht sollten wir hierbleiben", erwiderte er.
"Hierbleiben?"
"Ich meine nur für die Nacht. Die Verhältnisse draußen sind so lebensfeindlich, daß wir an der Oberfläche über Nacht keine Chance hätten. Diese Höhle ist wahrscheinlich das Beste, was uns passieren konnte."
"So habe ich das noch gar nicht gesehen. Ich hatte nur das Gefühl hier gefangen zu sein", sagte sie.
"Keine Sorge, ich bringe Sie schon heil nach Hause", er schmunzelte, wenn auch etwas gezwungen. So schnell konnte er die Enttäuschung nicht verarbeiten. Dabei war er sich völlig sicher gewesen, er hätte diesen Schritt niemals gewagt, wenn er bei ihr Anzeichen von Unsicherheit wahrgenommen hätte.
Zum Dankeschön legte sie ihm eine Hand auf die Schulter.
Schnell sagte er, "Wir sollten etwas finden, daß wir aufheizen können, es wird bestimmt noch sehr viel kälter werden", er wollte verhindern, daß eine ähnliche Situation wie vorhin eintrat.
Es war dunkel geworden, sehr dunkel. Jetzt saßen sie bereits seit drei Stunden in einiger Entfernung voneinander um die Lampe, die nur spärliches Licht lieferte. Viel schlimmer als die Dunkelheit war jedoch die beißende Kälte. Die Temperaturen waren noch weiter gefallen und etwas zum Aufheizen hatten sie in der kleinen Höhle nicht gefunden. Keiner von beiden hatte mehr gesagt, als notwendig gewesen war. Sie hatten die Notrationen gegessen und in die Lampe gestarrt. Was ging wohl in ihm vor? Sie mummelte sich noch tiefer in ihre Jacke, aber es half nichts. Sie wurde nicht wärmer und ihren Sachen waren immer noch leicht feucht. Ihr Atem kondensierte sofort, als sie ausatmete. Sie zitterte so sehr, daß er es sehen konnte. Langsam stand er auf, näherte sich ihr und setzte sich dicht neben sie, "Frieren Sie auch so?"
"Ich weiß nicht, wie kalt Ihnen ist, aber ich bin kurz vorm Erfrieren", meinte sie sarkastisch und öffnete dabei kaum den Mund, denn sie konnte ihren Unterkiefer fast nicht mehr bewegen.
"Vielleicht sollten wir näher aneinander rücken."
Erschrocken schaute sie ihm in die Augen und versuchte zu ergründen, was er mit dieser Bemerkung gemeint hatte.
Er sah ihre Irritation und fügte schnell hinzu, "Ich meine das rein funktionell. Wir könnte einander etwas wärmen."
"Rein funktionell", wiederholte sie und nickte bestätigend.
|