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The Lost Mission


"Das Fremde"

von Katja Mallok, Volker Simshäuser

Kapitel Eins


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Am Morgen danach

In der Starlight Lounge herrschte für die frühe Zeit am Morgen reger Betrieb. Ein Grund dafür lag sicherlich in der Tatsache, daß immer wiederkehrende Energieausfälle auch die Replikatorsysteme in den Mannschafts- und Offizierquartieren in Mitleidenschaft gezogen hatten. So hatte auch Commander Simsk vergeblich versucht, einen speziellen vulkanischen Tee zu replizieren: Zunächst war gar nichts in dem Ausgabefach des Replikators erschienen, dann kam zwar der Tee, allerdings in völlig unangemessenen Temperaturen. Schließlich hatte der Vulkanier aufgegeben und sich entschieden, im Kasino den dortigen Betreiber, Mr. Nectorus, zu bitten, einen vulkanischen Pe’thala-Tee zuzubereiten. Nachdem Simsk die Lounge betreten hatte, ließ er seinen Blick durch das weiträumige Kasino schweifen. An der hinteren linken Ecke der langgezogenen Theke saß der Echsenhomide Ob’ch. Vor ihm stand ein Gefäß, aus dem der Echserich langsam und jeden Bissen genau beäugend klingonisches Gagh aß. Offenbar schien es ihm zu schmecken, denn gerade stellte einer der andorianischen Theker einen weiteren Becher mit dem Hauptgericht der klingonischen Kultur auf den Tisch. Der Commander wandte seinen Blick nun auf die Umgebung des Platzes von Ob’ch und stellte fest, daß nahezu alle im Raum anwesenden einen großen Bogen um den Temeriten machten. Selbst die Klingonen, die sich an den Tischen oder an der Theke des Kasinos aufhielten, achteten darauf, daß sie dem neuen Passagier der Friendship nicht allzu nahe kamen. Nur zwei Sicherheitsoffiziere hielten sich immer im Umfeld Ob’chs auf, aber auch sie in einem respektablen Abstand. Simsk hatte die Entscheidung des Captains, Ob’ch Zugang zu den meisten Bereichen des Schiffes zu gewähren, für richtig befunden. Nach allem, was er über den Temeriten wußte, schien sich dieser in einer Schuld gegenüber dem Captain zu sehen. Denn ganz offenbar glaubte er, daß er nicht mehr am Leben wäre, hätte ihn die Friendship unter dem Kommando Shaaryias nicht gerettet. Aus dieser Einstellung heraus, so war es für Simsk nur logisch, würde der Homide nichts machen, was die Sicherheit des Schiffes und damit Shaaryias gefährden würde. Allerdings, wie hatte der Captain einmal gesagt, Vorsicht war die Mutter der Porzellankiste. Es konnte nichts schaden, Ob’ch für einige Zeit unter Kontrolle der Sicherheit zu lassen. Seine Loyalität und Vertrauenswürdigkeit würden sich erst noch beweisen müssen.
Der Vulkanier beschloß, sich mit dem Homiden zu unterhalten, um sich ein genaueres Bild zu machen. Er ging in Richtung der Thekenecke, an der Ob’ch saß und bemerkte, wie die Blicke vieler sich in ihm wiederfanden. Es war ihm, als ob die Leute ihn wie einen Dompteur, der ein neues Dressurobjekt zu begutachten schien, verfolgten. "Guten Tag, Mr. Ob’ch! Ich habe mich Ihnen noch nicht persönlich vorgestellt. Ich bin Commander Simsk, der Zweite Offizier dieses Schiffes und der Leiter der wissenschaftlichen Abteilung."
Ob’ch guckte erstaunt mit seinem linken Auge auf und etwas Gagh glitt aus seinen Händen wieder in die Schale zurück. Der Kopfjäger hatte nicht erwartet, daß ihn jemand hier ansprechen würde. Er kannte sich zwar nicht sonderlich gut mit den ihn umgebenden Kulturen aus, aber er hatte in den Tagen, die er nun hier verbrachte, gemerkt, daß fast alle Crewmitglieder in seiner Person eine Bedrohung sahen. Er wußte nicht, ob das nun ausschließlich auf seine zahlreichen Waffen, die er mit sich führte, zurückzuführen war oder aber auf sein Äußeres. Um das herauszufinden, hatte er an diesem Tag nur zwei seiner fast ein Dutzend umfassenden Waffen mitgenommen. Trotzdem wurde er gemieden und weiterhin mit großen Augen von allen angestarrt. Am angenehmsten war es noch, wenn er Klingonen begegnete. Sie schauten zwar auch, aber, so kam es Ob’ch vor, wenigstens in einer ihn achtenden Art und Weise. Überhaupt waren es die Klingonen, die ihn bisher am meisten interessierten. In den Datenbänken des Schiffes, die man ihm zur Verfügung gestellt hatte, war einiges an Interessantem über dieses Volk zu lesen. Sie waren eine Kriegerrasse, mit einem Ehrenkodex, mutig und ihren stolzen Traditionen verhaftet. Auch einige ihrer Waffen ähnelten für Ob’ch seinem eigenen Handwerkszeug. Und ihre Speisen schließlich, zumindest Gagh und einige weitere Gerichte, die er gekostet hatte, schmeckten ihm gut. Alles in allem wünschte er, ein Klingone hätte ihn angesprochen. Denn auch wenn er über Vulkanier nicht allzu viel wußte, eines war ihm bereits klar geworden: Ihre Kultur war durchweg pazifistisch und damit das krasse Gegenteil zu seiner Lebensweise. Nichtsdestotrotz wollte er den Vulkanier, der ganz offenbar eine hohe Position nach Shaaryia einnahm, nicht abfällig behandeln. Ob’ch war zwar kein besonders geselliger Charakter, das konnte er auch nicht bei seiner Art und Weise zu leben, aber an Bord dieses fremden Schiffes verspürte er ab und zu das Bedürfnis, auch durch Gespräche etwas über diese andersartigen Kulturen zu erfahren.

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