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Kennedy


"Gegen Willen und Vernunft"

von Andreas Drechsler

Kapitel 9


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"Bengtsson hier. Was gibt's, Captain?"
"Haben wir Schwierigkeiten mit dem Warpantrieb?", erkundigte sich Spencer.
"Was? Nein", antwortete Bengtsson knapp. "Der Energieaufwand für den Traktorstrahl ist in den letzten Minuten um 0.9% gestiegen, das ist alles."
Nach kurzer Überlegung deaktivierte Spencer die Verbindung zum Maschinenraum und nahm nachdenklich wieder im Kommandosessel Platz.
"Fähnrich Austin, setzen Sie einen Kurs, der uns um den Bereich mit den starken Subraumverzerrungen herumführt. Behalten Sie die momentane Warpgeschwindigkeit bei", ordnete Spencer im alltäglichsten Ton an.
"Captain!", fuhr Bengasi auf, nachdem er den Ausweichkurs Austins gesehen hatte. "Das würde uns über neun Stunden kosten! Wenn wir hindurchfliegen, wären wir in nicht einmal vier Stunden auf der Sternenbasis."
"Wir können aber nicht hindurchfliegen. Der Warpantrieb würde versagen. Folgen Sie dem Ausweichkurs, Fähnrich", sagte Spencer gelassen.
"Fähnrich Austin, Sie halten den gegenwärtigen Kurs", presste Bengasi, der seinen Ärger und seine Wut nur mühsam unterdrücken konnte, zwischen seinen geschlossenen Lippen hervor.
"Commander?" Mehr sagte Spencer nicht, sein verdutzter Gesichtsausdruck sprach für sich selbst.
Bengasi lehnte sich mit verschränkten Armen ans Brückengeländer und zeigte ein leeres, ausdrucksloses Gesicht. Es war jedoch nicht ausdruckslos genug, um das Feuer, dass tief in seinen Augen loderte, vollständig hinter dieser Maske zu verbergen.
Die vier übrigen Brückenoffiziere wechselten eigentümliche Blicke, Bengasi hatte gerade eine unwiderrufliche Entscheidung für alle getroffen. Wie sollten sie sich nun verhalten? Folgen Sie ihrem Pflichtbewusstsein oder ihrem gesunden Menschenverstand? Zählt nun Loyalität oder die Überzeugung, das Richtige zu tun? Und was ist überhaupt richtig?
Spencer blickte nach einigen verschwendeten Sekunden einmal den Viertelkreis entlang, an dem Austin, Karov, Bernhard und Quentin saßen. Alle vier blickten starr geradeaus in ihre Konsolen oder täuschten durch emsige Bedienung der Kontrollelemente Arbeit vor. Niemand wollte auch nur ein überflüssiges Wort sprechen oder auf eine andere Art und Weise Aufmerksamkeit auf sich lenken.
"Verstehe", brummte Spencer missmutig in die gespenstische Stille der Brücke. Er erhob sich.
"Folgen Sie mir, Mr. Bengasi", sagte er laut und fügte ein leises "... wenn Ihnen Ihre Karriere noch irgendetwas bedeutet" an. Er war sich nicht sicher, ob der Schall der letzteren Worte Bengasi überhaupt erreicht hatte oder ihn überhaupt erreichen sollte. Er nahm direkten den Weg in seinen Bereitschaftsraum, Bengasi folgte ihm dicht auf den Fersen. Unbemerkt von den anderen betätigte er im Vorbeigehen einen speziellen Knopf an der Maschinenkonsole.
Dass nun faktisch niemand das Kommando auf der Brücke hatte, war sowohl für Spencer als auch Bengasi nebensächlich, jedoch aus verschiedenartigen Gründen.

Bengtsson, der sich im Maschinenraum weiter intensiv mit den Leistungswerten des Warpantriebs beschäftigte, bemerkte das Aufleuchten einer für gewöhnlich nicht benutzten Kontrolllampe auf seinem Monitor. Er starrte sie ein, zwei Sekunden an, ein hämisches Grinsen verzerrte seine Miene. Mit einem Wink wies er seinen Stellvertreter an, seine Arbeit fortzuführen und verließ eiligen Schrittes den Maschinenraum.

"Was sollte das bedeuten?", fragte Spencer mürrisch, der sich nach einer mehr oder weniger schwungvollen Halb-Drehung um die eigene Achse Bengasi gegenübersah.
"Das wissen Sie genau", erwiderte Bengasi wie aus dem Phaser geschossen. Er hatte Spencer nicht einmal Zeit gelassen, sich zu setzen. "Ich habe die einzig richtige Entscheidung in dieser Situation getroffen."

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