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Mirror Universe


"Rebellen"

von Mario Scholz

19. Kapitel


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Völlig geschafft betrat Carol Sloan ihr Quartier. Was für ein Tag! dachte sie, während sie sich an die inzwischen wieder geschlossenen Türen lehnte und erst einmal tief durchatmete. Noch so ein Tag und sie war reif für die geschlossene Anstalt! Diese Rebellen kosteten sie den letzen Nerv.
Dabei hatte alles so gut angefangen. Die Festnahme war perfekt abgelaufen – die Rebellen hatten den Köder des ferngesteuerten Schiffes von Withemoore geschluckt und sich enttarnt, während die Honour im Sensorschatten eines Planeten gewartet hatte.
Dann hatten sie zugeschlagen.
Da die Schilde des Schiffes im Tarnmodus nicht aktiviert werden konnten, war es ein leichtes gewesen, die Challenger mit einigen gezielten Schüssen kampfunfähig zu machen. Nechayev war regelrecht begeistert gewesen, als Carol ihr davon berichtet hatte.
Die gesamte Mission verlief wunderbar – bis die Rebellen wieder aufgewacht waren. Carol verstand immer noch nicht, warum es ihr nicht gelungen war, diese Doktor Wilson dazu zu bringen, gegen ihre Freunde auszusagen. Die Psychoanalysen der Frau waren eindeutig gewesen – Rebbeccas Widerstand hätte eigentlich bei der Aussicht, wieder nach Hause zurückkehren zu können, zusammenbrechen müssen.
Leider war er das nicht, und Carol hatte sich heute bereits den ganzen Tag den Kopf darüber zerbrochen, warum das nicht passiert war. Immerhin war die Frau fast soweit gewesen, zu reden, ehe sie plötzlich aggressiv geworden war. Nur – lag das an einer nicht zutreffenden Psychoanalyse, an einem Fehler von Seiten der Psychiater, oder war es ihre, Carols, Schuld? Hatte sie einen entscheidenden Fehler begangen?
Garantiert war es ein schwerer Fehler gewesen, vor der Ärztin Schwäche zu zeigen. Sie hätte nicht zurückweichen dürfen, als Rebbecca wütend an das Kraftfeld getreten war. Damit hatte sie alle zukünftigen Chancen, etwas freiwillig aus dieser Frau herauszubekommen, verspielt. Wilson wußte jetzt, daß sie von ihr verunsichert werden konnte. Und selbst wenn Carol sich von jetzt an zusammenriß, ihr wütender Ausbruch vor der Frau hatte jegliche Grundlage zerstört, auf der sie Rebbecca hätte manipulieren können. Nein, mit Worten hatte sie keine Chance mehr, an Informationen zu gelangen.
Nun, ihr blieben noch einige andere Mittel, mit denen sie Rebbecca dazu... nun ja, überreden konnte, doch noch etwas preiszugeben.
Allerdings beabsichtigte Carol vor dem Einsatz dieser doch etwas gröberen Methoden, es morgen noch einmal bei den anderen Rebellen zu versuchen. Vielleicht bei dieser Fähnrich – jung und ohne große Erfahrung. Möglicherweise gelang es Carol bei ihr eher, irgend etwas herauszufinden. Andererseits – auch vor diesen Leuten hatte sie bereits die Beherrschung verloren, als sie diesen verdammten Vulkanier bei den Rebellen vorgefunden hatte.
Carol sah jetzt ein, daß es ein Fehler gewesen war, ein gewöhnliches Besatzungsmitglied zur Bewachung der Rebellen abzustellen. Sie hatte zwar daran gedacht, achtzugeben, daß es sich bei dem Mann um einen loyalen Anhänger Nechayevs handelte, nur, daß der Captain oder sein erster Offizier – außer ihr und ihren Leuten die einzigen beiden an Bord des Schiffes, die eine entsprechende Zugangsberechtigung besaßen – auf die dumme Idee kommen konnten, den Arrestblock zu betreten, das war ihr nicht in den Sinn gekommen. Aber ihr hätte eigentlich klar sein müssen, daß Vulkanier nie das taten, was man von ihnen erwartete.
Carol hoffte, daß Simsk nicht zu viel von den Rebellen erfahren hatte, beziehungsweise, daß er ihren Worten keinen Glauben schenkte. Immerhin klangen ihre Aussagen nüchtern betrachtet völlig irrational, auch wenn sie eigentlich der Wahrheit entsprachen. Ein Vulkanier mußte dies als unlogisch abtun.
Allerdings war sich Carol auch bewußt, daß Logik eine Frage des Standpunktes war. Sie hatte nach dieser Begegnung den Rest des Tages damit verbracht, auf der Brücke der Challenger zu sitzen und über diese Problem nachzudenken, ob sie es wagen konnte – oder gar mußte – Commander Simsk zu inhaftieren und zu verhören. Bisher war sie noch zu keiner richtigen Entscheidung gelangt. Irgendwann hatte sie dann bemerkt, daß sie nicht die einzige war, die eine Pause gebrauchen konnte – auch ihr Team schien schon recht ausgelaugt zu sein. Alle hatten ja auch hart gearbeitet – die Reparaturen waren soweit abgeschlossen, daß die Challenger wieder voll flugtüchtig war - vor allem wieder in der Lage war, sich zu tarnen – und die Analyse der Daten im Schiffscomputer hatte auch große Fortschritte gemacht. Die Stimmung an Bord stieg, als Carol die Anweisung erteilte, alle vorhandenen Daten in die mobilen Speicher zu verschieben und die Analyse dann morgen an Bord der Honour fortzusetzen.

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