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Im Laufe des gleichen Tages
Das Shuttle Calvin war im Vergleich zu den meisten Frachtern, die Captain Hagro Shaaryia bisher kommandiert hatte, ein Schiff voller Luxus. Neben einem geräumigen Schlafzimmer hatte es ein großes Bad und einen Wohnraum, alles in allem ein Quartier, das für einen Frachterkapitän schon fast unangemessen anmutete. Doch Hagro Shaaryia, bis vor wenigen Tagen noch Kommandant einer Frachterflotte der Versorgungsmarine, genoß seine plötzliche Beförderung und die damit einhergehenden Vergütungen.
Seit er, der Sohn eines romulanischen Militäradjutanten und einer menschlichen Föderationsdiplomatin, in der Sternenflotte und, seit dem großen Krieg gegen das Dominion, bei den Alliierten Streitkräften gedient hatte, waren seine Gefühle noch nie so zwiespältig gewesen. Vor noch nicht einmal einer Woche hatte er noch eine der geruhsamsten Arbeiten in dieser Flotte verrichtet. Seine Arbeit, den gegenseitigen Handel mit der Tholian-Föderation zu koordinieren und zu überwachen, war selten mit Gefahren oder Kampfeinsätzen verbunden gewesen. Die Tholianer sicherten ihre Konvois meist so gut, daß die Allianz selten Kampfschiffe abstellen mußte, um die Versorgung mit Waffen, Rohstoffen, Textilien und dem äußerst beliebten Tholian-Wein zu gewährleisten. Auch hatte das Dominion seit den Erfahrungen mit der Netzwebetechnik der Tholianer, seit Jahrhunderten die gefürchtetste Waffe der Tholian-Föderation, einen gewissen Respekt, der auch Shaaryias Arbeit zugute kam, gegenüber diesem Volk gewonnen. Die Transporte waren daher eigentlich mehr Routine gewesen, lediglich zweimal hatten Shaaryia und sein Schiff, die A.S.S. West India, dem Dominion Widerstand leisten müssen, bis die Tholianer oder andere alliierte Kampfschiffe zur Rettung eingegriffen hatten.
"Sir, wir werden in circa drei Stunden Kontakt mit Erdstation McKinley haben. Ihr Gepäck und Ihre Privatsachen werden sofort zur Friendship überstellt werden. Sie sollen sich dann noch bei Commodore Reresch von der Verwaltung melden. Commander Tobvolak, Ende!"
Drei Stunden blieben ihm noch. Drei Stunden. Drei Stunden, sich mit diesem neuen Kommando anzufreunden. Er hatte sich wahrlich nicht um diese neue Aufgabe gerissen. Er war kein Mann, der an vorderster Front kämpfen wollte. Es war sein Job, Transporte zu organisieren – und dann dies: Das Kommando über das neue Flaggschiff einer hochgerüsteten Flotte, die Verantwortung, eine Reihe von Admirälen, Botschaftern und hochrangigen Beamten und Delegierten aller alliierter Welten zu dem historischen Treffen mit dem Dominion nach sechzehn Jahren Krieg zu bringen – und zwar wohlbehalten. Die Entscheidung, ihm diese schicksalhafte Aufgabe anzutragen, hatte er nicht nachvollziehen können, so oft er auch die Missionsanweisungen und die Begründung für seine Beförderung durchlas. Sicherlich hätte er Protest einlegen können, aber trotz aller Abscheu für diesen Krieg, die durch und durch militärische Struktur der Sternenflotte und überhaupt sein gänzlich ungewolltes und fehlgelaufenes Leben, hatte er doch noch den Funken Ehrgeiz, einmal eine Aufgabe, seinen Dienst, zu Ende zu führen. Er hatte sich geschworen, daß er diese Flotte sicher zum Treffpunkt mit dem Dominion bringen würde und auch wieder zurück, sofern dies ebenfalls in der Absicht des Dominion lag. Dann aber würde er seinen Dienst quittieren.
Warum er überhaupt einen Job im Weltraum angenommen hatte, noch dazu in dieser Flotte, konnte er beim besten Willen nicht begründen, schon gar nicht vor sich selbst. Vielleicht war es eine Art der Flucht vor der Intoleranz, den schiefen Blicken und dem überbordenden Verständnis der beiden Kulturen, zu denen er gehörte, gewesen. Auf der Erde hatte man sich schon in seiner Kindheit intensiv um ihn gekümmert, als Entschädigung für das Verhalten der Romulaner, die seinen Vater eingesperrt und entehrt hatten. Allerdings blieb er immer ein Außenseiter, seine Spitzohren hoben ihn bereits optisch von den anderen Kindern, die er kannte, ab. Und um nicht ständig mit den Vulkaniern verwechselt zu werden, hatte er sich schon mit den ersten Stoppeln einen Bart stehen lassen. Doch sein Leben hatte er nicht so gut in den Griff bekommen wie sein Aussehen.
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