|
Spencer wurde nachdenklich. "Und wo gedenken Sie, dieses Arboretum einzurichten?"
"Ich dachte an die Gästequartiere 4-1 bis 4-5, Freizeitraum 5 und den medizinischen Lagerraum auf Deck 4. Wir lassen sie zu einem großen Raum umbauen, in den wir dann das Arboretum einpflanzen."
"Das muss ich mir vor Ort ansehen." Spencer hatte mitunter immer noch Probleme, sich abgelegenere Räumlichkeiten auf seinem Schiff bildlich vorzustellen, das Netz aus Jeffries- und Wartungsröhren hätte er dagegen inzwischen blind aufzeichnen können. Zum Glück gab es ein schiffsinternes Koordinatensystem zur Orientierung in kritischen Situationen...
"Jetzt sofort?", wunderte sich M'Boya, die an so prompte Reaktionen Spencers nicht gewöhnt war.
"Wann sonst?", fragte Spencer trocken zurück und erhob sich. Er meldete sich bei Hwang, die im Moment die Brücke hatte, ab und fuhr zusammen mit M'Boya auf das vierte Deck.
Während sie ihn an den Räumen vorbeiführte, machte er sich im Geiste Notizen. Der Großteil der Gästequartiere befand sich auf Deck 3, die acht Quartiere auf Deck 4 waren kleiner, unkomfortabler und auch in absehbarer Zeit nicht von Nutzen.
Der Lagerraum war aus dem Grunde unbenutzt, da zwei Elektroplasmaleitungen und eine Energieleitung für die Trägheitsdämpfung durch die äußeren Seitenwände des Lagerraums führten und das Strahlungsaufkommen innerhalb des Raumes trotz aller Isolierung einige Prozent über den Normalwerten lag. Obwohl diese wenigen Prozent laut DeFalcos wiederholten Beteuerungen absolut unbedenklich waren, genügten sie der Ärztin, um auf eine Nutzung zu verzichten.
Freizeitraum 5 schließlich war für gewöhnlich recht spärlich besucht, er diente höchstens als Ausweichraum in den seltenen Fällen, in denen die größeren Gesellschaftsräume überfüllt waren.
"Wenn Sie sich um das Ausräumen, die Anpflanzung und alles weitere kümmern, sorge ich dafür, dass bei dem sowieso bald fälligen Aufenthalt auf der Sternenbasis die Zwischenwände herausgebrochen werden. Dass Sie mich jetzt richtig verstehen, Sie werden für das Arboretum fürs erste verantwortlich sein", beschloss Spencer.
M'Boyas dunkle Augen leuchteten fröhlich auf. "Danke, Captain. Endlich eine neue Aufgabe neben meiner Forschung."
"Was forschen Sie denn, Doktor?" Spencer wollte zumindest Bescheid wissen.
"Die Entwicklung sozialer Strukturen auf einem Raumschiff", antwortete sie vieldeutig und ließ bei ihrer Antwort Spencer nicht aus den Augen.
"Gut, Doktor", brummte dieser, der unbewusst eine abwehrende Haltung einnahm. "Halten Sie mich auf dem Laufenden. Ich meine... über das Arboretum", verabschiedete er sich verwirrt.
"Ja, Captain", bestätigte M‘Boya mehr als zufrieden und verschwand wieder in der nahe gelegenen Krankenstation.
Auf dem Weg zurück zum Turbolift erreichte Spencer ein Kommunikatorsignal DeFalcos.
"Mit den Reparaturen sind wir soweit fertig, haben da aber noch ein Problem", meldete dieser. "Schaust du mal kurz vorbei?"
"Bin unterwegs, Gerry. Wisst ihr inzwischen, wo der Fehler lag?"
"Rate mal."
Nach den Vorfällen der letzten Tagen konnte sich Spencer gut vorstellen, was DeFalco vorschweben mochte. "Materialfehler? Materialschwäche?", spekulierte er.
"Eine saubere Bruchstelle in der Verterium-Cortenid-Ummantelung", antwortete DeFalco. "Das gibt es gar nicht!"
"Na toll. Bis gleich. Spencer Ende." Er setzte seinen Weg zum Turbolift trabenderweise fort.
|