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Projektaufzeichnungen TDF-Projekt AL4, Sternzeit 21802.4 Commander Spencer: [19.10.2344 16:16:54]
Die Untersuchungen des Unfalls von Lieutenant Scott laufen auf Hochtouren. Wir haben noch etwa drei Tage Zeit, das Geheimnis um den Vorfall zu lüften. Die ersten Ergebnisse aller Teams sind als ermutigend zu bezeichnen.
Mit einem Tastendruck löschte Spencer die Dienstakte des Chefingenieurs der Station, Lieutenant Sanders, vom großen Bildschirm in seinem Quartier und schüttelte unwillkürlich den Kopf. Er hatte in den letzten Stunden nacheinander die offiziellen Akten über das leitende Stationspersonal sowie über die einzelnen Teammitglieder Martins in Ruhe durchgesehen. Das Bild, dass er über jeden einzelnen hatte, konnte zwar keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, reichte aber für eine Kurzcharakterisierung aus.
Commander Dimitri Moravcik war seit elf Jahren auf Stationsleiter auf AL4. Zuvor war er auf verschiedenen Basen entlang der klingonischen Neutralen Zone stationiert gewesen und hatte dort auch in recht zügigem Tempo seinen Weg auf der Karriereleiter nach oben gefunden. Auch konnte er eine beachtliche Zahl von Auszeichnungen aufweisen. Gleichzeitig mit seiner Beförderung zum Commander wurde er jedoch nach AL4 versetzt, was das abrupte Ende seiner bisherigen Karriere bedeutete, denn es war nicht wahrscheinlich, dass er jemals noch von AL4 würde wegkommen können. Über Gründen für die Versetzung war allerdings in der Akte nichts zu finden. Das etwas vorgefallen sein musste, war Spencer klar, denn so ohne weiteres würde ein Offizier von Moravciks Fähigkeiten nicht von einer strategisch wichtigen Basis am Rande des Föderationsgebietes auf eine völlig unbedeutende Testbasis im weiten Nirgendwo versetzt werden. Nach erfolgtem Transfer folgten noch drei, vier Versetzungsanträge auf andere Raumbasen oder auch Schiffe, die samt und sonders abgelehnt wurden. "Jetzt weiß ich auch, warum Moravcik immer so vor Freude geradezu sprüht", murmelte Spencer.
Der Erste Offizier der Basis, ein Andorianer namens Delish Morya im Range eines Lieutenant Commanders, war seit zwei Jahren auf AL4. Wie Spencer der Akte entnehmen konnte, war seine Beförderung an die Bedingung geknüpft, eine Versetzung nach AL4 zu akzeptieren. Die Tatsache, dass Morya in seiner Zeit auf AL4 mehrere Projekte aus Eigeninitiative gestartet hatte, zeigte, dass auch er bestrebt war, bald wieder von dort wegzukommen, und das mit weitaus größeren Erfolgschancen als Moravcik.
Die Informationen über den Chefingenieur, Ian Sanders, waren nicht minder interessant. Vor vier Jahren erhielt er seine Position auf AL4 nach einem Verfahren wegen eines Verdachts auf Spionage für die Cardassianer. Obwohl der Verdacht wegen Mangels an Beweisen nicht erhärtet werden konnte, blieb wohl doch eine Art bitterer Nachgeschmack und als Folge die Versetzung von der Gabriel Bell nach AL4.
Die Reihe des Sternenflottenpersonals abschließend hatte sich Spencer mit dem verunglückten Testpiloten Johnson Scott befasst. Hwang hatte auf einer Besprechung vor einigen Tagen auf der Kennedy angedeutet, dass Scott auf der Akademie zusammen mit ihr in der angesehenen Nova Squadron, einer Art Eliteeinheit der Kadetten, gedient hatte. ‚Einer der Besten‘, so hatte er noch ungefähr Hwangs Worte im Ohr. Die Frage, die sich ihm nun stellte, war, warum ein Pilot, von dem sogar Hwang, die für Spencer selbst zu den Besten gehörte, in solch hohen Tönen sprach, jetzt für ein relativ lausiges Projekt als Testpilot herhalten musste.
Eine mögliche Erklärung für Spencer, bevor er sich seine Akte zu Gemüte geführt hatte, war, dass er mit einer Art Geheimauftrag betraut war, um Martin auf den Zahn zu fühlen, doch er musste diesen Gedanken rasch wieder aufgeben. Scott schloss die Akademie ein Jahr vor Hwang ab, zwar mit sehr guten Leistungen, aber bereits in seiner Abschlussbewertung wurde angedeutet, dass er einige Probleme mit der Disziplin gehabt hätte. Seine erste Position nach der Akademiezeit war auf der Hyperion, nach seiner ersten Beförderung diente er in der zweiten Flotte an der cardassianischen Grenze als Kampfpilot. Dort verdiente er sich seine ersten Belobigungen und Auszeichnungen, aber auch einige disziplinarische Maßnahmen waren verzeichnet. Scott hatte mehr als einmal Probleme damit gehabt, sich unter Kontrolle zu halten und in Manöverübungen regelmäßig zu sehr dem Risiko gefrönt. Nach dem vierten derartigen Vorfall innerhalb von zwölf Monaten wurde Scott zu den Antares-Schiffswerften versetzt, um dort als Testpilot "die Chance zu bekommen, ruhiger zu werden", wie es Scotts damaliger Kommandant in seiner Versetzungsempfehlung begründet hatte. Für Spencer ergab sich also das Bild eines jungen, ungestümen Draufgängers, der zwar ein brillanter, aber nicht unbedingt sehr verlässlicher Pilot war. Diese Tatsache bedeutete natürlich Wasser auf Martins Mühlen, denn in einer Verhandlung ließen sich derartige Informationen, die nicht mit Fakten begründet oder widerlegt werden konnten, immer hervorragend einsetzen.
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