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Von Schaaps Stirn perlten Schweißtropfen herab, liefen ihm in die Augen, wo sie unangenehm brannten. Schaap brauchte seine ganze Konzentration, um sich davon nicht ablenken zu lassen und weiter an den dicken Seilen zu zerren und zu arbeiten, die ihn an den Stuhl fesselten. Seinen linken Arm konnte er inzwischen schon etwas bewegen - wenn es ihm gelang, ihn ganz aus den Fesseln herauszuziehen, dann konnte er sich vollständig befreien und zumindest den schummrigen Raum erkunden, in den man ihn nach dem Verhör gebracht hatte.
Der Gedanke an das Verhör sandte eine Welle aus Scham durch Schaaps Körper. Schuldgefühle brachen über ihn herein.
Er hatte geredet!
Hatte ihnen alles gesagt!
Nichts für sich behalten!
Kein einziges Wort!
Es war wohl damals die richtige Entscheidung gewesen, die Sternenflotte zu verlassen. Als Offizier taugte er nichts, rein gar nichts. Er hätte nie reden dürfen. Ja, sie hatten ihn gefoltert, ihm Schmerzen zugefügt, während sie ihn mit Fragen gelöchert hatten. Jedesmal, wenn Schaap die Antwort verweigerte, war Bashir mit einem genießenden Grinsen an ihn herangetreten und hatte das Energieniveau der Schmerzinduktoren, die an seiner Stirn befestigt waren, ein klein wenig höher eingestellt, ehe er einen neuen Impuls auslöste. Zweifelsohne hätte er das auch über eine x-beliebige Konsole tun können. Bashir aber hatte es eine perverse Freude bereitet, die Angst in den Augen seines Opfers zu sehen, zu beobachten, wie der Widerstand des Mannes vor ihm langsam bröckelte.
Irgendwann war es dann bei Schaap soweit gewesen. Die Welt verschwand hinter eine roten Vorhang aus Schmerzen, und dann erinnerte er sich nur noch daran, wie er geredet hatte, ihnen bereitwillig auf jede Frage Auskunft gegeben hatte.
Als die Schmerzen nachließen kam die Wut und der Scham. Am liebsten hätte er Bashir den Hals umgedreht für das, was er ihm angetan hatte. Leider hatte er dazu keine Gelegenheit gehabt.
Außerdem wäre er dazu vermutlich viel zu Feige gewesen, das wußte Schaap nun.
Er hatte sich ohne Widerstand vom Doktor und dieser Frau in den Frachtraum tragen lassen, in dem er sich nun befand und war erst wieder richtig zu sich gekommen, als Bashir fast fertig damit war, ihn mit viel Geschick an einen Stuhl, der dort herumgestanden hatte, zu fesseln. Die Tatsache, das er dafür echte Seile benutzt hatte, anstatt Schaap mit einem energetischen, sehr viel sicherem Kraftfeld an den Stuhl zu binden, und seine offensichtliche Erfahrung, die er im Umgang mit diesen Leinen an den Tag legte, hatten Schaap zunächst verwirrt.
Doch dann war ihm klar geworden, warum Bashir diese uralte Methode bevorzugte - ein Kraftfeldgenerator für energetische Fesseln strahlte charakteristische Energiefrequenzen aus, die sich auch außerhalb des Schiffes noch anmessen ließen.
Seile hingegen nicht.
Dafür hielten sie fast ebenso gut. Schaap stöhnte, als er erneut versuchte, sein Arm aus den Fesseln zu ziehen.
Immer noch nichts. Diese Situation hatte fast etwas ironisches, fand Schaap. Er hatte früher ab und zu ein paar Holoromane laufen lassen und war im Rahmen dieser auch ein, zwei mal in eine Situation geraten, welche der jetzigen ähnelte. Damals hatte er sich öfter vorgestellt, wie es wäre, diese Abenteuer wirklich zu erleben, das Adrenalin durch die Adern fließen zu spüren. Nun war er mitten in solch einem Abenteuer. Doch gerade jetzt wünschte er sich nichts sehnlichster, als ›Programm beenden!‹ rufen zu können.
Auf dem Holodeck hatten sich die Fesseln immer leicht lösen lassen, oder sonst etwas unvorhergesehenes war passiert, um ihn zu retten. Schaap war allerdings klar, das er heute wohl nicht damit rechnen konnte, daß die Seile einfach durchrissen, man eine scharfe Kante in Reichweite übersehen hatte oder die Gespielin des Bösewichts plötzlich Mitleid mit ihm bekam und ihn rettete. Dies hier war leider keine holografische Fiktion, sondern die bittere Wirklichkeit. Und er war nicht der strahlende Held, sondern ein gescheiterter Starfleet-Offizier, der seinen besten Freund verraten hatte...
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