|
Nach einer gescheiterten Ausbildung zum Wirtschaftsingenieur war er auf die Akademie gegangen. Nicht seinem kaum vorhandenen Talent und der mangelnden Begeisterung, sondern den Beziehungen seiner Mutter hatte er es zu verdanken, daß er die Akademie durchlaufen und schließlich das Offizierspatent bekommen hatte. Den großen Verlusten und Opfern des langen Krieges wiederum hatte er schließlich seine schnelle Karriere zum Captain hin zu verdanken. Aber aus eigenem Antrieb und Können, so schoß es ihm durch den Kopf, hatte er noch nie etwas Großes vollbracht oder geleistet. Vielleicht war diese Beförderung ja seine Chance, ein Wink des Schicksals oder der göttlichen Kraft des Universums, an die er zwar nicht fest, aber doch ein wenig glaubte. Andererseits könnte dies aber auch das Ende seines "glorreichen" Lebens sein, denn wer könnte ihm schon garantieren, daß es wirklich Frieden geben würde. Wer würde schon die Vertrauenswürdigkeit des Dominion beschwören wollen? Er jedenfalls nicht. Oft waren ihm Gedanken gekommen, ob nicht der Beitritt zum Dominion vielen Bewohner des Quadranten das Leben gerettete hätte, oft waren die Entscheidungen der befehlshabenden Admiräle und Kommandanten alles andere als durchdacht und, nicht nur seiner Meinung nach, wenig erfolgreich gewesen. Aber nun nach sechzehn Jahren Krieg einem solchen Frieden, der mehr einer Kapitulation gleichkam, zustimmen?! Nun, das mußte er, Gott sei Dank, nicht entscheiden. Er kommandierte ja nur das "Transport"schiff der Verhandlungsflotte. Oder mußte er es gerade deswegen doch...?
An der Tür bat jemand um Einlaß. Auf Shaaryias Gewähr hin trat ein junger, lockenbehaarter Mann ein. Die Rangabzeichen eines Junior Lieutenants glänzten auf der ansonsten schwarzen Uniform und zeigten den Stolz, den dieser Junge für seine Uniform empfinden mußte. Es war Jörn Eriksson, ein junger Brückenoffizier von Shaaryias, nun ehemaligem, Schiff. Mit einigen anderen Logistikern und unteren Mannschaftsgraden war er von der West India zusammen mit Shaaryia zur Friendship versetzt worden. Ganz im Gegensatz zu seinem Captain hatte Jörn diese Beförderung vom Ensign zum Junioroffizier als eine große Ehre empfunden. Zumal sie ja noch die Versetzung auf das vielleicht beste Schiff der Erdgeschichte bedeutete. Jörn Eriksson, Sohn eines Sternenflottenadmirals, war stolz auf diese Auszeichnung und neugierig auf seine neue Arbeit als Kommunikationsoffizier. Noch neugieriger war er aber darauf, wie sein bisheriger Vorgesetzter, Hagro Shaaryia, seinen neuen Posten aufnehmen würde.
"Sir, bald sind wir am Ende unserer Reise angelangt. Ich freue mich schon auf mein neues Quartier. Es soll noch geräumiger sein als dieses hier. Es ist auf Deck 12, Sektion II, Raum 21, direkt neben den Holosuites. Ich hab‘ vielleicht ein Glück... Verzeihung, Captain, ich will Sie ja nicht mit meinen Privatangelegenheiten belangen. Ich wollte Ihnen nur sagen, daß Commander Tobvolak Ihnen mitteilen läßt, daß man für Sie in der Messe noch einen kleinen Abschiedstrunk vorbereitet hat. Wenn Sie also wollen, würden wir uns sehr freuen, Sie nachher dort begrüßen zu können." Eriksson strahlte den Captain an, als ob er ihn soeben zum Präsidenten der Allianz ernannt hätte.
Shaaryia empfand durchaus so etwas wie Zuneigung zu diesem jungen Mann, dessen erster befehlshabender Offizier er gewesen war. Und es war auch nicht zu verhehlen, daß Eriksson zu den besseren Offizieren seines Schiffes gehört hatte. Er war ein Allroundtalent – egal ob im taktischen Bereich, bei der Steuerung oder in der Operationsabteilung, dieser Junge konnte alle Aufgaben erfüllen, die man ihm übertrug. Wäre doch auch er, Hagro Shaaryia, so stolz auf seine Uniform und auf sein, vielleicht doch vorhandenes, Können, dann wäre es ihm jetzt auch möglich, sich auf dieses monströse neue Schiff zu freuen.
|