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Kennedy


"Museumsstück"

von Andreas Drechsler

Kapitel 18


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Spencer, Hwang, Hellmann und Jara saßen am Tisch in der Offiziersmesse der Station und nahmen ihr Abendessen ein. Hwang und Hellmann berichteten, dass ihre ersten Versuche, den Unfall nachzustellen, nicht gerade ermutigend verlaufen waren und Berger sich weiter um eine Feinanpassung der Simulation bemühte.
"Und was haben Ihre Recherchen ergeben?", fragte Hwang interessiert, als sie bemerkte, dass Spencer das ganze Gespräch über abwesend wirkte und gleichgültig sein Essen mit dem Besteck bearbeitete.
"Eigentlich nicht viel", antwortete er mechanisch. "Jules Rogers auf Sternenbasis 43 hat mir Informationen über Moravcik besorgt und David Tennenbaum auf Antares wusste nur über Subraum-News von dem Vorfall. Er bedauert den Verlust seines Schachpartners Tinoc." Spencer erschrak selber wegen der ungewollt sarkastisch geratenen Äußerung, er schob es auf den Stress der letzten Tagen kombiniert mit Kaffee zu später Stunde.
"Moment." Fähnrich Jara, die die ganze Zeit geschwiegen hatte, zog ihre Stirn in Falten. "Im Shuttle heute, während der Abtastung des Systems, hatte ich genug Zeit, mir die Subraum-News anzuschauen. In ihrem ganzen Bericht haben sie nichts von Hernandez oder Tinoc erwähnt. Nur Sie wurden genannt, Captain, und Martin."
"Na und? Vielleicht haben Sie einen anderen Bericht gesehen als Tennenbaum auf Antares", spekulierte Spencer halbherzig zwischen zwei Schlucken Kaffee.
"Und wenn nicht?", fragte Hwang scharf. "Gerade auf Antares, da wo Martin herkommt, sollte man doch erwarten, dass da die Hölle los ist, nach solch einem Vorfall. Die sollten es doch als erstes wissen. Vielleicht ist da mehr im Busch?"
"Interessanter Gedanke... Dann werde ich dem mal auf den Grund gehen", beschloss Spencer, immer noch mit einer recht großen Portion Desinteresse in der Stimme. Er trank seinen Kaffee leer und verließ kommentarlos die Offiziersmesse.

Lemois saß zurückgelehnt und entspannt in ihrem Quartier und sah nachdenklich und auch verträumt aus dem Fenster. Im Hintergrund ertönten leise Klänge eines alten, bajoranischen Musikers, neben ihr stand ein Glas schillernden Gromaire-Saftes, zu drei Vierteln gefüllt. Meine ersten Tage als allein verantwortlicher Offizier an Bord habe ich mir immer anders vorgestellt, reflektierte sie.
Wie es jetzt wohl Spencer auf AL4 ergehen mochte? Hwang, DeFalco, Hellmann, Berger, Müller, Jara und Walker stammten alle noch aus der Crew von Spencers letztem Schiff, der Cousteau, und gingen dementsprechend locker und vertraut miteinander um, wenn sie gerade nicht im Dienst waren oder sogar selbst dann.
Bis auf M'Boya kannten sich dagegen alle verbliebenen höheren Offiziere an Bord der Kennedy dagegen erst seit Indienststellung des Schiffes, seit etwa zwei Monaten also, Lemois selbst eingeschlossen. Die relativ enge Bindung der Cousteau-Offiziere untereinander hatte in Lemois Augen einen nicht unbeträchtlichen Einfluss auf die bisher eher zögerliche Bildung eines Gemeinschaftsgefühls unter den Führungsoffizieren gehabt. In den letzten Tage jedoch hatten sich Karov, MacDonnell, Torrente und die anderen wesentlich offener den anderen gegenüber gezeigt, eine Entwicklung, die Lemois sehr positiv bewertete. Auch sonst war alles zu ihrer Zufriedenheit verlaufen, es hatte ihr sogar manchmal Spaß gemacht, das Kommando zu führen. Trotzdem fehlte ihr etwas, sie konnte es bisher aber nicht in Worte fassen. Nachdenklich ließ sie ihre Träume aus ihrer Jugend vor ihrem geistigen Auge vorbeiziehen, wie sie es sich immer vorgestellt hatte, einmal ein Schiff im tiefen Weltraum zu kommandieren und verglich diese Träume ernüchtert mit der Realität der letzten Tage. Sie war sich immer sicher gewesen, dass sie alles anders und vor allem besser machen würde und jetzt musste sie feststellen, dass sie um keinen Deut anders handelte als die anderen auch. Nachdenklich überlegte sie, wie sie dem abhelfen und ihre innovativen Ideen, die sie im Laufe ihrer bisherigen Offizierslaufbahn gesammelt hatte, effizienzsteigernd in die Praxis umsetzen könnte...

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