|
Bengasi hatte das andere Ende des Schlauches erreicht, vergewisserte sich ein letztes Mal, dass der Durchgang zur del Cano verschlossen war und begann mit den Vorbereitungen, die Schleuse zur Viking zu öffnen.
"Bitte aktivieren Sie ihre Strahlungsnullisierer!", rief er. Daraufhin ertönten fünf Piepstöne in rascher Folge, alle Nullisierer waren aktiviert und schienen problemlos zu funktionieren. Nun sprach nichts mehr dagegen, die Schleusenvorrichtung zur Viking zu öffnen.
Nacheinander betraten Bengasi, Austin, Özhan, Karov und Spencer einen dunklen Korridor der Viking, die beiden Erstgenannten und Karov aktivierten ihre Tricorder und prüften die Umgebungswerte. Spencer und Özhan sahen sich stumm um.
"Die Strahlung hält sich dank der Nullisierer in Grenzen, alle anderen Werte an Bord entsprechen genau den Messwerten, die wir auf der Magellan erhalten haben", gab Bengasi bekannt. Austin bestätigte.
"Austin, sie halten mir die Strahlungswerte im Auge und sagen Bescheid, sobald sich etwas verändert", ordnete Bengasi an und stapfte voran, die Gruppe hatte Mühe, in ihren Strahlenanzügen mit ihm Schritt zu halten. Spencer aktivierte ebenfalls seinen Tricorder und suchte nach Lebenszeichen, die Werte waren ebenso seltsam verzerrt wie die von Karovs Tricorder.
Allein die Notbeleuchtung erhellte die ansonsten unversehrten Korridore der Viking, nur auf einen zweiten Blick ließen sich hier und da dunkle, versengte Stellen von bereits im Keim erstickten Bränden erahnen, einige Panelplatten hatten sich gelöst und waren zu Boden gefallen. Die automatischen Löschsysteme waren also noch in Funktion, zumindest waren sie es noch zum Zeitpunkt des Ausbrechens der Brände gewesen.
"Seltsam ruhig hier...", murmelte Bengasi halblaut, die Verstärker in den Schutzanzügen ließen seine Stimme seltsam blechern auf dem Korridor nachhallen und trieben den übrigen einen kalten Schauer über den Rücken.
"Hinter der nächsten Biegung erkenne ich...", Karov brach ab, als sie mit den Augen das wahrnahm, was ihr ihr Tricorder als reines Scanergebnis präsentierte. Ihre Hand umklammerte wie automatisch ihren Phaser, den sie in einem Halfter trug, allerdings ohne ihn zu ziehen. Özhan analysierte die Situation mit ihrem medizinischen Tricorder bereits genauer.
Vor einer Doppeltür lagen zusammengesunken zwei Besatzungsmitglieder der Viking, das Rot ihrer Uniformen schimmerte an den aufgeplatzten und versengten Stellen ihrer Strahlenschutzanzüge durch. Verantwortlich dafür war allem Anschein nach eine weitere Person, die einige Meter entfernt auf dem Boden lag. Es war ein Passagier, erkennbar an seiner ‚normalen‘ Kleidung, einen Schutzanzug trug er auch nicht. Seine Waffe, einen bereits veralteten Phaser, hielt er fest umklammert.
"Was ist denn hier passiert?", fragte Austin verstört. Bengasi war für den Augenblick sprachlos.
"Alle drei Personen starben an einer Überdosis der Strahlung", gab Özhan nüchtern bekannt.
"Eine Panik an Bord? Nicht ausreichende Schutzanzüge für die Passagiere? Situation außer Kontrolle?", fragte Spencer, der wie die übrigen noch nicht so recht fassen konnte, was er vor sich sah.
Ein Piepsgeräusch an ihrem Tricorder ließ Karov nachschauen. "Ich habe meinen Tricorder auf eine automatische Anpassung an diese Strahlung programmiert. Es gibt keine Lebenszeichen mehr auf diesem Deck."
Spencer sah Bengasi an, dieser starrte immer noch entgeistert ins Leere. Er hatte wohl mit allem gerechnet, doch nicht mit einer solchen Situation. Spencer entschied sich, das Eis der Lage zu brechen und die Leitung der Gruppe zu übernehmen.
|