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Logbuch der Kennedy, Sternzeit 21766.2, Commander Spencer: [06.10.2344 10:18:03]
Nachdem beim heutigen Test des Warpantriebs ein Schaden in der rechten Warpspule aufgetreten ist, fliegen wir seit einer Stunde nur mit Impulskraft durch den Raum während ein Reparaturtrupp die fehlerhaften Plasmainjektoren ersetzt. Fast hätten wir die Schwellengrenze von Warp 8 in regulärem Betrieb überschritten, aber eben nur fast.
Spencer saß missgelaunt in seinem Bereitschaftsraum und widmete sich den täglichen Routineaufgaben in Ermangelung einer sinnvolleren Alternative.
In den letzten vierzehn Tagen, in denen sie dank eines weitest gehend ereignislosen Patrouillenfluges genügend Gelegenheit gehabt hatten, den Warpantrieb weiter zu optimieren, konnten sie zwar insgesamt drei verschiedene Lösungsansätze ausprobieren, waren aber insgesamt nicht voran gekommen. Beim letzten Versuch heute morgen wurde ein automatischer Nothalt des Warpantriebs eingeleitet, als einige Plasmainjektoren in der rechten Warpspule kommentarlos ihren Dienst einstellten.
Spencer war nun auch wie DeFalco der Ansicht, dass sie ohne zeitnahe Umbaumaßnahmen in einem Raumdock nicht einmal nennenswerten Fortschritte im Hinblick auf die magische Grenze von Warp 9 würden erzielen können. Letzterer hatte seine Ingenieure damit beauftragt, detaillierte Listen über Aus- und Einbauten zu erstellen, um die Zeit im Raumdock kurz und die Arbeit für die dort beschäftigten Planer möglichst gering zu halten, um die Chance auf eine unplanmäßige Dockeinkehr signifikant zu erhöhen. Der Türmelder des Bereitschaftsraumes summte.
"Herein!"
Doktor M'Boya lehnte sich gegen den Durchgang. "Störe ich, Captain?", fragte sie bestimmt und ohne den leisesten Hinweis darauf, dass die Intention ihrer Frage über den rein rhetorischen Rahmen hinaus reichen würde.
"Bei weitem nicht, Doktor. Setzen Sie sich." M‘Boya kam nur selten zu ihm, und wenn sie kam, dann ging es folglich um etwas Wichtiges. "Ist was mit der Crew?", fragte Spencer deshalb besorgt.
"Fähnrich Stipe leidet wieder unter Schlaflosigkeit", erwiderte M'Boya verwundert, so als hätte sie mit allem gerechnet, nicht jedoch mit dieser Frage. "Sonst sind alle bei bester Gesundheit." Sie besann sich auf ihr eigentliches Anliegen: "Mir ist jedoch aufgefallen, dass eine wichtige Sache auf diesem Schiff fehlt."
"Und was?", erkundigte sich Spencer geduldig. M‘Boyas Art und Weise der Gesprächsführung war von Zeit zu Zeit... gewöhnungsbedürftig.
"Ein Arboretum", antwortete sie knapp und erläuterte, als sie Spencers verwirrten Blick bemerkte: "Ein großer Raum mit vielen Bäumen, Pflanzen, Wasserläufen und und und."
Eine Einrichtung wie die gerade kurz beschriebene war auf Schiffen mit einer größeren Besatzung, die zudem längere Zeit unterwegs waren, seit einigen Jahren die Regel. Dort bot sich die Möglichkeit, sich ausgiebig zu entspannen, spazieren zu gehen oder einfach das authentische Grün der Pflanzen zu genießen.
"Wir haben doch Biotope? Reicht das nicht?", erkundigte sich Spencer. Er konnte sich im Augenblick nicht vorstellen, weshalb M‘Boya ohne Vorwarnung mit einem solchen Vorschlag auf einmal zu ihm kam.
Sie lächelte auf ihre eigentümliche Art und Weise. "Sie wissen gar nicht, wie eigen Wissenschaftler sein können. Drei Tage waren die Biotope zum Beispiel in der letzten Woche gesperrt, als Carpelli und Korba eine Versuchsreihe durchführten. Besucher hätten die Versuche nur stören können..."
Spencer zuckte die Achseln. "Und wo bitte ist das Problem?"
"Es ist nicht gut, wenn sich mehrere Crewmitglieder stattdessen mehrmals hintereinander den Holoneuverfilmung von ‚Apocalypse Now‘ anschauen", erklärte M‘Boya in gewöhnlichstem Ton. "Der Mensch schöpft Kraft und Hoffnung aus der Natur, auch wenn diese nur ein künstliches Konstrukt ist."
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