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Aber diese ungelösten Fragen waren nicht die eigentliche Ursache für Enolas Unbehagen; das spürte sie. Sie warf einen Blick auf ihr Gegenüber und versuchte sich ein Bild von ihr zu machen. Ihr war von vornherein klar gewesen, daß sie es schwer haben würde, durch die mentalen Schilde einer Vulkanierin zu dringen; Schilde, die sozusagen von Logik und Selbstdisziplin geradezu durchtränkt waren. Daher hatte sie sich bis jetzt auch nicht daran gestört, daß sie keine Gedanken oder Gefühle von ihr hatte empfangen können – sie hatte sich bis jetzt nun einmal nicht eigens darauf konzentriert. Das tat sie nun erst.
Sie tastete sich vorsichtig mit ihren empathischen "Fühlern" in Maliks Gedankenwelt hinein. Es war ein ganz merkwürdiges Gefühl. Sonst gab es für Enola immer eine klare Empfindung von Abgrenzung ihrer eigenen Gedanken von denen des anderen, ein Gefühl des Eintauchens in ein fremdes Bewußtsein und dann für das Vordringen in immer tiefere Schichten, je weiter sie sich vortastete. Aber jetzt war alles verschwommen. Die Betazoidin hatte den Eindruck, blind vorwärts zu tasten – eigentlich konnte sie noch nicht einmal die Richtung ihres Vordringens definieren. Doch sie gab so schnell nicht auf.
Plötzlich gab Enola ein leises Keuchen von sich und zuckte auf ihrem Sitz zurück.
"Counselor Wheema? Haben Sie etwas gesagt? Das muß meiner Aufmerksamkeit entgangen sein." Malik sah von ihrem Padd auf und blickte die Betazoidin gleichmütig an.
Enola konnte nur stumm den Kopf schütteln – sie war sich der Festigkeit ihrer Stimme nicht sicher. Sie war leichenblaß geworden und kleine Schweißperlen traten auf ihre Stirn. Ihr war, als hätte sie einen Schlag in die Magengrube bekommen. Sie hatte gar nicht gewußt, daß von telepathischen Vulkaniern ein derartiger... – sie wußte nicht, als was sie es bezeichnen sollte – ...ein derartiger "Rückstoß" als Abwehr gegen gedankliches Eindringen erzeugt werden konnte. Und dennoch war Malik immer noch ganz gelassen und ruhig. Mußten sich nicht wenigstens kleine Anzeichen dieses inneren Kampfes auch auf dem reglosen Gesicht einer Vulkanierin zeigen? Enola wußte einfach nicht, was sie davon halten sollte.
Sie versuchte es noch einmal – mit demselben Ergebnis. Die Betazoidin wischte sich mit etwas zittriger Hand über die Stirn, die sie in Anspannung und Ratlosigkeit gerunzelt hatte. ‚Das gibt es doch nicht!‘, dachte sie bei sich. Dann versuchte sie sich auf ihren Atem zu konzentrieren, um in dessen regelmäßigem Rhythmus wieder zu sich selbst zu finden.
Sie dachte über ein weiteres Rätsel nach, das Maliks Verhalten ihr aufgab: Klar, daß die Vulkanierin keine Neugier zeigen würde – aber sie mußte sie doch einmal fragen, was sie denn nun konkret bei ihr wollte oder warum sie bis jetzt noch nicht mit ihrem "Gespräch" angefangen hatte! Aber nein; sie beachtete sie gar nicht und blickte statt dessen scheinbar reglos auf ihre Padds und gab von Zeit zu Zeit etwas über die Tastatur oder mit dem Stift ein. Was konnte Malik – in ihrem Quartier unter Arrest gestellt und ohne die Möglichkeit, heimlich Verbindung zu Personen außerhalb oder innerhalb der Friendship aufzunehmen – schon wichtiges arbeiten, das sich nicht auch aufschieben ließe?
Ihr kam der Gedanke, daß auch Malik sich mit ihrem Gegenüber beschäftigte, daß sie versuchte, sie einzuordnen und einzuschätzen. Nun, das konnte sie ihr nicht verbieten. Trotzdem fühlte Enola sich auf einmal beobachtet, ja sogar seltsam bloß und schutzlos. Sie konnte jetzt besser verstehen, daß sich manche Personen in Gegenwart von Empathen und Telepathen oft nicht recht wohl fühlten. Ihr ging es jetzt genauso. Um ehrlich zu sein, fühlte sie sich seltsam müde und leer.
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