|
Einige Stunden später
Benizaa Larys war dabei, ihre Arbeit als Journalistin zu verrichten. Sie hatte gerade einige Wissenschaftler in der Astrophysik interviewt, weil sie etwas über den Quadranten erfahren wollte, durch den sie nun in ihrer neu definierten Mission reisten. Zu ihrer großen Freude hatte sich Lieutenant Panopolous bereit erklärt, ihren "Führer" durch den Gamma-Quadranten zu spielen. Er hatte geduldig auf all ihre Fragen geantwortet. Als sie wissen wollte, wie weit man bisher bei der Suche nach den beiden verschwundenen Besatzungsmitgliedern war, hatte er allerdings nur bekümmert den Kopf schütteln und ihr mitteilen können, daß man mit den Langstreckensensoren bisher leider noch keine Spuren des Schiffes auf dem Planeten, auf dem es vermutlich abgestürzt war, gefunden hatte.
Um sich gegenseitig wieder aufzumuntern, hatten sie sich für den heutigen Abend in der Starlight Lounge zum Essen verabredet. Der junge Mann hatte versprochen, sich um die Tischreservierung zu kümmern.
Fröhlich vor sich hin summend eilte die Bajoranerin die Korridore entlang. Sie wollte jetzt in den Archiven der Friendship Material über diese Region des Weltalls sammeln. Alexis Panopolous hatte ihr einige Aufsätze und Lexikonartikel genannt, die ihr vielleicht weiterhelfen konnten.
Plötzlich eilte Claire Mitchell an ihr vorbei, offenbar war sie ebenfalls auf dem Weg in das Bibliotheksarchiv. Sie sah blaß aus.
‚Kein Wunder!‘, dachte die mitfühlende Bajoranerin bei sich. ‚Das arme Mädchen vermißt seine Schwester!‘ Larys hatte aus Gesprächen mit Enola erfahren, daß die Chefingenieurin Alex Mitchell quasi eine Mutterrolle für ihre jüngere Schwester eingenommen hatte. Claire kam daher nun sicherlich doppelt schwer mit dieser Ungewißheit über das Schicksal ihrer Schwester zurecht. Larys überlegte sich, ob sie mit ihr reden sollte. Zuerst schüttelte sie ablehnend den Kopf – Claire wollte in ihrer Situation bestimmt nicht von irgend jemandem auf ihren Gefühlszustand angesprochen werden, schon gar nicht von einer Fremden. Aber dann sagte sich die Bajoranerin: ‚Möglicherweise möchte sie aber doch darüber reden, vielleicht auch gerade mit jemandem, den sie nicht kennt. Und wenn nicht, dann weiß sie wenigstens, daß da jemand ist, an den sie sich wenden kann, wenn Sie möchte!‘ Larys sputete sich, um Claire einzuholen. Sie sah sie schließlich, als diese gerade im Begriff war, in das Archiv einzutreten.
"Miss Mitchell! Warten Sie bitte!"
Claire drehte sich mit einem fragenden Gesichtsausdruck um, um zu sehen, wer da jetzt etwas von ihr wollte. "Ja? Was möchten Sie?", fragte sie die Frau, von der sie nur wußte, daß sie eine Journalistin war. Zudem erkannte sie an den Rillen auf der Nase und dem Ohrring, den sie trug, daß sie Bajoranerin sein mußte. Die Tür des Archivs schloß sich mit einem leisen Zischen.
"Miss Mitchell, bitte verzeihen Sie mir, wenn ich sie störe. Mein Name ist Benizaa Larys. Ich wollte mich nur erkundigen, wie es Ihnen geht... Aber wenn Sie lieber nicht darüber sprechen möchten, habe ich dafür natürlich vollstes Verständnis."
Claire überlegte. Eigentlich wollte sie wirklich nicht darüber sprechen, aber Counselor Wheema hatte ihr klargemacht, daß sie sich nicht einem Schneckenhaus verkriechen konnte und sollte. Andere Menschen fühlten mit ihr, sie war nicht alleine, auch wenn Alex... Claire schluckte. Dann klammerte sie sich an die tröstenden und aufmunternden Worte der Betazoidin, die ihr so geholfen hatten und die ihr immer wieder durch den Kopf gingen.
Nach dem Gespräch mit der Counselor war Claire ins Kasino gegangen, wo sie einen Teller Salat verspeist hatte. Anschließend war sie, die ja einige Zeit vom Dienst freigestellt war, in die Turnhalle gegangen, die sich auf dem gleichen Deck befand, und hatte eine ganze Stunde lang mit einigen Leuten Parrises Squares gespielt. Aber sie hatte sich durch diese Hyperaktivität nicht von ihrem Kummer und ihrer Sorge um Alex ablenken können. Also hatte sie nun vorgehabt, in den Dateien des Schiffes nach irgendeinem wie auch immer gearteten Hinweis zu suchen, der vielleicht für die Suche nach den Vermißten von Nutzen sein könnte – auch wenn ihr natürlich klar war, daß das bereits kompetentere Leute als sie taten und sie nur wieder nach einer Ablenkung suchte. Aber wenigstens unternahm sie etwas. Sie dachte sich, daß Enola Wheema das ganz bestimmt als einen Fortschritt ansehen würde.
|