|
Christine sah von ihrer Konsole auf. »Wir erreichen Nyos III in vier Minuten.« Noch vier Minuten, bis sich zeigte, wer recht haben sollte - Sie, Christine, indem sie die Klingonen besiegten, oder diese Ärztin - in dem sie bei der Verteidigung der Kolonie ums Leben kamen.
»Dann sollte ich besser in die Krankenstation gehen. Ich gehe davon aus, daß es nötig sein wird...« Becky verließ die Brücke, aber nicht, ohne Christine nochmals einen scharfen Seitenblick zuzuwerfen.
Edwards erhob sich aus dem Sessel der Wissenschaftskontrolle. »Noch vier Minuten - wir sollten jetzt noch eine dringende Frage klären, ehe wir unter Warp gehen.«
Susan, die auf einem der hinteren Sitze platz genommen hatte, sah interessiert zu Edwards. »Welche?«
Edwards ließ seinen Blick über die Anwesenden gleiten. Überrascht stellte er fest, daß offenbar wirklich niemand wußte, was er meinen könnte.
»Wer hat das Kommando?«
Fast allen Anwesenden fiel die Kinnlade herunter, und auch McAllister schalt sich selber, daß ihm noch gar nicht aufgefallen war, daß bisher niemand Anstalten gemacht hatte, das Kommando zu übernehmen. Bisher hatte es niemanden gegeben, der sich im Sessel des Captains niedergelassen hatte. Das war auch gar nicht nötig gewesen - jeder wußte, was zu tun war. Doch nun ging es darum, die Challenger in eine Schlacht zu führen - und um diese zu überleben, bedurfte es einer Kommandohierarchie.
»Ich finde, der höchste Rang an Bord dieses Schiffes sollte das Kommando übernehmen«, schlug Lefler vor.
Christine erhob sich aus ihrem Sessel. »Das wäre dann ja wohl ich.«
Doch Lefler schüttelte den Kopf. »Ich meinte eigentlich den höchsten Sternenflottenrang!«
Christine verharrte mitten in der Bewegung und starrte Lefler giftig an.
»Natürlich - denn ihr Sternenflottenleute seit ja etwas besonderes, da kann ein Durchschnittsmensch wie ich ja nicht mithalten!« sagte sie sarkastisch, während sie die Hände in die Hüften stützte.
»Hören Sie, Christine...«, wollte Lefler die Situation entschärfen, wurde aber sofort wieder von Christine unterbrochen. »Für Sie immer noch O’Donnell! Captain O’Donnell!«
»Captain O’Donnell«, begann nun Farrell diplomatisch. »Niemand bestreitet Ihre Flugkünste, und ich bin überzeugt, daß Sie auch schon die eine oder andere Auseinandersetzung mit Ihrem Frachter bestritten haben, und darin bestimmt recht gut waren.«
»Ach ja? Und weiter?« In Christines Augen blitzte es.
»Aber sagen Sie selbst - und bitte seien Sie ehrlich - sind Sie vertraut mit den Leistungsdaten von Sternenflottenschiffen, mit deren Manövrierfähigkeit, deren Bewaffnung und deren Abwehrmanövern?«
»Nein, bin ich nicht«, mußte Christine kleinlaut zugeben.
Farrell nickte verständnisvoll. »Sehen Sie, deswegen muß Commander Edwards das Kommando übernehmen. Außerdem bin ich sicher, daß der Commander den besten Piloten an Bord dieses Schiffes an der Conn benötigt, und der sind zufälligerweise Sie.« Mit einem schnellen Seitenblick stellte Farrell sicher, das McAllister sich seinen Kommentar zum Thema ›Bester Pilot‹ sparte.
Zerknirscht ließ sich Christine wieder an der Conn nieder. Ihr gefiel es überhaupt nicht, einem Sternenflottenoffizier zu unterstehen, andererseits hatte Farrell schon recht - sie war ja schon froh, daß sie mit der Steuerung und Navigation des unvertrauten Schiffes zurechtkam. Das Kommando zu führen würde sie garantiert überfordern. Warum mußte nur immer ihr Stolz mit ihr durchgehen?
Zum Glück hatte ihr Farrell mit seinem Hinweis auf ihre Flugkünste eine Möglichkeit gegeben, sich einigermaßen aus der Affäre zu ziehen. Christine nahm sich vor, ihm später dafür zu danken.
»Also schön.« Fast ehrfürchtig ließ sich Edwards in seinem neuen Sessel wieder und studierte die Konsolen, die zu beiden Seiten angebracht waren.
|