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The Lost Mission


"Die Ehre des Kopfjägers"

von Katja Mallok, Volker Simshäuser

Kapitel eins


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etwa sechs Stunden später
Das Shuttle bewegte sich geräuschlos durch den Orbit. Aus der Ferne betrachtet wirkte es wie ein Stern, der verloren durch die Tiefen des Alls trieb.
Der Mann, der das Raumschiff kontrollierte, hatte jedoch eine genaue Vorstellung von dem Ziel, daß er ansteuerte. Der Kopfjäger Ob’ch, zugehörig zu einer Kultur, die sich als Temeriten bezeichnete, wollte nach Tholus. Sein rechtes Auge hatte er vor Jahren im Kampf verloren, doch das ihm noch verbliebene reichte aus, um die Daten vor seinem Kontrollschirm zu erfassen und gleichzeitig zu seiner Begleiterin, der Betazoidin Enola Wheema, hinüberzublicken.
‚Oh nein, er verstand die Personen, zu denen er gelangt war, immer noch nicht richtig.‘ Ob’ch glaubte nicht an Zufälle. Seine gesamte Rasse tat das nicht, es mußte einen Sinn haben, daß er an Bord der Friendship gelangt war und nun mit einem Shuttle, kleiner als sein eigenes zerstörtes Schiff, im All trieb und den Kurs auf einen seiner Heimatplaneten anvisierte, mit dem Ziel Vorräte für die Besatzung des ehemaligen Allianzflottenschiffs aus dem Alpha-Quadranten, von dessen Mächten er schon einiges gehört hatte, zu beschaffen.
Er schuldete diesen Leuten nichts, daß wußte er. Nur Captain Shaaryia, dem er seine Dienste angeboten, und die dieser zwangsläufig hatte annehmen müssen, war er verpflichtet, bei Bedarf auch mit dem eigenen Leben. Trotzdem verstand er nicht, warum Enola Wheema die Erlaubnis hatte ihn zu begleiten. Frauen waren nicht hilfreich auf wichtige Missionen, nicht bei seinem Volk, wo nur wenige Weibliche den Status eines Jägers hatten. Der Temerite unterstützte jedoch diese Ansicht nicht wegen der alten Bräuche und Sitten, er überlegte nur praktisch: Er kannte die Angehörigen seines Volkes und hatte in der Zeit auf der Friendship die Besatzung kennengelernt. Eine Mannschaft, die selbst von den besten Männern her, nicht geeignet genug schien, sich mit einem gut ausgebildeten Kopfjäger zu messen. Was sollte da also erst eine Frau ausrichten können? Ob’ch wußte, daß sie eine Telephatin war. Ein Wesen also, dem es als Gabe zu eigen war, die Gedanken anderer erfühlen und lesen zu können, und sie damit auch zu manipulieren. Er fragte sich, wie mächtig ihre Fähigkeiten wohl ausgeprägt sein sollten. Als Temerite hatte er selbst im Kindesalter ähnliche Psi-Kräfte besessen, die jedoch wie bei allen Angehörigen seiner Rasse verkümmerten. Die Ausbildung eines Kopfjägers lag vordergründig nur in Kraft, Ausdauer, Gewandtheit und perfekter Technik – eben perfekt, um zu töten, um gegen Jem’Hadar, Hatari oder andere Stämme wie den der Leoniden zu bestehen und zu überleben. Die telephatischen Kräfte erloschen also durch die geringe Schulung bedingt relativ schnell. Zurück blieb nur etwas, daß man als Instinkt oder hervorragende Charakterkenntnis deuten konnte. Daher auch schätzte er Enola als recht harmlos für sich ein. Und dennoch mußte er sich eingestehen, daß er es trotz aller Zurückhaltung gegenüber dem Captain als eine mißtrauische Reaktion empfand, daß er eine Begleiterin erhalten hatte. Er betrachtete Enola. Eigentlich gefiel sie ihm in ihrem Auftreten, wenn er sie auch bisher die meiste Zeit an Bord ignoriert hatte. Jetzt zählte jedoch vorrangig seine Mission und nicht ein Gedanke an seine Begleiterin. Wenn sie zurückbleiben sollte bei diesem Einsatz, war das ihr eigenes Pech... Die Stimme der Counselor riß Ob’ch abrupt aus seinen Gedanken.
"Sie sind so schweigsam. Woran denken Sie?"
"Weißt du es nicht schon? Ich denke, du kannst Gedanken lesen wie die Wörter in einem Buch."
Enola schüttelte lächelnd den Kopf. "Ich kann mich beherrschen. In deinen intimen Bereichen habe ich nichts verloren. Trotzdem wäre es natürlich reizvoll, wenn du mich schon so fragst."

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