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The Lost Mission


"Turbulenzen"

von Katja Mallok, Volker Simshäuser

Teaser


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Trotzdem – eigentlich waren diese Überlegungen für den Kommandanten des Schiffes im Moment eher zweitrangig. Denn immer wieder drehten sich die Gedanken Shaaryias um Turvek, um seine Taten, um Motive, die diese in irgendeiner Weise rechtfertigen könnten – obwohl Shaaryia sich auch nicht eines vorstellen konnte, das dazu imstande wäre.
Als der Captain zum wiederholten Mal an seinem Bücherregal vorbeiwanderte, blieb er davor stehen. Er brauchte jetzt dringend eine Ablenkung, etwas, das seine Gedanken gefangen hielt und ihm gleichzeitig zum Schlaf verhalf. Er besah sich aufmerksam die verschiedenen Buchrücken der auf Papier geschriebenen, gedruckten Ausgaben, die er so sehr liebte. Schon beinahe zärtlich fuhr er mit dem Finger den Titel eines kostbaren, in Leder gebunden Buches nach – ja, dieses war jetzt genau das Richtige: Alexandre Dumas‘ "Die drei Musketiere". Nicht besonders anspruchsvoll, aber immer wieder fesselnd. Und da Shaaryia die Geschichte fast auswendig konnte, konnte er vielleicht auch bald einschlafen.
Er nahm das Buch aus dem Regal und ging damit wieder zum Bett. Er würde jetzt zu gerne ein Glas Tholian-Wein dazu trinken. Aber darauf mußte er ja wohl dank Enola Wheema verzichten, die ihm seinen ganzen Vorrat weggenommen und im Kasino unter der "Aufsicht" von Lt. Nectorus deponiert hatte. Ein wenig grimmig dachte er an die Counselor, die ihn auf diese Weise vom Trinken abhalten wollte. Er mußte sich zwar eingestehen, daß sie vielleicht sogar nicht ganz verkehrt daran getan hatte, aber trotzdem... Schließlich war er immer noch der Captain! Er hatte zwar ein Versteck in seinem Bereitschaftsraum, aber er konnte wohl schlecht jetzt mitten in der Nacht den Bereitschaftsraum aufsuchen und mit einer Flasche wieder hinausgehen. Und seinen kleinen "Notvorrat", der im Regal gestanden hatte, hatte er beinahe ausgetrunken.
Dann hellte sich sein Gesicht wieder auf: Ihm war gerade etwas eingefallen. Mit einem Lächeln, das eine gewisse Genugtuung nicht verbergen konnte, ging er wieder zurück zum Regal und nahm einige weitere Bücher hinaus, bevor er mit einer Hand in die entstandene Lücke griff und nach etwas suchte.
"Ha!", rief er, als er es gefunden hatte: Eine Flasche besten Tholian-Weines aus einem Versteck, das er seit ewigen Zeiten immer hinter seinen Büchern einrichtete, genauer gesagt, seit ihm während seines Wirtschaftsstudiums in St. Petersburg der Dekan eines Tages seinen tragbaren Mini-Transporter aus einem anderen Versteck konfisziert hatte. Wie alle Studenten zu jener Zeit hatte er damit den Professoren so manchen Streich gespielt. Hinter den Büchern hatte jedoch nie jemand nachgeschaut...
Mit einer gewissen Befriedigung dachte Shaaryia: ‚Na also! Man kann also doch etwas vor Betazoiden verbergen!‘, während er sich ein Glas Wein einschenkte, die Flasche und die Bücher zurück an ihren Platz stellte und wieder zu seinem Bett hinüberging.
Nachdem er das Glas auf dem Nachttisch abgesetzt hatte, aktivierte er das Leselicht über seinem Bett. Doch es blieb dunkel. Shaaryia stutzte einen Moment. "Computer! Warum funktioniert das Leselicht nicht?"
"Ursache unbekannt."
Der Halbromulaner hob die Schultern, murmelte leichthin: "Na, dann eben nicht...", wies dann den Computer an, die Zimmerbeleuchtung insgesamt zu verstärken – was auch anstandslos funktionierte – und dachte nicht weiter über diesen Defekt nach. Auf diesem Schiff fiel des öfteren mal etwas ohne ersichtlichen Grund aus; solange es nur ein Licht war...

In den Arrestzellen der Hauptsicherheitsstation kamen die Insassen ebenfalls nicht zur Ruhe. Eine ziemlich heftige Diskussion war im Gange, in der Angst, Trotz, Mißtrauen und sogar Haß mitschwangen.
Der Ingenieur Aranxes sagte gerade: "Ich kann nicht nachvollziehen, wie Sie", er wies dabei auf drei Vulkanier mit den blauen Umrandungen der medizinischen Abteilung, "so ruhig sein können! Sie müssen doch zugeben, daß wir hier alle immer noch in großer Gefahr sind! Ich begreife nicht, warum wir so weggesperrt werden, wo wir uns noch nicht einmal verteidigen können. Und das, obwohl wir uns eigentlich nur strikt an die Befehlskette gehalten haben."

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