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"Ich wollte mich nur mal ein wenig mit Ihnen unterhalten."
"Wie? Was wollen Sie???" Die Stimme der jungen Chefingenieurin klang erstaunt bis entrüstet, schließlich hatte sie – wie immer – einen nahezu unüberwindbar hohen Berg an Arbeit vor sich. Und da wollte der Doktor sich nur mal "ein wenig" unterhalten. Alex Mitchell hätte am liebsten aufgeschrien, dann aber mußte sie daran denken, daß zwischen dem Arzt und ihr seit ihrer unfreiwilligen Außenmission ein besonderes Verhältnis bestand. Daher mäßigte sie ihre Erregung und sprach betont ruhig weiter. "Es tut mir leid, Doc, aber dafür habe ich im Moment wirklich keine Zeit."
"Das sagen Sie immer, Alex."
"Doc, ich kann wirklich nicht." Um ihre nun wieder etwas abweisend und leicht genervt klingende Antwort ein wenig abzumildern, ergänzte sie erklärend: "Ich kriege die ganze Zeit irgendwelche Schadensmeldungen hinein. Lauter mehr oder minder wichtige Systeme fallen ohne ersichtlichen Grund für kurze Zeit aus oder funktionieren nicht mehr richtig. Sie haben davon wohl nichts mitbekommen?"
Green schüttelte automatisch den Kopf, bevor er sich erinnerte, daß die junge Frau ihn ja gar nicht sehen konnte. "Nein, Alex. Hier ist, wie es scheint, alles in Ordnung. Was machen Sie denn im Moment?", fragte er neugierig. Er ließ sich eben nicht so schnell entmutigen.
"Doc! Ich kann jetzt wirklich nicht! Wenn Sie keinen Defekt oder Fehlfunktionen zu melden haben, dann lassen Sie mich bitte meine Arbeit erledigen!"
"Sie sind doch immer am Arbeiten! Ich will doch nur..."
"Dr. Green, ich kann jetzt kein Schwätzchen mit Ihnen halten!" Alex‘ Stimme klang mittlerweile immer gereizter. "Sie stören mich. Mitchell Ende." Sie unterbrach die Verbindung.
Green blieb der Mund offen stehen. Das war doch allerhand! Zuerst wollte er sich wieder bei dem Chief melden und sie heftig zurechtweisen, doch dann rief er sich ihr Gespräch in Erinnerung: Alex Mitchell hatte sich eigentlich weniger beschäftigt als vielmehr überreizt angehört. Möglicherweise...
Er stellte die Verbindung wieder her. "Lieutenant Mitchell, das da hat ja nicht sein müssen!", kommentierte er ihre abrupte Unterbrechung der Kom-Verbindung. "Wie lange haben Sie schon nicht mehr geschlafen?", fragte er sie anschließend, bemüht, seinen besten Oberarzt-Tonfall herauszukehren.
Ein lautes Seufzen war zu hören. "Doc, jetzt behelligen Sie mich nicht auch noch damit! Das steht jetzt gar nicht zur Debatte!"
"Wie lange ist es her?", wiederholte er hartnäckig.
"Ich weiß es nicht."
"Wenn Sie sich noch nicht einmal mehr daran erinnern können, ist es eindeutig zu lange her." Der Doktor mußte schmunzeln. Das war eine Musterantwort wie aus einem medizinischen Lehrbuch gewesen! "Ich gebe Ihnen den ärztlichen Rat, Ihren Dienst zu beenden, sich in Ihr Quartier zu begeben und für mindestens zehn Stunden zu schlafen."
"Ich kann jetzt nicht!", protestierte Alex störrisch.
Green kratzte sich an der Nase und schüttelte den Kopf. ‚So etwas!‘ Wie sollte man einen Patienten behandeln, der sich nicht behandeln lassen wollte? Dann fiel ihm noch eine Möglichkeit ein. "Nun gut, Lieutenant Mitchell", er betonte ihren Rang merklich, "dann gebe ich Ihnen als Commander und leitender Mediziner hiermit den Befehl, meinen ärztlichen Rat zu befolgen! Sie sind bis heute mittag vom Dienst freigestellt. Ich erwarte, daß Sie diesem Befehl unverzüglich nachkommen. Green Ende!", beendete er nun seinerseits das Gespräch, bevor Alex Mitchell noch etwas einwenden konnte.
Anschließend ging der Chefarzt in den Behandlungsraum, um sich mit ein wenig mit Desim zu unterhalten und sich dadurch von diesem wenig erfreulichen Gespräch abzulenken. Gleichzeitig hoffte er, daß ihn er Holo-Doktor mal ausnahmsweise unbehelligt lassen würde.
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