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The Lost Mission


"Die Entscheidung, Teil 2"

von Katja Mallok, Volker Simshäuser

Kapitel Sieben


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Persönliches Logbuch des Captains, Standardzeit 160318: 1719, Erster Logbucheintrag:
Ich habe mich mit meinem Schicksal abgefunden. Auch wenn ich zunächst nicht offiziell arrestiert worden bin, stehe ich in meinem Quartier unter Bewachung. Ich vertreibe mir die Zeit mit dem Lesen von Gedichten. Meine Zeit hier scheint abgelaufen. Hoffentlich nicht die derjenigen, die mich unterstützt haben.

Shaaryia saß in seinem Quartier. Er hatte die Uniformjacke ausgezogen und sein Hemd ein wenig geöffnet, es sich dann auf der Couch bequem gemacht und die Beine auf den Tisch vor ihm gelegt, der mit Gedichtpadds bedeckt war, und auf dem ein Glas und eine große Karaffe mit Tholian-Wein stand, die nur noch halb voll war. Für einen kurzen Moment dachte er bei sich: ‚Ich sollte nicht so viel trinken!‘, aber dann kam ihm zu Bewußtsein, daß diese Tatsache neben seinen anderen Problemen wirklich nur eine lächerliche Nebensächlichkeit war, über die er sich nicht auch noch den Kopf zu zerbrechen brauchte. Ihm gingen einige Gedichtzeilen nicht aus dem Sinn: "...Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los..." Ihm fiel aber beim besten Willen nicht mehr ein, von wem dieses Gedicht stammte, und wie es hieß. Aus diesem Grund wies er den Computer an: "Computer, bitte die folgenden Gedichtzeilen suchen und identifizieren: '...Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los...'!"
Der Computer suchte in den Bibliotheksdateien des Schiffes und gab dann die Information: "Das gesuchte Zitat stammt aus dem Gedicht "Der Zauberlehrling" von Johann Wolfgang von Goethe, 18. Jahrhundert, Erde. Wünschen Sie weitere Informationen?"
"Nicht nötig, danke." Jetzt fiel ihm auch wieder ein, daß er sich eine Zeitlang intensiv mit dieser Epoche der irdischen Lyrik beschäftigt hatte. Er kratzte sich den Bart und schenkte sich noch ein Glas aus der Karaffe ein. Nachdem er einen großen Schluck getrunken hatte, gab er einen tiefen, resignierten Seufzer von sich. Hätte er doch bloß weiter einfach nur seinen Job gemacht, so, wie er ihn anfangs aufgefaßt hatte: Als Transportauftrag! Was mußte er auch plötzlich die Verantwortung für die Mission übernehmen wollen; das wurde doch gar nicht von ihm erwartet! Wahrscheinlich hatte man ihn gerade aus diesem Grund als Captain für diese Mission ausgewählt! Weil man von ihm wußte, daß er noch nie für irgend etwas die Verantwortung übernommen hatte, weil er noch nie etwas auf eigene Faust entschieden und dann auch für die Folgen dieser Entscheidung eingestanden war. Man hatte jemanden gesucht, der Admiral Malik nicht widersprechen oder sich ihr gar widersetzen würde, der sie gewähren lassen würde; und dieser jemand hatte er sein sollen. Und er hatte dummerweise nicht mitgespielt in diesem Spiel! Für einen Moment kam ihm der Gedanke, daß er doch gerne wissen würde, wer "man" eigentlich war, der ihn wie eine Schachfigur auf die Friendship gesetzt hatte, und warum man ihm keine klare Order in Hinsicht auf seine Machtbefugnisse gegeben hatte. Dann hätte er sich doch im Hintergrund gehalten und Admiral Malik handeln lassen! Er hätte sich wirklich nur auf den "Transport" konzentriert, statt den Helden zu spielen. So hätte man den Frieden mit dem Dominion vielleicht auch billiger haben können!
Aber dann sagte er sich: "Das ist ja jetzt sowieso alles egal. Einmal habe ich etwas riskiert - und damit völlig daneben gelegen. Ich habe ausgespielt. Mit den Hintergründen dieser Mission muß ich mich jetzt ja nun nicht auch noch belasten!"
Er hatte allerdings auch keine große Lust, sich auszumalen, was bei einem Prozeß wegen Meuterei oder Hochverrat oder auch nur Befehlsverweigerung auf ihn zukommen würde und mit welchem Urteil er zu rechnen hätte: Eine Gefängnisstrafe? Rura Penthe? Der Tod?

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