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Am Morgen danach
Shaaryia betrat den Maschinenraum. Auch hier herrschte, wie auf der Brücke, regeste Betriebsamkeit. Mitchell und ihre Ingenieure versuchten, Simsk so viel Hilfe wie möglich zu geben oder ihm vielleicht sogar ein wenig Arbeit abzunehmen. Aber letzten Endes blieb das Problem des Schiffes doch eines der Computer, und die Computerspezialisten aus der technischen Abteilung waren auf die Decks 5 und 6 abkommandiert worden, wo der Hauptcomputer des Schiffes installiert, und ein direkter und schnellster Zugriff auf die Daten gewährleistet war. Der Captain sah, daß Mitchell sich im Büro des Chefingenieurs befand und betrat den Raum.
Die junge Frau warf einen flüchtigen Blick zur Tür und sah dann wieder auf die Anzeigen ihres Tischmonitors, nur um erneut aufzublicken, so als würde sie erst jetzt den Captain bemerken. "Oh! Guten Morgen, Captain! Setzen Sie sich doch."
Dieser Aufforderung kam Shaaryia gerne nach und nahm auf einem Stuhl vor dem Tisch Mitchells Platz.
"Was führt Sie hier ‘runter, Sir?", fragte die Ingenieurin kollegial, nur das nachgeschobene "Sir" wies auf ihren Rangunterschied hin.
"Sondierungen, Lieutenant, Sondierungen..."
Mitchell zog skeptisch die Brauen zusammen, erwiderte aber nichts.
"Wie läuft es denn so hier unten?"
"Was meinen Sie genau? Wie es läuft oder wie die Stimmung ist?"
Shaaryia sah Mitchell überrascht an. Er fühlte sich ertappt. "Beides.", gab er zu.
Die Ingenieurin lächelte den Captain augenzwinkernd an. "Wie Sie sehen, sind wir am Arbeiten, mehr gibt es zu beidem nicht zu sagen. Wir haben nicht großartig Gelegenheit, uns Gedanken zu machen. Die Zeit dafür ist ja wohl schon vorüber!" Mitchell beugte sich wieder über ihren Computer.
"So, würde ich das nicht sehen, Lieutenant. Immerhin könnten wir ja noch..."
"Was?", fiel die Ingenieurin dem Captain ins Wort. "Uns dem Dominion ergeben und hoffen, daß die uns dann "unseren" Leuten ausliefern, damit die wiederum uns für Insubordination den Prozeß machen können?! Nein, Captain, in dem Moment, als es uns gelungen war, durch das Wurmloch in den Gamma-Quadranten zu entkommen, war die Entscheidung bereits gefallen. Die Frage war nur noch, wer mithelfen würde und wer - ja! - zu feige dazu ist!"
Shaaryia mußte schmunzeln. "Naja, ganz so drastisch würde ich das nicht ausdrücken. Und was die Übergabe an die Allianz betrifft: Wenn die Kommandooffiziere, vor allem ich, für ihre Entscheidung einstehen würden, geschähe dem Hauptteil der Crew nur sehr wenig. Natürlich würden dann einige Karrieren nicht so steil weiter verlaufen, wie sie begonnen haben, aber die Leute würden leben... zu Hause und bei ihren Lieben!"
Mitchell zuckte die Schultern. "Falls uns das Dominion übergibt!"
"Natürlich, falls... Aber es ist durchaus eine Option..." Der Captain dachte einen Moment lang nach. "Eine Wahl, die eigentlich jeder für sich selbst treffen sollte." Shaaryia nickte lächelnd. "Danke, Lieutenant, Sie haben mir sehr geholfen!" Damit machte der Captain auf dem Absatz kehrt und verließ Mitchells Büro.
Die schüttelte nur den Kopf und murmelte. "Ja, danke für gar nichts..."
Aber das hörte Shaaryia nicht mehr, der sich jetzt auf dem Weg zu seinem Bereitschaftsraum befand, von wo er beabsichtigte, eine Art Volksentscheid anzuberaumen. Ja, er würde Teams bilden lassen, die die Zustimmung oder Mißbilligung der Crew überprüfen sollten. Und dann würde er entscheiden, was zu tun sei.
Alex Mitchell hingegen setzte sich wieder in ihren Stuhl und überlegte kurz, ob es wirklich so einfach war, wie sie es dem Captain gegenüber dargestellt hatte. Ihre Gedanken fielen auf ihre Schwester und sie wußte, daß es nicht so war, auch wenn ihr keine andere Alternative als zu ihrem jetzigen Verhalten einfallen wollte.
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