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Kennedy


"Museumsstück"

von Andreas Drechsler

Kapitel 15


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Logbuch des Shuttles Livingston, Sternzeit 21803.0, Lieutenant Rodriguez: [19.10.2344 21:33:07]
Wir nähern uns der Reflection, die Position im Epsilon Aurigae-System bezogen hat, um ihr den Gefangenen Ralph Leyton zu übergeben.
"Und wir haben schon wieder Energieschwankungen im Abschirmungsfeld", fügte Rodriguez im gleichen Tonfall hinzu, allerdings nachdem er die Aufzeichnung des Logbuchs beendet hatte. "Die Beremar-Strahlung beeinträchtigt bereits die Impulstriebwerke, die Kommunikation und die Kraftfelder. Sollen wir die Kennedy kontaktieren und um eine Lösung bitten? Mr. Johnson?"
"Ja... was?", stammelte Johnson, der während Rodriguez Aussage und auch schon vorher gedankenverloren aus dem Frontfenster gestarrt hatte.
"Aus welcher Galaxis sind Sie denn gerade gekommen?", wollte Rodriguez belustigt vom momentan verwirrt dreinblickenden Johnson wissen.
"Richtung 350,20 würde ich schätzen", antwortete er schlagfertig. "Worum ging es gerade? Ich war kurz in Gedanken."
Rodriguez unterdrückte die Bemerkung, dass es bei weitem nicht so ‚kurz‘ gewesen sei, sondern wiederholte das, was er vorhin gesagt hatte.
"Wir sollen doch Funkstille halten", wandte Johnson ein. "Und außerdem können wir die Probleme doch..."
Lautes Krachen und ein Zischen im Hintergrund unterbrachen ihn. Aus den Augenwinkeln nahm er ein gewaltiges Funkensprühen aus dem hinteren Teil des Shuttles wahr. Eilig checkte seine Anzeigen, doch Asenzi war schneller. "Das Sicherheitskraftfeld wurde überladen!", rief er. "Leyton ist frei!"
"Verdammt was...", brachte Rodriguez hervor, bevor ein plötzlicher Phaserstrahl aus dem hinteren Teil des Shuttles einen Teil der Steuerkonsole verschmorte und seine Stimme zum Verstummen brachte. Instinktiv warfen sich Rodriguez und Asenzi auf den Boden, der Pilot Johnson folgte ihnen nach einer Schrecksekunde. Alle drei zogen ihre Waffe.
Rodriguez rief: "Leyton! Seien Sie nicht verrückt. Sie haben keine Chance! Ergeben Sie sich und werfen Sie ihre..." Ein weiterer Phaserstrahl, der kurz neben Rodriguez auf dem Boden einschlug, brachte ihn zum Schweigen.
"Phaser auf schwere Betäubung, Feuer erwidern", brummte er schnell entschlossen. Beinahe gleichzeitig feuerte er einen Schuss in die ungefähre Richtung ab, aus der der letzte Schuss Leytons gekommen war.
"Sind Sie verrückt?", rief Johnson aufgeregt, der sich vergeblich bemühte, die Lautstärke auf das notwendige Minimum zu beschränken. "Sie können doch in einem Shuttle nicht einfach so durch die Gegend schießen! Wenn Sie nun eine Plasmaleitung treffen, oder..." Leyton feuerte wieder zwei Phaserstöße ab, der eine versengte die Rückenlehne des rechten Pilotensessels, der andere endete knapp unterhalb des vorderen Sichtfensters.
"Erzählen Sie das Leyton!", knurrte Rodriguez und feuerte wieder. Er gab Asenzi ein kompliziertes Zeichen, dann flüsterte er: "Johnson, Sie feuern jetzt fünf Phaserschüsse auf Stufe 1 in die linke Ecke."
Johnson nickte gehorsam, auch wenn er keine Ahnung hatte, worum es Rodriguez ging. Er justierte seinen Phaser und feuerte vorsichtig, in gleichmäßigen Abständen. Bereits bei seinem fünften Schuss robbten Rodriguez und Asenzi nach hinten und warfen sich danach in die Ecke im hinteren Teil des Shuttles, die Johnson gerade unter Feuer genommen hatte.
Aus seiner Sicht sah Johnson mehrere Phaserschüsse direkt hintereinander aufblitzen. Ein Phaserstrahl aus der rechten hinteren Ecke schoss quer in die Pilotenkabine und verschmorte einen weiteren Teil der Wandkonsolen, danach war ein unterdrückter Schrei zu hören.
"Wir haben ihn!", rief Rodriguez und kam zurück. Als er die Kabine wieder betrat, blieb ihm vor Schreck der Mund offen stehen. Erschrocken zeigte er mit ausgestrecktem Arm auf den Hauptschirm. Das Shuttle trieb langsam, aber stetig auf die immer größer werdende Reflection zu.

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