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Kennedy


"Museumsstück"

von Andreas Drechsler

Kapitel 13


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Logbuch der Kennedy, Sternzeit 21801.7, Lieutenant Commander Lemois: [19.10.2344 10:24:27]
Wir nähern uns dem Epsilon Aurigae-System, um Ralph Leyton an die Reflection zu übergeben. Die speziellen Gegebenheiten der Situation erfordern eine unkonventionelle Art der Übergabe. Ich habe außerdem die taktische Abteilung mit der Ausarbeitung einiger Manöver beauftragt, die wir auf dem Rückflug abhalten werden.
"Der Computer ist auf automatische Geschwindigkeitsanpassung programmiert, Commander", meldete Thalvan von der Flugsteuerung.
"Mr. Terk, senden Sie den Sicherheitscode, um die Annäherungsdetektoren auszuschalten. Lemois an Shuttlerampe! Sind Sie endlich soweit?"
"MacDonnell hier! Gleich, Commander. Die Abschirmung ist zwar installiert und funktioniert, ich würde sie aber gern noch einige Minuten aktiviert lassen. Ich bin mir noch nicht sicher ob sie dauerhaft läuft."
Lemois überlegte kurz. "In Ordnung, Lieutenant. Das Shuttle wird in fünf Minuten starten. Lemois Ende."
Ein für die Brückenbesatzung kaum merklicher Ruck ging durch das Schiff, als der Computer den Warpantrieb die Kennedy automatisch deaktivierte und sie danach mit Impulskraft in eine geringe Entfernung zur Sonne steuerte, nah genug, um wegen der Sonnenaktivität nicht auf etwaigen Langstreckenscans des Systems aufzutauchen, aber weit genug entfernt, um nicht die Schilde aktivieren zu müssen, jedenfalls nicht innerhalb der nächsten zehn Minuten. Bis dahin musste das Shuttle die Kennedy verlassen haben.
Lemois dachte an die relativ ruhigen Tage, die sie als Kommandantin der Kennedy seit dem Abflug von AL4 verlebt hatte. Obwohl der Captain sowie drei Abteilungsleiter nicht anwesend waren, hatte es im normalen Dienstablauf keine größeren Probleme mit der Schichtverteilung oder der Arbeitsleistung gegeben, obwohl Junioroffiziere den Maschinenraum, die Flugsteuerung und die Wissenschaftsabteilung leiteten. Besonders Torrente als Offizier vom Dienst in der Nachtschicht und MacDonnell als stellvertretende Chefingenieurin hatten in Lemois Augen in den letzten vier Tagen eine sehr gute Leistung geboten.
Sie selbst hatte es genossen, das Schiff vier Tage lang nach ihren Vorstellungen zu führen, auch wenn das für einige Besatzungsmitglieder hieß, einiges mehr an Disziplin einzuhalten und Dienstvorschriften verstärkt zu beachten. Spencers Kommandostil war für ihren Geschmack in einigen Bereichen unverändert zu locker und großzügig; es hatte der Leistungsfähigkeit der Crew zwar auf den ersten Blick geschadet, ihrer Meinung nach aber hätte mehr Strenge in vielen Fällen die Leistung noch weiter steigern können; dies fand sie rückblickend auf die letzten Tage bestätigt.
Auf der anderen Seite hatte sie sich einsamer als sonst gefühlt. Zum einen war sie allein die Verantwortliche für das Schiff gewesen, was für sie in dieser Form neu und deshalb ungewohnt und verwirrend war. Auf der anderen Seite hatte ihr auch ihre Freundin Hwang gefehlt, mit der sie über diese Probleme hätte sprechen können und die sie dabei auch hätte unterstützen können. Lemois hatte zwar einige Gespräche mit M'Boya geführt, diese waren aber wenig ergiebig geraten und vom stundenlangen Racketball spielen gegen Fähnrich Carpelli wurden ihre Fragen auch nicht beantwortet.
"MacDonnell an Brücke! Die Abschirmung ist stabil und das Shuttle ist startbereit." Lemois musste erst ein, zwei Sekunden überlegen, bevor sie verstanden hatte, was MacDonnell ihr gerade gesagt hatte, sie hatte sie sehr unsanft aus ihren Gedanken gerissen.
"Karov, ihr Einsatz", bestimmte sie knapp.
"Ja, Commander", bestätigte Karov, die weniger fröhlich als sonst klang, da Lemois darauf bestanden hatte, einige Verfahrensweisen in der Sicherheitsabteilung, an die sie sich seit Dienstantritt auf der Kennedy gewöhnt hatten, zu ändern. Dadurch war einiges an unangenehmer Mehrarbeit für die ohnehin unterbesetzte Sicherheitsabteilung entstanden.

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