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Kurze Zeit später
Auf der Brücke ging es ziemlich hektisch zu. Offenbar war die Friendship im Zentrum des Energiewirbels angekommen. Commander Simsk hatte mit dem Maschinenraum aushandeln können, daß man begrenzte Kontrolle über einige Computersysteme erhielt. Mit vereinten Kräften bemühten sich daher die beiden unterschiedlichen Parteien, unbeschadet weiterzukommen. Das war schon schwierig genug, da immer wieder die Stabilisatoren und andere computergesteuerte Systeme des Schiffes ausfielen. Commander Simsk hatte alle Personen, die auch nur entfernt dazu in der Lage waren, angewiesen, ihm zu helfen. Alle aus dem Maschinenraum freigelassenen Ingenieure hatten sich erleichtert um sämtliche Computer der Kommandozentrale geschart. Sie waren froh, daß sie nun wieder etwas zu tun bekamen und sich nützlich machen konnten.
Dr. Green, der sich im allgemeinen nur mit dem Medo-Computer beschäftigte, hatte im Sitz des Captains Platz genommen.
"Man sitzt eigentlich ganz bequem hier.", murmelte er leise vor sich hin. Doch er schien sich dies lediglich selbst einreden zu wollen, denn er rutschte trotz dieser Bemerkung unruhig auf dem Sitz hin und her, als habe er auf einem heißen Stuhl Platz genommen. Er machte sich Sorgen. Um Enola. Um Alex. Um Captain Shaaryia und um die anderen Geiseln. Auch um Boris Benakka, der nun mit Major H’thar wahrscheinlich schon vor dem Maschinenraum Stellung bezogen hatte. Thomas Green wünschte fast, er wäre mit der Klingonin gegangen. Aber er wußte, daß er mit großer Wahrscheinlichkeit nur im Wege gestanden hätte, vielleicht sogar eine Gefahr für die anderen gewesen wäre. Er war einfach zu alt, um sich an solchen Kommandotrupps zu beteiligen. ‚Und zu langsam!‘, fügte er in Gedanken hinzu.
Nach einigen Minuten des Grübelns hielt es ihn schließlich nicht länger an seinem Platz. Er sprang wieder auf und begann, im vorderen Bereich des Schiffes, direkt vor dem Hauptbildschirm, seine Runden zu drehen. Dabei ließ er sich auch nicht von dem schwankenden und bebenden Raumschiff stören, das ihn des öfteren zum Halten zwang, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Er hielt sich während dieser Phasen an allem fest, was als Stütze dienen konnte.
"Dr. Green, bitte! Sie machen mich ein wenig nervös!" Hishu Tayaka blickte kurz über seine Schulter zu dem älteren Mann hinüber, der sich gerade noch im letzten Augenblick auf die Navigationskonsole hatte stützen können, als wieder alles zu schlingern begann.
"Lassen Sie sich von mir nicht stören!"
"Ähm... Aber Sie stören mich!"
"Ach so." Green blieb ruckartig stehen und schien angestrengt nachzudenken. Er gab dem Navigator einen leichten Klaps auf die Schulter, daß dieser erschrocken zusammenzuckte, und meinte aufmunternd: "Machen Sie nur weiter, Lieutenant!", bevor er sich mit schlenkernden Armen zum Stuhl des Captains begab und sich abermals hineinfallen ließ. Immer wieder drehte er sich um und blickte zur Wissenschaftsempore und den dort fieberhaft arbeitenden Personen, als könne er sie mit seinem Blick zur Eile antreiben. "Wie lange dauert das denn noch, Commander?"
"Es läßt sich keine Vorhersage treffen, Doktor." Der Wissenschaftsoffizier blickte nicht von seiner Tastatur auf. "Alle bemühen sich so gut sie es vermögen."
Thomas Green hatte den Tonfall in der Stimme des Commanders verstanden. Er würde die anderen ungestört arbeiten lassen und sich so unauffällig wie möglich machen, um sie nicht abzulenken.
Simsk war zwar voll auf seine Aufgabe konzentriert, trotzdem bemühte er sich, eine Bestandsaufnahme seines eigenen Befindens zu machen, nun, da erst einmal nicht mit Ablenkungen von seiten anderer Personen zu rechnen war. Er war ein wenig besorgt, da er mittlerweile, neben Commander Green, der ranghöchste Offizier auf der Brücke war. Captain Shaaryia wurde irgendwo als Geisel festgehalten – auf dessen eigenen Vorschlag hin. Commander Loomis hatte sich bemüßigt gefühlt, ihn auf eigene Faust suchen zu gehen. Und den jungen Lieutenant Eriksson hatte es ebenfalls nicht auf seinem Posten gehalten. Offenbar war der Vulkanier hier der einzige, der sich der Verantwortung stellte, die Friendship zu kommandieren, soweit dies innerhalb der Turbulenzen und mit den Gegenmeuterern im Maschinenraum überhaupt einen Sinn hatte. Er war der Ansicht, daß sich jedoch zumindest der Temerite nicht zu unüberlegten und vorschnellen Handlungen hinreißen lassen würde, der dem Ersten Offizier sogleich gefolgt war, als man dessen Abwesenheit bemerkt hatte. Simsk hatte seit Ob’chs Ankunft auf dem Schiff beobachten können, daß sich der Homide zwar nicht an die Regeln hielt, die einem Offizier der Alpha-Allianz und der Sternenflotte auf der Akademie beigebracht wurden, und daß er sich auch nicht so einfach einordnen ließ, aber dennoch hatte er bisher einen durchaus bedachten Eindruck erweckt. Er würde, dachte sich der Vulkanier, zumindest nichts zu tun, was Captain Shaaryia direkt gefährden würde. Simsk hoffte, daß er in dieser Hinsicht auch Einfluß auf die beiden jungen Menschen nehmen könnte.
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