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Mirror Universe


"Rebellen"

von Mario Scholz

4. Kapitel


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Nechayev saß an ihrem Schreibtisch und betrachtete auf ihrem Viewer die Simulation eines klingonischen Angriffs auf einen Planeten. Zunächst näherten sich eine Reihe von klingonischen Kreuzern der Vor’Cha-Klasse, schwere Kampfraumer, die sofort damit begannen, das spärliche Abwehrsystem der Kolonie unter Beschuß zu nehmen. Ein Geschwader von leichten Bird-of-Preys beschleunigte plötzlich und drang in die Atmosphäre ein.
Klingonische Standardtaktik - nach Ausschalten der planetaren Verteidigung wurden Bodentruppen abgesetzt, die, bewaffnet mit Disruptoren und Bat’Leth, den Planeten erobern würden. Die Überlebenschance für die Bevölkerung war gering bis gar nicht vorhanden, wenn sich nicht zufällig ein Sternenflottenverband in der Nähe befand.
Nechayev überlegte, welche Gegenmaßnahmen getroffen werden konnten. Zunächst einmal müßten bewaffnete Sicherheitskräfte der Sternenflotte auf den wichtigsten Planeten stationiert werden. Die Kontrollen an den Grenzen und auch in der Föderation müßten verstärkt werden.
Nechayev lehnte sich zurück und dachte nach. Ja, diese Maßnahmen würden ihre Wirkung sicher nicht verfehlen und sie ihrem Ziel einen Schritt näher bringen. Sie öffnete einen Kanal zu ihrem Attaché im Vorzimmer. Einige Sekunden später glitt die Tür ihres Büros auf und eine kleine Asiatin in Sternenflottenuniform betrat den Raum und nahm Haltung an.
»Ja, Miss President?«
»Leiten Sie alles in die Wege, Lieutenant. Phase II beginnt in drei Stunden.«
Die Asiatin nickte und verschwand Richtung Tür, doch Nechayev sprach sie noch einmal an: »Ach ja, Chin – sagen Sie dem Fleetcaptain, es darf keine Überlebenden geben.«

Fähnrich Susan Brandell befand sich alleine im Maschinenraum der Challenger. Der rechte Impulsantrieb hatte zu energetischen Fluktuationen geneigt, und Commander Farrell hatte gemeint, die Reparatur würde ihrer Ausbildung gut tun, die sie ja nun nicht mehr unter normalen Umständen fortsetzen konnte. Ihr war es recht – sie arbeitete gerne an den Maschinen eines Raumschiffes, vor allem, wenn es sich um ein so modernes Schiff handelte. Allerdings hatten moderne Schiffe auch ihre Nachteile - über die Konstruktion dieser Impulssysteme hatte sie noch nichts gelesen oder gehört, und so hatte sich die vermeintliche Feinjustierung zu einer einstündigen Hetzjagd nach dem Fehler entwickelt – immer wenn sie geglaubt hatte, die Ursache der Abweichung gefunden und korrigiert zu haben, trat die Fluktuation erneut auf.
Doch nun hatte sie es endlich geschafft – eine kleine, durchgebrannte Energieweiche war Schuld gewesen. Susan schüttelte den Kopf - in einem normalen Impulsantrieb wäre es nie zu dazu gekommen.
Seufzend schob sich sie mit den Füßen aus der Jeffriesröhre, während sie gleichzeitig versuchte, sich ihre Ingenieurstasche über die Schulter zu hängen, was ihr allerdings nicht ganz gelang – die Tasche kippte um, und Spulenspanner, optronische Koppler und viele weitere Werkzeuge klimperten in die Jeffriesröhre. Leise vor sich hin fluchend kroch sie vollends aus der Röhre und stieg vorwärts wieder herein, um ihre Werkzeuge einzusammeln, ehe Commander Farrell im Maschinenraum auftauchte, um nachzusehen, wie weit sie war.

Fleetcaptain Ridley betrat die Brücke seines Schiffes und nahm in seinem Kommandosessel platz. Über die Sesselkonsole ließ er vom Computer einen vollen Statusreport anfertigen, der ihm bestätigte, daß alle Systeme des Schiffes in hundertprozentiger Bereitschaft waren. Ein gewisser Stolz erfüllte ihn - auch, wenn er eine anders lautende Meldung gar nicht erwartet hatte, immerhin waren die Schiffe seines Verbandes für diese Mission komplett umgerüstet worden. Die Brücke war völlig neu konstruiert worden, hier herrschten dunkle Tönungen vor, unterbrochen nur von glühenden Kontrollkonsolen. Vom Design her ähnelte sie der Brücke der Defiant-Klasse, nur mit noch weniger Farben. Ridleys Offiziere in ihren schwarzen Uniformen der Sektion 31 waren im Halbdunkel der Brücke kaum auszumachen. Die Konstrukteure hatten wirklich an Beleuchtung gespart, im Tarnflug wurde die Brücke nur noch spärlich von ein paar gedimmten Leuchtflächen erhellt. Aber das war für Ridley in Ordnung. Es paßte zum Wesen der Sektion 31. Sie arbeitete gerne im verdeckten, ohne großes Aufsehen zu erregen, fühlte sich in der schützenden Dunkelheit wohl. Immerhin war dies der geheimste Geheimdienst der Föderation, sogar so geheim, daß außer der Präsidentin niemand davon wußte, noch nicht einmal der Starfleet Secret Service. Eine besondere Organisation für besondere Aufgaben, und Ridley empfand Stolz darüber, daß er ein Teil davon war.

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