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Es war ein ungewohntes Gefühl. Die leeren Gänge der Voyager wirkten viel enger und bedrängender, als ich sie in Erinnerung hatte. Das gedämpfte Notlicht verhinderte, dass alles ganz in Dunkelheit versank und verlieh damit den sonst so von Menschen belebten Gang eine unheimliche und düstere Note. Als das Echo meiner Schritte an den kalten metallischen Wänden widerhallte, überkam mich das Gefühl von Einsamkeit. Es war seltsam : Vor sechs Wochen bin ich noch an genau dieser Stelle mit Harry Kim zusammengestoßen. Er war so aufgeregt wegen seiner kurz bevorstehenden Rückkehr zur Erde, dass er mich gar nicht wahrgenommen hatte. Durch unseren Zusammenstoß ließ er vor Schreck seine 2 Koffer fallen und der ganze Inhalt verteilte sich über dem Boden. Ich half ihm beim Zusammentragen seiner Sachen und als er sich schließlich wieder auf dem Weg machen wollte, wünschte ihn abschließend viel Glück für sein weiteres Leben. Das war das letzte Mal, das ich ihn gesehen habe. Tom zufolge ist er zu seinen Eltern nach San Francisco gezogen und gönnt sich einen ausgedehnten Landurlaub.
Langsam öffnete sich die Tür am Ende des Ganges und gab den Weg zu den in Dunkelheit gehüllten Maschinenraum frei. An der Stelle des Warpkerns war nur noch ein klaffendes Loch zu sehen. Das einst so mächtige und moderne Herz der Voyager wurde bereits entfernt und zur Entsorgung in eine dafür vorgesehene Anlage auf Vulkan gebracht. Er hat wohl nicht mehr den Sicherheitsanforderungen der Sternenflotte entsprochen.
Was war die Voyager einst für ein gewaltiges Schiff gewesen: Sie hat uns ernährt, Unterschlupf gewährt und einen Weg zurück in die Heimat ermöglicht. Doch nun hat sie ausgedient. Nach der Entdeckung eines stabilen Wurmlochs und der Rückkehr zur Erde war sie am Ende ihrer Kräfte und steht nun zur Verschrottung in einem Dock der Mc Kinley Station.
6 Jahre, 2 Monate, 11 Tage... solange hatte die Voyager ihr Dasein im Delta Quadranten gefristet. Die Rückkehr wurde mit Überschwung gefeiert. Ich kann mich noch ganz genau an das Gesicht von Admiral Paris erinnern, als Kathryn ihm Seven und Neelix, unsere "Tramper" aus dem Deltaquadranten, präsentierte. Seven und Neelix... wie es ihnen wohl ergehen mag. Beide habe ich seit diesem Fest nicht mehr wiedergesehen. Gerüchten zufolge hat Neelix ein Restaurant irgendwo in San Francisco eröffnet. Ich hoffe, er wird glücklich damit. Seven soll von der Sternenflotte rekrutiert worden sein und befindet sich nun mit Tuvok auf einer Deep Space Mission. Eigentlich dachte ich, sie würde auf der Erde Kontakt zu noch lebenden Verwandten ihrer Eltern aufnehmen. Aber vielleicht ist es besser so. Seven kam nie wirklich klar mit individuellen Persönlichkeiten, jede mit eigenen Ziel und Wertvorstellungen... Ein Schiff mit 125 Individuen war schon ungewohnt, aber ein ganzer Planet muss wirklich furchteinflössend für jemanden sein, der die eigene Individualität erst vor 2 Jahren entdeckt hat. Eine Deep Space Mission weit weg von jeder größeren Gesellschaft und in Begleitung des emotionslosen Tuvok wird wohl genau das sein, was sie sich wünscht.
Verloren in meinen Gedanken lief ich weiter durch den dunklen Maschinenraum und erblickte dabei B'Elanna's Pult. Oft hatte sie da gestanden und ihr aussergewöhnliches Talent für alles Technische bewiesen. B'Elanna und Tom habe ich vor einer Woche wiedergetroffen, als sie mich mit der freudigen Nachricht von B'Elanna's Schwangerschaft überraschen wollten. Waren beide zuvor noch unsicher über die alsbaldige Rückkehr in den Alpha-Quadranten, ein Gefühl, mit dem ich selbst als ehemaliger Marquisad ebenfalls zu kämpfen hatte, haben sich diese Sorgen zum Glück als unbegründet aufgeklärt: Alle Marquisaden wurden von Star Fleet wegen ihrer beispielhaften Unterstützung im Delta Quadranten begnadigt.
Ich begab mich wieder zum Ausgang, doch bevor ich durch die Tür in Richtung Turbolift schritt, warf ich noch einen letzten Blick auf das klaffende Loch in der Mitte des Maschinenraums: Der Warpkern war nicht das Einzige gewesen, was von der Voyager entfernt wurde: Die Transwarpspulen und der Slip Stream Antrieb wurden ebenso ausgebaut und befanden sich nun auf der Jupiter Station zur Weiterentwicklung... Und der Doktor? Nun - es ist genau das passiert, was Seven vorhergesagt hatte: Sein Programm wurde überarbeitet und an die neuesten Konventionen der Holotechnologie angepasst. Damit verlor er seine Persönlichkeit, war nicht mehr der Doktor, der innerhalb von 6 Jahren, 2 Monaten und 11 Tagen von seiner ursprünglichen Programmierung abwich und zum Individuum wurde. Seven und Kathryn protestierten anfangs dagegen. Man hatte einfach kein Recht, all die individuellen Erfahrungen und Erlebnisse des Doktors durch eine kurze Aktualisierung seines Programms verschwinden zu lassen. "Jeder hat das Recht auf freie Entfaltung seiner Persönlichkeit" - die Naturrechte sind noch immer der Maßstab für individuelles Verhalten und staatliches Recht, wenn auch nun in bedeutend größeren Ausmaßen als damals. Wann werden endlich auch Wesen mit künstlicher Intelligenz als empfindungs- und rechtsfähig angesehen? ...Natürlich hatten Seven und Kathryn keinen Erfolg - das Ganze war bereits beschlossene Sache. Ich kann mich noch ganz genau an Kathryns wütenden Blick erinnern, als ihr mitgeteilt wurde, dass es bereits zu spät für weitere Proteste war...
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