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Kennedy


"Museumsstück"

von Andreas Drechsler

Kapitel 10


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Persönliches Logbuch, Commander Spencer, Sternzeit 21797,5: [17.10.2344 21:14:24]
Wir sind nun seit vier Tagen auf AL4. Nach zwei Tagen Umbau haben die ersten beiden Testtage bei weitem nicht die versprochenen Resultate gezeigt. Die Zusammenarbeit mit Dr. Martin läuft nicht gerade unkritisch. Ich werde für heute Schluss machen und den Tag bei einem guten Buch ausklingen lassen.
Spencer schaltete den Aufzeichnungsapparat aus und nahm sich eines seiner von der Kennedy mitgebrachten Bücher vom Tisch. Er legte die Füße hoch und schlug das Buch auf, doch bereits während der ersten Seite fühlte er sich unbequem und veränderte seine Sitzposition. Nach einigen weiteren Zeilen veränderte er seine Position erneut. Er rutschte zentimeterweise hin und her, verharrte, und versuchte abermals, weiterzulesen. Er schüttelte den Kopf und wollte sich gerade wieder bewegen, als ihn der Türsummer unterbrach.
"Herein!", rief er unwillig.
Hwang stand vor der Tür. "Darf ich eintreten, Captain? Oder störe ich Sie gerade?"
"Nein, Lieutenant, durchaus nicht. Ein gutes Buch ist nichts wert, wenn es keine bequeme Position gibt, in der es gelesen werden kann." Spencer klappte es zusammen, zielte und warf es zurück auf den Tisch. "Ich hätte mir meinen eigenen Stuhl mitnehmen sollen. Aber nehmen Sie doch Platz."
"Danke, Sir. Lassen Sie sich ihren Stuhl doch replizieren", schlug Hwang vor.
"Mein Lieblingsstuhl in meinem Quartier auf der Kennedy ist kein Standardmodell. Ich habe ihn selbst entworfen und an mich angepasst. Und ich kenne die nötigen Parameter nicht auswendig, um den Replikator zu programmieren. Doch Sie wollten mit mir bestimmt nicht über Stühle reden, oder?"
Hwang lächelte. "Nein, Captain. Es geht vielmehr um das Projekt."
"Habe ich mir fast gedacht", brummte Spencer. "Was haben Sie auf dem Herzen?"
"Es ist wegen Martin. Ich vertraue ihm einfach nicht. Und schließlich vertrauen wir, also Johnny und ich, ihm unser Leben an."
"Wenn Sie beide von diesem Einsatz abgezogen werden möchten...", bot Spencer an.
"Nein, das ist es nicht. Bis jetzt war auch alles in Ordnung", lehnte Hwang zögernd ab. Sie war sich plötzlich selbst nicht klar darüber, was sie genau wollte. "Was halten Sie von Martin?"
"Ich habe mich kundig gemacht. Als Wissenschaftler genießt er einen gewissen Ruf in Ingenieurskreisen, den er hier allerdings für mich bisher schuldig geblieben ist. Die Grundkonzeption seiner Idee ist zwar schlichtweg revolutionär, aber wie alle Revolutionäre scheint der Herr Doktor etwas voreilig zu sein. Die Erläuterungen klingen zwar alle recht plausibel, doch der subtile Eindruck der Unausgegorenheit, der sich bei mir anfangs eingestellt hat, konnte von ihm nicht überzeugend ausgelöscht werden. Beim Einbau wurde auch hier und da improvisiert, aber... er weiß wohl, was er tut."
"Würden Sie die Tests denn als gefährlich bezeichnen?" Hwang klang noch mehr verunsichert als zuvor.
Spencer hob beschwichtigend die Hände "Keinesfalls. Alles hat seine Ordnung bisher. Wir passen natürlich auf, falls Martin irgendetwas übersehen haben sollte. Und wir sorgen dafür, dass schön konservativ getestet wird."
"Aber das ist doch nicht vernünftig!", stellte sie fest. "Wir arbeiten für diesen Martin, vertrauen ihm aber nicht wirklich. Sie und ich, wir wissen, dass diese Tests hier nicht das sind, was sie sein könnten oder sollten. Warum tun wir nichts?"
"Weil wir es nicht wissen, sondern nur fühlen und glauben. Geben Sie mir einen wirklichen Beleg, dann löse ich diese Veranstaltung sofort auf."
Hwang zuckte mit den Schultern. "Ich habe keinen. Auch wenn ich mich von Tag zu Tag unwohler fühle."

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