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The Lost Mission


"Das Fremde"

von Katja Mallok, Volker Simshäuser

Kapitel Zwei


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Am selben Tag

Als Enola den Arrestbereich betrat, in dem sich Admiral Maliks befand, hob die Vulkanierin nur kurz den Blick von dem Padd, welches sie las. Sie erweckte nicht den Anschein, allzu neugierig auf einen neuen Besucher zu sein, aber das war in Anbetracht ihrer Abstammung ja auch nicht anders zu erwarten gewesen. Dennoch begrüßte sie die Schiffscounselor mit einem freundlichen Nicken.
"Guten Tag, Admiral. Ich bin hierher gekommen, um mich mit Ihnen zu unterhalten."
Enola kam sich bei dieser Einführung etwas dumm vor. Sie hatte diese Begrüßung hervorgebracht, als ob sie sich rechtfertigen wollte. Außerdem wußte Malik ja sehr wohl, daß das mehr als lediglich ein Gespräch sein sollte – Enola war hierher gekommen, um Malik zu verhören, um sie auszuhorchen. Und da sich die Vulkanierin bisher nicht in die Karten schauen und kein Wort über ihre Motive hatte verlauten lassen und ja obendrein – sogar mehr oder weniger aus freien Stücken – Captain Shaaryia das Kommando überlassen hatte, weil der Großteil der Mannschaft ihr nicht ohne eine Erklärung gefolgt wäre, mußte es ihr klar sein, daß es eins von Shaaryias wichtigsten Zielen sein mußte, diese Informationen auf einem anderen Weg von ihr zu bekommen. Und dennoch stand die Counselor jetzt vor Malik wie eine Schülerin, die zur Lehrerin gerufen wurde, um ihr Zeugnis in Empfang zu nehmen. Sie fühlte sich schon jetzt in die Defensive gedrängt, obwohl die Vulkanierin bis jetzt noch kein einziges Wort gesagt und auch sonst keinerlei Reaktion jedweder bedrohlicher Art gezeigt hatte. Enola horchte in sich hinein, konnte aber einfach nicht den Grund für dieses Unwohlsein ermitteln.
"Captain Shaaryia ist ja sehr um Kommunikationsmöglichkeiten für mich besorgt.", sagte Malik mit ruhiger Stimme.
Enola konnte nicht feststellen, ob die Vulkanierin das ernsthaft oder ironisch meinte. Etwas irritiert von dieser Ungewißheit brachte sie nur ein "Äh, ja, sicher, das ist er..." heraus und verstummte dann. ‚Das fing ja gut an!‘ Enola konnte nur mühsam ein gequältes Ächzen unterdrücken.
"Bitte nehmen Sie doch Platz, Counselor Wheema." Der Admiral wies auf einen Stuhl, in der Ecke ihrer Zelle, die allerdings mehr wie ein Aufenthaltsraum wirkte. Malik nahm einen Stift und notierte etwas auf dem Padd, ehe sie weitersprach. "Aber ich muß Sie um einen Moment Geduld bitten: Die Erledigung meiner augenblicklichen Aufgabe muß Vorrang vor unserem Gespräch haben."
Enola setzte sich hin und bemühte sich verzweifelt darum, gelassen zu wirken. Warum kam sie sich schon wieder abgekanzelt vor? Sie wußte, daß der Captain es der Vulkanierin gestattet hatte, mehr an persönlichem Besitz in ihrer Zelle zu behalten, als vielleicht sonst üblich. Dennoch wirkte dieser letzte Satz des Admirals auf die Counselor so unpassend. daß sie für einen Moment das Gefühl hatte, ihre Selbstsicherheit zu verlieren. Da aber Malik den Eindruck erweckte, noch für eine ganze Weile beschäftigt zu sein, nahm Enola nun eine gründlichere Analyse ihrer eigenen Gedanken und Gefühle vor. Admiral Bodega hatte immer wieder betont, daß sich ein guter Psychologe erst selbst kennen und erkennen müsse, bevor er versuchen sollte, anderen Personen zu Erkenntnissen über sich selbst zu verhelfen.
Sie fühlte sich unwohl in der Gegenwart der Vulkanierin. Rein rational betrachtet gab es auch bestimmt genügend Gründe dafür: Maliks unkooperative Haltung, ihr Verhalten seit Beginn der Mission und ihr Schweigen, ihre Weigerung, auch nur ein Wort zur Erleuchtung der wahren Hintergründe für diese Mission beizutragen. Selbst jemand, der in der Politik und der Strategie der Allianz nur wenig bewandert war, mußte sich doch alleine schon fragen, warum und nach welchen Kriterien gerade diese Besatzung, besonders die Führungscrew, ausgewählt worden war. Enola hoffte, daß sie selbst ausschließlich aufgrund ihrer Qualifikationen und ihrer Qualitäten als Counselor für diesen Posten ausgesucht wurde und nicht aufgrund irgendwelcher anderer unlauterer und obskurer Motive...

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