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Mirror Universe


"Rebellen"

von Mario Scholz

7. Kapitel


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Nechayev blieb vor der großen Tür zum Ratssaal stehen, als hinter ihr schnelle Schritte erklangen. Sie warf einen Blick über die Schulter und sah Chin, die eilig den Flur herunter lief. In der Hand hielt sie einen Aktenkoffer, der wichtige Unterlagen und PADDs enthielt, welche aus Nechaveys Büro stammten. Chin war vorbeigefahren, um sie von dort abzuholen, nachdem Nechavey sie angerufen hatte.
Chin hatte protestiert – es war ihr freies Wochenende, das sie zusammen mit ihrem Freund verbringen wollte, den sie seit einem Monat nicht mehr gesehen hatte. Doch Nechayev ging gar nicht auf ihr Argument vom freien Wochenende ein und ihre Verabredung ließ Chin vorsichtshalber unerwähnt – sie wußte aus ihrer jahrelangen Erfahrung als Attaché des Admirals, was mit Leuten geschah, die Nechayev unliebsam waren, und vermied deswegen tunlichst alles, was Kai in Nechayevs Augen zu so einer Person werden lassen konnte. Also hatte sie klein beigegeben, sich die Uniformjacke übergestreift, und war ins Büro gefahren.
Außer Atem blieb Chin neben Nechayev stehen und überreichte ihr den Koffer, den Nechayev auch sofort öffnete und durchsah. Offenbar war alles vorhanden, denn Nechayev nickte befriedigt und schloß den Koffer wieder. »Vielen Dank, Chin. Sie können wieder gehen.«
Chin nickte dem Admiral zu und ging Richtung Ausgang. Vielleicht würde es ja doch noch eine angenehme Nacht werden...
Alynna Nechayev sah ihrer Assistentin nach, bis sie um eine Ecke verschwunden war, ehe sie tief Luft holte und die beiden großen, schweren Flügeltüren aufstieß. Über sie brach das Gewitter von über 1500 Stimmen herein, das von den schallisolierten Türen bisher absorbiert worden war. Mit vorgestäuscht-selbstsicheren Schritten betrat sie den großen Ratssaal. Während sie durch den denkmalgeschützen Bau von 2145 ging, musterte sie aus den Augenwinkeln die anwesenden Ratsvorsitzenden.
Zum einen war da Rätin Meunier, von der Erde, hier aus Frankreich. Nechayev kannte sie ein wenig und wußte daher, daß von ihr nicht viel zu befürchten war – zu ruhig, zu unsicher, zu schüchtern, um große politische Karriere zu machen. Ihre Wahl in den Vorsitz des Föderationsrates hatte sie wohl vor allem den Nachrichtenagenturen zu verdanken, die ihre erfolgreiche Verhandlungen um irgendeinen unwichtigen Planeten am Rande des Ferengi-Raumes zu einer Sensation aufgebauscht hatten. Es würde wohl Meuniers einzige Amtsperiode sein – selbst, wenn es noch einmal Wahlen geben sollte, dachte Nechayev innerlich grinsend. Ihr Blick wanderte weiter zu Admiral A.D. Withemoore, der neben Meunier saß. Auf den ersten Blick wirkte Withemoore ebenso friedfertig wie Meunier. Aber Nechayev wußte es besser – Withemoore sah zwar aus wie ein Engel, hatte aber die Durchschlagskraft eines Dampfhammers, wenn er es auf jemanden abgesehen hatte. Er verfügte auch über ein großes militärisches Wissen, gesammelt in der Zeit, in der er noch zu den führenden Strategen der Sternenflotte gezählt hatte, bevor er sich endgültig der Politik zuwandte. Beides zusammen konnte Nechayev gefährlich werden, vor allem, da Withemoore keinen Hehl daraus machte, er ein politischer Gegner Nechayevs zu sein. Man konnte sicher sein: sollte in den Gründen, aus denen diese Dringlichkeitssitzung einberufen worden war, irgend etwas – ganz gleich welcher Art – stecken, das sich als Munition gegen Nechayev verwenden ließ – Withemoore würde es auf sie abfeuern.
Nechayev machte sich eine gedankliche Notiz, Withemoore kalt zu stellen, sobald sich eine günstige Gelegenheit bot; im Moment stand er viel zur sehr in der Öffentlichkeit, um dies leise und diskret zu erledigen.

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